Editorial neulich morgens beim Zähneputzen. Meine Tochter, 7, wie immer minimal motiviert. Ich, auch wie immer, davon maximal genervt. Nach exakt 35 Sekunden pfeffert sie die Zahnbürste zurück in den Becher: „Fertig.“ In Gedanken gehe ich meine Optionen durch. Die Karius-und-Baktus-Geschichte zieht sowieso nicht mehr, und plötzlich höre ich mich sagen: „Du musst länger putzen, dann bleiben deine Zähne auch schön weiß.“
Irritierter Blick vom Kind. Autsch. Ich merke sofort, dass ich hier pädagogisch und feministisch völlig falsch abgebogen bin. Ich versuche eigentlich, Schönheitsideale von ihr fernzuhalten, kommentiere zum Beispiel nie ihr Aussehen, sondern mache ihr Komplimente für ihre Talente. Die Hoffnung, dass ich hier noch mal davonkomme, zerschlägt meine Tochter dann auch sofort: „Aber Mama, du sagst doch immer, es muss nicht immer alles schön sein.“ Erwischt.
So oder…