AM ABEND vor der Reise, von der sich Ronja Santandrea ein besseres Leben erhofft, kniet sie im schweizerischen Winterthur vor ihrem Koffer. Darin liegen, neben Kleidchen, Sonnencreme und Badeschlappen:
Ein Päckchen Graubündner Gemüsesuppe, gegen das Heimweh.
Ein Zehnerpack Wegwerf-Unterhosen, für die ersten Tage nach der Operation.
Eine Creme mit weiblichen Hormonen.
8600 US-Dollar in kleinen Scheinen.
Das Medikament gegen die Angst.
Ronja, 37, hat ihre blonden Haare zusammengebunden und trägt ein weißes Hemd mit Spaghettiträgern. Auf ihren Fingerspitzen leuchten lilafarbene Gelnägel. Als ihre Ehefrau Michelle Santandrea, 27, einen Badeanzug in die Tasche wirft, da seufzt Ronja: „Ach, ich bin ja schon traurig, dass du im Hotelpool schwimmen wirst und ich nicht!“
Ronja ist aufgeregt, obwohl sie sich gut vorbereitet hat. Sie hat eine Premium-Reiseversicherung abgeschlossen, mit Krankenrücktransport für Notfälle. Sie…