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Culture & Literature
GEO Epoche Edition

GEO Epoche Edition

21/2020

"GEO EPOCHE EDITION präsentiert jeweils eine Ära der Kunstgeschichte monothematisch und bildgetrieben. Bei GEO EPOCHE EDITION geht es darum, die jeweilige Ära so sinnlich und anschaulich wie möglich wieder aufleben zu lassen, um zu verstehen, was die Auftraggeber der Kunstwerke bewegte. Unter welchem Druck die Künstler standen. Woran sie glaubten. Worum es bei der Symbolik bestimmter Kunstwerke ging. "

Country:
Germany
Language:
German
Publisher:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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2 min.
editorial

Liebe Leserin, lieber Leser In Bayern wird vor gut 100 Jahren Geschichte geschrieben. Aus vielen Teilen Deutschlands, aus der Schweiz, von der Adria und aus Russland sind Frauen und Männer nach München und ins Alpenvorland gezogen – getrieben vom Wunsch nach gesellschaftlicher Freiheit und davon, neue Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Arbeit zu finden: Alexej von Jawlensky und August Macke, Paul Klee, Erma Bossi und Marianne von Werefkin. Sie verstehen sich als Avantgarde und führen die Kunst in die Moderne. Ihre Stilrichtung ist der Expressionismus. Die Idee ist ungeheuerlich. Kunst soll nicht mehr bei den Erscheinungen der äußeren Welt verharren, sondern mit radikalen Mitteln zu einer vom Künstler erspürten Wahrheit vordringen. Das ist eine Revolution, wie den Menschen zu dieser Zeit Revolutionäres widerfährt. Eisenbahnen verbinden Städte, Industriereviere entstehen, Dörfer und Metropolen verändern sich in…

5 min.
aufbruch ins unbekannte

HEINRICH CAMPENDONK 1889–1957 Geboren in Krefeld, zieht er mit 21 Jahren nach Sindelsdorf in Oberbayern. Als jüngster Mitstreiter des Blauen Reiters entwickelt Campendonk seinen Stil unter dem Einfluss von Franz Marc und Wassily Kandinsky sowie des Kubismus ALEXEJ VON JAWLENSKY 1864–1941 Der ehemalige zaristische Offizier kommt 1896 zusammen mit seiner Partnerin Marianne von Werefkin von Sankt Petersburg nach München – und wird zu einem der wichtigsten Vertreter der Avantgarde WASSILY KANDINSKY 1866–1944 Mehr als alle anderen seiner Malerkollegen abstrahiert der russischstämmige studierte Rechtswissenschaftler die Bildgegenstände. Kandinsky entwickelt eine Kunsttheorie, die auf dem Zusammenwirken von Formen, Farben und Sinneseindrücken basiert ALFRED KUBIN 1877–1959 Der böhmische Maler, Zeichner und Schriftsteller lässt sich immer wieder vom literarischen Genre der Fantastik beeinflussen. Mit ihm wird offenbar, wie sehr der Blaue Reiter sich als Plattform für ganz unterschiedliche Künstler versteht FRANZ MARC 1880–1916 Reisen nach Paris machen den Münchner…

29 min.
die leuchtende stadt

Ein nebeliger, ungemütlicher Novemberabend in München. Schnee liegt in den Gassen. Im Weinlokal „Eckel“ in der Theresienstraße drängen sich Studenten und Künstler, literaturinteressierte Beamte und Offiziere. Und als vorn im Saal ein junger Mann mit gepflegtem Schnurrbart zu lesen beginnt, hat er den düsteren Herbst schon nach den ersten Worten vertrieben: „München leuchtete. Über den festlichen Plätzen und weißen Säulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Palästen und Gartenanlagen der Residenz spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und lichten, umgrünten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem Sonnendunst eines ersten, schönen Junitages.“ Was für ein Idyll! Thomas Mann liest an diesem 18. November 1901 aus seiner Erzählung „Gladius Dei“ („Schwert Gottes“). Genauer: Er schwärmt, schwelgt, preist. Denn dieser 19 Seiten lange Text beginnt wie eine Hymne…

2 min.
der frische blick

27 min.
abkehr von der wirklichkeit

Kahle, zerfetzte Bäume, verwüstete Parkwege, eine zerschossene Ruine: Schloss Gussainville, rund 20 Kilometer östlich von Verdun – nahe der deutsch-französischen Front. In einem noch regenfesten Zimmer hat sich der kaiserliche Artillerieleutnant Franz Marc aus einem umgedrehten Kaninchenstall und Heu ein Bett gebaut. Es ist der 4. März 1916, ein sonniger Frühlingstag. Wie meist, wenn er freie Zeit hat, schreibt Marc seiner Frau Maria. Bittet sie, sich keine Sorgen zu machen; er fühle sich gut, gebe auf sich acht. Längst jedoch ist aus den Briefen die Hochstimmung des ersten Kriegsjahres geschwunden. Sein Glaube an eine ideelle Läuterung des dumpfen, materialistischen Europas, an einen blutigen „Durchgang zur Zeit des Geistes“, wie er dem Malerfreund Wassily Kandinsky 1914 geschrieben hat. Denn die Kämpfe haben ihm jede Hoffnung geraubt, dass „bei dieser ganzen Schießerei“ etwas „Erhebliches…

3 min.
das manifest