Eine Nachbarin kommt mir joggend entgegen, grüßt, stoppt jäh, guckt mich eindringlich an und fragt: „Alles gut bei Ihnen?“ Ich: „Ähm. Ja, danke. Wieso fragen Sie?“ Sie: „Sie sehen so bedröppelt aus.“ – „Nee, alles okay, echt“, stammele ich, angestrengt nach einer Erklärung für meine offensichtliche Bedröppeltheit suchend. „Bisschen müde vielleicht.“ Denn ich bin nicht bedröppelt, wirklich nicht. Ich fühle mich zumindest nicht so. Wieso sehe ich dann so aus?
Die Antwort folgt am Nachmittag in Form eines Schreibens vom Landratsamt. Geschwindigkeitsübertretung außerorts am soundsovielten um soundsoviel Uhr, nach Toleranzabzug soundsoviel zu schnell, Bußgeldbescheid – blöd. Aber am blödesten das Beweisfoto.
Es zeigte ein leeres, mattes – man könnte sagen: bedröppelt wirkendes – Gesicht hinterm Steuer bei Nacht, die Lider auf Halbmast, die Mundwinkel auch, den Blick im Nichts, mit…
