AD (D)

AD (D) Oktober 2020

Stil leben! AD ARCHITECTURAL DIGEST ist das Premium-Magazin für Architektur, Wohndesign und Lebensart im deutschsprachigen Raum. Jede Ausgabe fasziniert durch ihr hohes Maß an Qualität und Originalität mit beeindruckenden Bildern und excellent recherchierten Geschichten. Anspruchsvolle Architektur, luxuriöses Interieur, intelligente Wohnkonzepte – zur Vielfalt von AD gehört der ganze Themenkosmos moderner Lebensart. Von Design und Einrichtung über Kunst, Uhren und Schmuck, Autos und Yachten bis zum Reisen – AD informiert, berät und unterhält den anspruchsvollen Leser.

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Pays:
Germany
Langue:
German
Éditeur:
Conde Nast Germany GmbH
Fréquence:
Monthly
6,22 €(TVA Incluse)
44,52 €(TVA Incluse)
10 Numéros

dans ce numéro

1 min
traditions bewusst

Fotos: Montblanc; Nomos Glashütte; Stilwerk K. Sickinger; Friedrich;Ingmar Kurth; © SKD; Porträt: Anneliese Bonitz…

5 min
wedding forever

„Früher war das Durchgangszimmer ein komischer Raum. Erst seit dem Durchbruch zur Küche ergibt der Grundriss einen Sinn.“Jules Villbrandt Fines Tages war er da: der Brief der Hausverwaltung, der ankündigte, dass das Gebäude, in dem Julia-Ruth Villbrandt und Alhadj Diallo mit ihrem Sohn Justus wohnen, aufgestockt werden sollte, um Wohnraum zu schaffen. In zwei ihrer Zimmer müsse man deshalb die Decke aufreißen und stützende Balken für das neue Geschoss einbauen. Doch statt zu verzweifeln, entschlossen sich Villbrandt, 33, und Diallo, 37, ihre Mietwohnung nun endlich grundlegend zu renovieren und das anzupacken, was schon seit Jahren auf der Wunschliste stand: Raufasertapete runter, Laminat raus, Dielen, Türen und Griffe restaurieren. Die ungeliebte Wand zwischen der Küche und dem „Berliner Zimmer“ durchbrechen und das bisherige Elternschlafzimmer in einen offenen Ess- und Wohnbereich verwandeln. „Hätten wir den Brief…

8 min
aus dem alltag ein fest

Grüne Fensterläden zum Fassadengelb, jubilierendes Münchner Rokoko. Wir sitzen in der Küche des einstigen Kavaliershauses der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Nördliches Schlossrondell 8. Der Wind trägt die Geräusche aus dem Garten herein, Wasser plätschert, Blätterschatten flirren über die Wände. Seit 1767 wohnten hier die Direktoren der Manufaktur, dann Bärbel Jacobs von der Hamburger Kaffee-Dynastie, und nun wurde aus dem Palais „The Langham Nymphenburg Residence“, das kleinste und wohl ungewöhnlichste Hotel im Portfolio der Langham-Gruppe. Diese Aussicht auf das Schloss und die Kanäle, so nah und festtäglich, fast surreal, eine Filmkulisse! Auch der verwunschene Park mit seinen Fabeltieren und Fayencen, die Hecken und Wege wirken an diesem Zauber mit. Und dann – „Honeycomb!“, Anders Thomas, Geschäftsführer der Manufaktur, fährt mit dem Finger über das Bienenwabenrelief seiner Tasse. Die feine Goldstaffierung leuchtet. Dass der…

1 min
auf der lichtung

Schlossgut Schwante, Brandenburg Ganze Büschel grub man als Kind irgendwo aus – Mohn oder gelbes Unkraut –, um sie an einem magischen Ort wieder einzugraben. Für ein paar Stunden, manchmal nur für eine halbe, durfte man sich der Illusion hingeben, sie würden wachsen. Dann welkten sie auch schon. Der japanische Künstler Toshihiko Mitsuya hat diesen Kindertraum nun wahr gemacht, hat fragile, aus Aluminium geformte Blumen, Blätter und Gräser auf einer Lichtung des Schlossguts Schwante gepflanzt. Alle zwei Wochen kommt er, um das Gras in seinem Kunstprojekt „The Aluminium Garden“ zu schneiden. Und um neue Aluminiumpflanzen zu setzen, die feenhaft das Licht reflektieren und den Klang des Windes einfangen. schlossgut-schwante.de…

1 min
der erste grüne kanzler

Rhöndorf, Nordrhein-Westfalen Hier saß er mit Charles de Gaulle unter dem „Chinesenhut“, seinem Gartenpavillon, als wären sie in Nizza. Adenauer liebte diesen südlich umblauten Hanggarten am Rhein, in dem es das ganze Jahr hindurch blühte: Schneeball, Tulpen, Rosen, Astern, Feigen und Aprikosen. Ein Blauglockenbaum. „Wo jibbet dat sonst?“ In Rhöndorf hatte er auch die Hitlerzeit verbracht. Innere Emigration, ohnmächtige Wut mit Rosenduft betäubt. Dann wurde er Kanzler, bekam eine eigene Rose (samtrot, duftend), gönnte sich eine Boccia-Bahn mit Flutlicht und erfand die Westbindung. Aber sein Motto blieb: „Nit reden, jäten.“ Mühe, ja, aber vor allem: Freude. „Blüht der Aprikosenbaum schon?“, fragte er noch kurz vor seinem Tod. adenauerhaus.de Foto: Roland Breitschuh aus dem Bildband „Adenauer. Der Garten und sein Gärtner“, Greven Verlag Köln GmbH, 2020…

2 min
wer, wie, was?

Oase am Rosa-Luxemburg-Platz Oben residiert Suhrkamp, in einem Haus von Roger Bundschuh, im Parterre eröffnen nun die Niederländer Lode van Zuylen und Stijn Remi ihr zweites „Remi“-Restaurant in Berlin. Ester Bruzkus schuf ein zart-kräftiges Interior für die Brasserie. remi-berlin.de Drei Fragen an Udo Kittelmann Sie sind ein Mann der unterschiedlichsten Passionen. Seit wann sammeln Sie Keramik von Walter Bosse? Die Leidenschaft begann vor mehr als zehn Jahren, mit einem kleinen weißen Bären (unten links). Liebe auf den ersten Blick. Aber die Vorstellung von Schönheit wie auch die von Liebe ist ein tückisches Ding, weil beide sich nicht vollständig objektivieren lassen. Man muss sie erfahren und empfinden. Wurden Sie deshalb schon für exzentrisch gehalten? Als ich in den 90ern begann, Werke von sogenannten Outsider-Künstlern auszustellen, war es ähnlich. Auch das stieß zunächst auf Unverständnis. Heute…