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stern Crime

stern Crime 01/2015

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

2 min
wahre verbrechen …

… haben den stern schon immer bewegt. Geschichten über Opfer und Täter, über Recht und Gerechtigkeit gehören seit Jahrzehnten zur DNA unseres Magazins. Kriminalfälle interessieren, ja faszinieren die Leser, diese Geschichten lassen sie und auch uns oft nicht los. Wir interessieren uns für das, was geschah, für die Vorgeschichte und die Motive, wir interessieren uns für die Menschen, die darin verwickelt sind. Wir wollen wissen, warum es zu den Verbrechen kam und wie sie aufgeklärt wurden. Ihre Gewalt stößt uns ab, ihre Opfer wecken unser Mitgefühl, die Täter manchmal auch. Manche Geschichten sind längst nicht zu Ende, wenn die eigentliche Tat vorbei ist. Manche verfolgen uns, über Monate, manche jahrelang. Verbrechen berühren etwas ganz tief in uns, weil sie Grenzerfahrungen sind. Bei einigen Fällen fragen wir uns, wie wir selbst gehandelt…

5 min
am anfang war der mord

Es war ein milder Spätsommertag vor vielen Jahren, die Sonne war im Begriff unterzugehen, als K. der Zorn packte. Es war ein Zorn, den er nicht mehr begreifen konnte. Ein Zorn, den er nicht mehr halten konnte. Ein Zorn, der sich lange aufgestaut haben musste, vielleicht schon sein ganzes Leben lang. Warum, schrie es in K., fällt manchen alles zu, und andere, die hart arbeiten, erreichen trotzdem nichts? Warum hat einer immer Glück und der andere nie? Warum, brüllte es in seinem Kopf, stehen manche immer im Licht? So wie A. Warum werden andere immer übersehen? So wie ich. Gerade erst hatte K. sich große Mühe gegeben, dem obersten Chef einen Dienst zu erweisen. Und der Chef hatte nur weggesehen. Seine Leistung abgetan, sein Bemühen nicht gewürdigt. A. hatte auch…

32 min
und es hört nicht mehr auf

Junge Frauen verschwinden. Viele junge Frauen. Manche spurlos, manche tauchen wieder auf: erschlagen, erwürgt, missbraucht. Am Highway 16, der über mehr als 1000 Kilometer durch Kanadas einsamen Westen führt. Der Highway of Tears, wie die Menschen hier sagen. Die Straße der Tränen Einsamkeit kann sehr anziehend für manche Menschen sein. Williams Lake zum Beispiel ist so ein Ort, der sie anlocken kann. Wie ein stiller Hafen, mitten in der Einsamkeit, umschlossen von Wäldern, die man endlos nennen darf, die wie ein undurchdringliches Tuch die Hügel zudecken. Der Fraser River strömt wie zu ewigen Zeiten an der Stadt vorbei, stetig, in Ruhe und Frieden. Elche und Grizzlys trinken an ihm, Schwarzbären, die im klaren Wasser nach Lachsen schlagen. Im Herbst, wenn das Spiegelbild der Ahornbäume den nahen See rötet, wandert man als…

14 min
überfal, habe bomba!

Die Bank durfte nicht zu weit entfernt liegen, denn seine Monatskarte für den Bus galt nur für ein paar Zonen. Und sie durfte nicht zu nah an seiner Wohnung liegen, die Leute würden ihn erkennen. Er würde den Lederhut tragen, den er auf dem Gehweg gefunden hatte, die alte Sonnenbrille und den Columbo-Trenchcoat aus seinem Schrank. Er würde kein Wort sagen, nicht so wie die ungeschickten Supermarkt-Räuber aus „Aktenzeichen XY“ von gestern Abend. Er müsste nichts sagen, dafür hätte er den Zettel. Die falsche Fährte. Er hatte sich gleich nach der Sendung die Rechtschreibfehler ausgedacht, nichts würde verraten, dass er Deutscher ist, nichts deutete mehr darauf hin, dass er Englisch studiert hatte. Der Plan war gut. Nun müsste er nur noch ruhig werden. Je länger er auf der Bettkante saß, desto…

4 min
auge um auge

Sie wollten nur ein paar Jacken und Hosen stehlen. Warme Kleidung, wie man sie manchmal braucht in der schroffen, feucht-felsigen Landschaft von Guatemala. Sie hatten keine Pistolen, nicht einmal Messer. Sie waren vier gewöhnliche Diebe, die glaubten, dass ihr Tun ohnehin kaum jemanden interessiere. Es war in den frühen Morgenstunden des 13. September 2012, als sie die Eingangstür eines kleinen Geschäfts aufbrachen im Bergdorf San Juan, gelegen auf 1500 Metern im Zentrum des Landes. Ihre Beute stopften sie in Taschen. Doch als sie dem Tatort entkommen wollten, sahen sie sich plötzlich einer Mauer aus Menschen gegenüber. Männer und Frauen mit Gewehren, Knüppeln und Macheten. Erst waren es nur einige Dutzend, dann weit über hundert. Sie schlugen die Einbrecher zusammen. Dann brüllten sie: „Verbrennt die Schweine!“ Jemand rannte los, um Benzin zu…

3 min
ein u-boot für 1000 riesen

Dieses Ding sei sicherlich sein Meisterstück gewesen, sagt Arno Funke, heute 65. An dem Mini-U-Boot hatte er 1993 über mehrere Monate in seiner Laube in Bohnsdorf nahe dem Flughafen Berlin-Schönefeld gewerkelt, gelötet und geschraubt. Zentrales Bauteil: ein Behälter, um darin ein Paket mit exakt 1000 Scheinen à 1000 Mark wasserdicht zu verstauen. Fünf Jahre zuvor hatte Funke, der als „Dagobert“ Kriminalgeschichte schrieb, das Berliner Kaufhaus KaDeWe um genau 500 000 Mark erpresst, indem er dort zwei Bomben legte – eine zündete tatsächlich und richtete beträchtlichen Sachschaden an. Als das Geld verbraucht war, fing er 1992 an, vom Karstadt-Konzern die Summe von einer Million zu fordern. In dessen Filialen in Hamburg, Bremen und Hannover ließ er Bomben detonieren, in Magdeburg einen Brandsatz – zwei Menschen erlitten leichte Knalltraumata. Immer wieder hatte der…