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stern Crime

stern Crime 03/2015

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

1 min
95 prozent aller morde…

… in Deutschland werden aufgeklärt. Die Ermittlungen führen zu einem Täter, häufig auch zu einem Geständnis. Für die Angehörigen der Opfer ist dies das Wichtigste – weil es ihnen nicht allein um die Strafe geht. Sie wollen Gewissheit. Was ist dem Opfer passiert? Und warum? Die Mutter der Paderborner Krankenpflegeschülerin Frauke Liebs ist eine der Angehörigen, die sich diese Fragen immer wieder stellen und keine Antworten bekommen. Während die Deutschen im Sommer 2006 die Fußball-WM feierten, verschwand ihre 21 Jahre alte Tochter. Sie wurde Opfer eines in Deutschland unvergleichlichen Verbrechens. Doch was genau mit ihr geschah, ist bis heute nicht geklärt. Über das Erlebte mit unserem Reporter Dominik Stawski zu reden war für Fraukes Familie und ihre Freunde sehr schwierig. Wir haben uns entschieden, die Geschichte über den Fall Frauke Liebs anders…

5 min
du opfer

Sie hat die Ausbildung abgebrochen nach dem Prozess gegen ihren Vergewaltiger, sie hat ihre Wohnung verlassen, ihren Freund und ihr Heimatdorf. Sie jobbt jetzt in einer Reinigung, in einer Stadt, in der niemand sie kennt. Nur einmal im Jahr, an Weihnachten, fährt sie zu ihren Eltern, aber das Haus verlässt sie dann nicht, und sie reist erst ab, wenn es dunkel ist und niemand sie sieht. „Ich spreche nicht darüber“, sagt sie, „ich schäme mich so.“ „Warum sind Sie weggegangen?“, frage ich. „Sie haben doch nichts getan. Sie müssen sich nicht verstecken. Sie sind das Opfer.“ – „Ich will nicht erkannt werden“, sagt sie. „Ich will vergessen. Aber weil ich nicht vergessen kann und weil ich nichts erklären kann, habe ich keine Freunde mehr.“ „Sie waren zu viert, ich hatte keine Chance“,…

26 min
[ die toteninsel ]

[E]s ist kurz vor zwei in der Nacht, als die Hure nach Oak Beach kommt. Ihr Fahrer stoppt vor dem Wachhäuschen. Der Freier nähert sich in einem SUV, steigt aus und öffnet die Schranke. Sie folgen seinem Wagen in die Siedlung. Vor dem Haus des Freiers verlässt die Hure das Auto und geht mit ihm hinein. Der Fahrer bleibt sitzen. Später sieht er, wie die beiden das Haus verlassen, wegfahren und nach ungefähr einer halben Stunde zurückkehren. Was danach hinter der verschlossenen Tür geschieht, sieht er nicht. Es ist gegen fünf, als ihn ein Klopfen am Autofenster aufschreckt. Vor ihm steht der Freier: „Kannst du sie zur Vernunft bringen?“ Der Fahrer folgt ihm nach drinnen. Das Haus ist verwahrlost. Auf einem Glastisch liegen Essensreste, der graue Teppichboden ist schmutzig, es riecht nach Katzenpisse.…

3 min
die spur am kabel

DIE DRÄHTE Vor Gericht gab Herisch Ali A. an, dass Rudolph Moshammer ihn mit dem Kabel geschlagen habe, bevor er es ihm um den Hals schlang. Doch die Richter glaubten Ali A. nicht – denn dann wären die herausragenden Kupferdrähte aufgefächert und nicht „ganz glatt“ gewesen. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Ali A. so lange an dem Kabel gezogen haben muss, bis es riss und der Modeschöpfer tot war. Das Mordwerkzeug wird im Münchner Polizeimuseum ausgestellt. Rudolph Moshammer traf seinen Mörder an einem Winterabend des Jahres 2005 in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Der exzentrische Modemacher kreuzte mit seinem Rolls-Royce durch die Innenstadt. Wie schon so oft war er auf der Suche nach jungen Männern. Männern, die er mitnahm in sein Haus im Vorort Grünwald, wo sie ihm dann sexuell…

15 min
schneemann

Der Starkwind kommt von einer Sekunde auf die andere. Packt sich die „Blue Star“ wie ein übellauniges Kind seine Puppe. Rüttelt. Zerrt. Nass klebt das Hemd an Kai Scherer*, er hat sich erst spät, zu spät, darangemacht, die Segel zu reffen. Seine Muskeln zittern vor Anstrengung. Er kämpft mit dem Wind, den Wellen. Und mit seiner Unerfahrenheit. Vor ein paar Wochen noch beschränkte sich seine Wassersporterfahrung auf Tretbootfahren. Jetzt, im Frühjahr 2011, versucht er auf einem Regattaboot, einer Nussschale aus Kunststoff und Karbon, allein über den Atlantik zu segeln. Und der Starkwind drückt das Boot auf die Seite. Gerade eben kann er sich an Bord halten. Ein Anfänger allein auf dem Atlantik. Kai Scherers Plan ist nicht wagemutig. Sondern irrsinnig. Irrsinnig gefährlich. Warum bloß hat er sich darauf eingelassen? Ich wollte das Abenteuer, sagt Kai…

2 min
paulo berbat, brasilien

Herr Berbat, in Brasilien werden jedes Jahr rund 60 000 Menschen umgebracht. Wann gab es den letzten Mord in Ihrer Favela? Das ist lange her. Wir hatten hier in drei Jahren gerade mal zwei Morde. Auch Überfälle gibt es so gut wie nie. Wenn wir überhaupt mal gerufen werden, dann wegen Lärmbelästigung oder häuslicher Gewalt. Wie kann das sein? Rios Armutsviertel gelten als Hochburgen von Gewalt und Verbrechen. Man muss da differenzieren. Es gibt sehr sichere Gegenden, nicht anders als in Europa. Hier in Vidigal, im Süden Rio de Janeiros, leben 30000 Menschen friedlich zusammen. Aber es gibt auch die anderen Orte. Da dominiert die Drogenmafia, da kommt es häufig zu Morden und Schusswechseln mit der Polizei. Das ist wie Krieg. Die Banden haben großkalibrige Waffen, sie sind ausgerüstet wie Streitkräfte. Warum bekommt Brasiliens…