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stern Crime

stern Crime 08/2016

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

1 min
das verhör ist …

... eine der ältesten Methoden, um an Beweise zu kommen. Im besten Falle erlangt der Vernehmer am Ende vom Verdächtigen ein Geständnis. Insofern gilt das Verhör unter Ermittlern als die Königsdisziplin der Polizeiarbeit. Die Kunst der Vernehmung zeigte sich so eindrücklich wie selten am 7. Februar 2010 im Raum 216 der Polizeistation Ottawa im Südosten Kanadas. An diesem Nachmittag traten zwei überaus intelligente Männer in das Zimmer: der eine ein erfahrener Polizist, der andere ein herausragender Offizier der kanadischen Luftwaffe, der plötzlich unter Verdacht geraten war. Sie sprachen an diesem Tag fast zehn Stunden miteinander. Es ging um mehrere Überfälle, einen Mord und eine Frau, die vermisst wurde. Im Zimmer 216 wurde nicht ein einziges Mal gebrüllt, dafür wurde geflüstert. Oft herrschte Stille. Stille ist drängender als jede Frage. Das Zimmer war…

5 min
hart, aber nutzlos

Die Menschen waren schon immer erfinderisch, wenn es darum geht, unerwünschtes Verhalten zu bestrafen. Besonders im ausgehenden Mittelalter. Im Wien der Jahre 1470 bis 1479 zum Beispiel, da hängte man 44 Übeltäter, ertränkte elf, köpfte zehn, räderte fünf und verbrannte drei. Die Strafen waren grausam, selbst für minder schwere Verbrechen. In Stralsund hängte man von 1536 bis 1572 nicht nur 146 Mörder, sondern auch gleich 40 Diebe, sieben Straßen- und Seeräuber, fünf Brandstifter, drei Betrüger, zwei Kirchenräuber und zwei Falschmünzer. Allein: Die überlebenden Diebe, Räuber, Brandstifter und Betrüger hat das offenbar wenig beeindruckt. So wie in Wien und Stralsund ging es überall zu im Westen Europas. Das Gefolter und Gemetzel der Henker trieb die mittelalterliche Kriminalitätsrate nicht nach unten. Das fiel auch schon Zeitgenossen auf, ein Sprichwort ging um: „Es gibt mehr Diebe als…

27 min
die witwe

„KEIN NOCH SO GRUSELIGER FILM KANN SO GRUSELIG SEIN WIE DAS, WAS ICH GETAN HABE“„Meine zwei Leben“, Estibaliz C. Die Frau, die diese Worte schreiben wird, ist eine zarte Person. Mit großen Augen wie Penélope Cruz und einem mädchenhaften Körper. Sie liebt Pfefferminzeis, diesen kühlen, scharfen Geschmack. Und sie mag starke Männer, groß und älter als sie. So stark wie Gerhard*. Zumindest hat sie mal gedacht, dass Gerhard das ist. Und nun sitzt Gerhard vor ihr auf dem Schreibtischstuhl. Zwei Tage sitzt er schon auf dem Stuhl. Sie kann ihn nicht ewig dort sitzen lassen. GERHARD Ein Hüne mit feinem blondem Haar. Männlich war er in ihren Augen, mit seinen 1,95 Metern und den 110 Kilo. Ein starker Mann, der einem sagen konnte, wo es langgeht. Er würde sie vor allem Bösen dieser…

16 min
der whiskey - räuber

AM FREITAG, DEM 22. JANUAR 1993, betrat ein Mann mit einer leuchtend roten Skimütze die Postfiliale in der Villányi út in Budapest. Der Mann trug einen Regenmantel, unter den Ohrenklappen seiner Mütze stach borstiges, braunes Haar hervor, und es war schwer zu sagen, ob sein ungelenker Gang eine Folge seiner übergroßen Schuhe war oder ob er mit dem Schnapsgeruch zusammenhing, der ihn umwallte. „Dies ist ein Überfall!“, sagte der Mann und zog eine Waffe, die aussah wie eine Spielzeugpistole. Eine der beiden Kassiererinnen fragte, was er da tue. „Mund halten“, sagte er und schob verlegen hinterher: „Bitte!“ Dann räumte er das Bargeld aus den Schubladen, sperrte die Tür von außen mit einem Vorhängeschloss zu und hastete davon, wobei er die Beine wegen seiner großen Schuhe so weit heben musste, dass er…

9 min
und nichts ist wie zuvor

Es gibt da diese eine Stelle, bei der Dave McDunn immer lachen muss, wenn er seine Geschichte erzählt. Er hatte damals, im Mai 2012, Streit mit seiner ehemaligen Vermieterin. „Nichts Gro-ßes. Es ging um 1300 Dollar“, sagt er. Dennoch landete der Fall vor Gericht, die Frau verlor. Am Tag danach brach sie ins Haus der McDunns ein, über eine Leiter, die sie an ein Fenster lehnte. Sie hatte eine Pistole Kaliber 22 und zwei Kanister Benzin mitgebracht. Ihr Plan war es, erst McDunn und seine Frau zu erschießen, anschließend wollte sie das Haus in Brand setzen. Aber Dave McDunn, ein Bär von einem Kerl, 1,90 Meter groß, pensionierter Feuerwehrmann, kam später als gewöhnlich nach Hause. Und zum Glück ohne seine Frau. Die Vermieterin wartete schon. Wutentbrannt. Auf dem Kopf trug die zierliche…

13 min
„gut und böse sind keine kategorien“

Herr Birbaumer, der „New Yorker“ widmete Ihnen vor einigen Jahren eine Titelgeschichte. Denn Sie erforschen als Neurobiologe, wie Patienten, die nicht mehr sprechen können, kraft ihrer Gedanken wieder kommunizieren können. Warum interessieren Sie sich nun ausgerechnet für kriminelle Psychopathen? Weil hartnäckig behauptet wird, dass diese Leute nicht veränderbar seien. Ein Vorurteil. Ist das nicht aber Stand der Forschung: Psychopathen sind nicht therapierbar? Unter Gefängnispsychologen habe ich noch keinen erlebt, der das sagt. Wissenschaftler dagegen, die solche Kriminelle aus der Ferne untersuchen, urteilen schlicht: nicht therapierbar. Und das ist falsch. Selbst wenn die Gene bei Psychopathen eine Rolle spielten, würde jeder Genetiker fragen: Na und? Die Augenfarbe kann ich nicht ändern, Verhalten schon. Sie arbeiten mit Justizvollzugsanstalten zusammen … Ja, mit der JVA Straubing und Regensburg. Davor waren wir in Celle. Begonnen haben wir mit diesen…