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stern Crime

stern Crime 09/2016

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

2 min
die meisten mörder sind …

…männlich und jung. Diese Erkenntnis gilt für Deutschland, Europa, Amerika, Afrika, eigentlich für die ganze Welt. Männer sind zorniger, aggressiver, gewaltbereiter. Und wenn Männer töten, töten sie oft aus verletztem Stolz. Ihre Morde sind sehr häufig eine Reaktion auf ein Gefühl der Erniedrigung, des mangelnden Respekts, wie der forensische Psychiater und Autor James Gilligan über viele Jahre in Gesprächen mit den Tätern festgestellt hat. Zu welchen schrecklichen Gewaltausbrüchen solche Empfindungen führen können, davon erzählt in dieser Ausgabe die Geschichte eines Amoklaufs in Südkorea (Seite 118). Wie leicht sich der eigene Stolz verletzen lässt, ist immer eine persönliche Frage. Bei Männern scheint er leichter verletzbar zu sein als bei Frauen, vor allem in Beziehungen. Viele Morde geschehen aus enttäuschter Liebe. Männer töten, um die Frau nicht zu verlieren. Frauen hingegen töten, weil…

5 min
licht in die finsternis

Am Morgen des 11. Januar 2006 zerrt der 36-jährige Mario Mederake die 13-jährige Stephanie R. von der Straße in sein Auto. Er hält sie fünf Wochen lang in seiner Wohnung gefangen. Verlässt er die Wohnung, steckt er Stephanie in eine Holzkiste. Er vergewaltigt das Mädchen wieder und wieder. Warum lesen Sie hier überhaupt weiter? Warum legen Sie dieses Heft voller Mord und Grauen nicht einfach beiseite? Warum wenden wir uns nicht ab, wenn wir mit dem Unfassbaren konfrontiert werden? Warum sperren wir es nicht weg, schließen es aus der Gesellschaft aus, vergessen all die Albträume? Woher kommt die Faszination des Bösen? Warum will der Mensch das Unsägliche ergründen? Warum das Verbrechen verstehen? Im Mittelalter betrachtete man die Tat und bestrafte: Eiserne Jungfrau, Strang, Scheiterhaufen. In modernen Rechtssystemen versucht man nachzuvollziehen, wie es…

28 min
der reporter

01 Er biegt nach links ab, dann nach rechts. Dann links, dann wieder rechts. Links, rechts – der Wagen kurvt die Hänge von Kic ÿevo hinunter. „Hier ist er abgebogen und hier wieder“, sagt Saša Dukoski, ein Journalist aus dem Ort. „Und dort ist der Kindergarten. Vor dem hat man ihr Handy gefunden. Eine Frau hat es im Gras klingeln hören, es aufgehoben und den Anruf angenommen. Der Anrufer hat gefragt: ‚Wer sind Sie?‘, und sie hat ihm die Situation erklärt. Der Polizist am anderen Ende hat gesagt, er werde einen Wagen schicken.“ Links, rechts. Wir folgen dem Weg von seinem Haus in der Stadt zu seinem versteckten Sommercottage, fünf Kilometer außerhalb. Sogar das Auto ist das gleiche wie seines: ein wei-ßer Opel Astra. Dukoski gibt Gas. Bald verschwindet Kičevo hinter…

13 min
die lüge

Als Hanno M. ahnt, dass die Lüge seines Lebens endlich ist, sitzt er in dem silbernen VW Up seiner Großmutter und rast mit hundert Sachen über die Landstraße. Es ist dunkel. Im Rückspiegel sieht er die blauen Lichter flackern. Er hört die Sirenen. Sein Herz rast. Panisch reißt er das Lenkrad nach rechts, er poltert über einen Feldweg, rumpelt auf einen Acker und kracht gegen eine Hecke. Der Wagen qualmt. Die Sirenen werden lauter. Es ist der 15. Dezember, noch neun Tage bis Weihnachten. Hanno M. sehnt sich nach Ruhe, er möchte nur nach Hause ins Bett. Vor den Beamten auf dem Revier in Unna sitzt wenig später ein schmaler, fast schmächtiger Mann. Er ist 32 Jahre alt. Von den vergangenen Jahren seines Lebens gibt es zwei Versionen. Um die eine…

6 min
timos schuh

Zum letzten Mal wurde Timo gegen 17 Uhr gesehen – vor dem Mietshaus Wilhelmstraße 17, in dem er mit seiner Familie wohnte. Nachdem der Wiesbadener Antiquitätenhändler Joachim Rinnelt am Abend des 13. Februar 1964 seinen Sohn als vermisst gemeldet hatte, ließ die Polizei am folgenden Tag Suchmeldungen im Rundfunk und im Fernsehen verbreiten und mehrere Hundertschaften nach dem Kind fahnden. Unterstützt von Einheiten der Bundeswehr, durchkämmten sie Wälder, Gärten und Bahnanlagen und pumpten sogar den Teich des Kurparks ab. Doch sie fanden von dem Siebenjährigen keine Spur. Mit der bis dahin aufwendigsten Suchaktion der Bundesrepublik begann einer der aufsehenerregendsten Fälle der deutschen Kriminalgeschichte. Tage später lag bei den Rinnelts ein Kuvert im Briefkasten, darin nur ein Schließfachschlüssel mit der Nummer 320. Im knapp 40 Kilometer entfernten Frankfurter Hauptbahnhof wurden die Ermittler fündig.…

10 min
wo das leben endet

KESTUTIS MICKEVICIUS, Beckton Ein Passant entdeckte die stark verweste Leiche des 44 Jahre alten Litauers am 18. August 2012 auf einer Brachlandfläche. Die Obduktion ergab, dass er durch einen Schlag auf den Kopf mit einem stumpfen Gegenstand zu Tode kam. Die Polizei verhaftete einen 39 Jahre alten Mann, auch er aus Litauen. Mobilfunkdaten bewiesen zwar, dass er sich zum Zeitpunkt der Tat in der Nähe des Opfers aufgehalten hatte. Er wurde dennoch freigesprochen. PAULO LUTUMBA, Enfield Er starb am Abend des 24. April 2011 in Nordlondon an den Folgen von Stichwunden ins Herz. Lutumba war mit einer Frau im Haus von Paul Kamara erschienen, um dort deren Tochter abzuholen. Kamara versteckte sich im Schlafzimmer, sprang dann auf Lutumba zu, den er für seinen Nebenbuhler hielt, und stach mehrmals auf ihn ein. Vor Gericht…