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stern Crime

stern Crime 10/2016

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

2 min
jemanden zu verlieren …

… gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die man sich vorstellen kann. Das erleben unsere Autoren immer wieder, wenn sie mit den Angehörigen von Opfern sprechen. Der Verlust eines Kindes oder Partners durch ein Verbrechen bedeutet nicht nur, jemanden nie wiederzusehen, den man so sehr liebt. Er bringt die ganze Welt ins Wanken, weil man am eigenen Leib erfahren hat, dass jederzeit das Allerfurchtbarste passieren kann. Die Welt wird unbegreiflich. Unser amerikanischer Kollege David Kushner kennt diese Erschütterung sehr gut. Er hat als Vierjähriger seinen großen Bruder durch einen Mord verloren. In dieser Ausgabe erzählt er seine sehr persönliche Geschichte. Sie handelt nicht nur vom Trauern, sondern vor allem vom Wunsch, zu begreifen, was genau passiert ist. Kushner musste jahrelang warten, bis er die ganze Wahrheit über den Tod seines Bruders erfuhr. Was…

4 min
fürchtet euch nicht!

Sie lähmt uns. Sie peitscht uns voran. Sie rettet uns. Sie macht uns krank. Ohne sie wären wir tot. Mit ihr kann das Leben zur Qual werden. Sie schärft unsere Sinne. Sie blockiert unser Handeln. Sie lässt uns rennen. Sie lässt uns gefrieren. Wir werden mit ihr geboren, sie stirbt mit uns: die Angst. Anne hieß meine Studienfreundin. Anne konnte Karate. Anne besaß Reizgas. Anne hatte eine Schreckschusspistole. Anne hatte immer Angst. Wenn es dunkel wurde, war Anne zu Hause. Anne hatte Angst vorm Trampen. Vor Bahnhöfen in der Nacht. Vor fremden Menschen. Anne stieg nie allein in ein Taxi. Anne war stets auf der Hut. Mit Anne konnte man nicht: ausgehen. Am See zelten. Mit Fremden auf dem Moped durch Rom fahren. Anne träumte nachts sehr oft von ihrer Ermordung. Anne war noch…

21 min
der junge fragte: wo ist die frau mit dem feuer?

SIE WAR INS MEER GEGANGEN, UM SICH REINZUWASCHEN, NUR 500 METER VON DEM HAUS ENTFERNT Sie lässt sich die Spitzen schneiden. Sie sitzt beim Friseur in Kopenhagen. 150 Kilometer entfernt von dem Ort, den sie „Beverly Hills“ nennen, weil dort alles so leicht und sophisticated ist, als lebe man in einer kalifornischen Soap-Opera. Ein paar schnelle Schnitte. Einfach abschneiden. Den Ruß. Die Schuld. Dort, in Beverly Hills, war sie ins Meer gegangen, um sich reinzuwaschen. Nur 500 Meter von dem Haus entfernt. Im Garten lag der Junge. Er fragte: „Wo ist die Frau mit dem Feuer?“ Bornholm, eine Insel, etwas kleiner als Rügen, 150 Kilometer östlich von Kopenhagen unterhalb der Südspitze Schwedens gelegen, gilt als einer der schönsten Flecken Dänemarks. Ein Eiland in der Ostsee, gesegnet mit einem fast mediterranen Klima, in dem…

5 min
tod eines genies

Da lag der Gürtel nun vor ihnen, eingepackt in einen Plastikbeutel. An diesem schwarzen Riemen hatte man ihren Sohn Boris im Oktober 1998 gefunden. Erhängt. Alter Schmerz kam hoch, als die Eltern das Beweisstück endlich vor sich hatten. Aber da war auch ein gutes Gefühl, Erleichterung. Jetzt gab es Gewissheit: Der Gürtel muss einem Fremden gehört haben, er war viel zu groß für Boris. Nun konnten sie Druck machen. Die Ermittler würden klären müssen, wem dieses Stück Leder gehörte, durch das ihr Sohn gestorben war. Ob ein Fremder mit seinem Tod zu tun hatte. Während Polizei und Staatsanwaltschaft davon ausgehen, dass Boris F. sich selbst getötet hat, glauben Eltern wie Freunde, allen voran Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club, bis heute, dass er ermordet wurde. Zu viele Fragen sind ungeklärt. Suizid…

15 min
kein respekt / keine fürsorge / keine liebe / keine gnade

Er meidet die Leute im Dorf. Er meidet seine Nachbarn. Er meidet eigentlich alle Menschen. Er teilt das Leben nur mit seiner Mutter. Die war einmal eine schöne Frau. Jetzt verfällt sie wie das Haus, in dem sie zu zweit leben, zwischen Gerümpel, in moderig riechender Luft, ohne fließend Wasser, ohne Stromanschluss, ohne richtige Heizung. Sie gehen kaum noch vor die Tür. Auch Mutter will mit den Leuten nichts mehr zu tun haben. Die behandeln sie wie Aussätzige – seit damals. Abends, im Schutz der Dunkelheit, entweicht Jens Fischer* mit seinem Hund für ein paar Minuten seinem selbst geschaffenen Gefängnis. Dann kehrt er wieder zurück in jenes Haus, in dem vor 15 Jahren seine Großmutter starb. Die Leute sagen, sie sei ermordet worden. Von ihm und seiner Familie. Gerichtsmedizinische Untersuchung vom…

2 min
jean l., belgien

Herr L., seit den Anschlägen von Paris, die von Brüssel aus geplant wurden, gilt Ihre Hauptstadt als Brennpunkt des Terrorismus. Haben Sie mehr Arbeit? Ja. Auch deswegen werden wir bald 100 zusätzliche Kollegen einstellen. Wir arbeiten ja nicht nur in der Terrorbekämpfung, sondern in allen Bereichen der Schwerkriminalität, wenn unsere Fertigkeiten gefragt sind. Was sind Ihre Fertigkeiten? Wir führen gefährliche Festnahmen durch, kommen bei Geiselnahmen zum Einsatz, kümmern uns aber auch um komplexe Observierungen oder unterstützen die Kollegen technisch, indem wir etwa Kriminelle abhören. Manchmal schleusen wir auch unsere verdeckten Ermittler ein. 2016 wurde in Brüssel einer der Attentäter von Paris festgenommen. War Ihre Einheit beteiligt? Ja. Salah Abdeslam schien wie vom Erdboden verschwunden. Dann wurde bei einer Durchsuchung plötzlich geschossen. Wir schickten unsere Zugriffspezialisten hin. Abdeslam war in der Wohnung, konnte aber fliehen. Wir…