ZINIO logo
ONTDEKKENBIBLIOTHEEK
stern Crime

stern Crime 11/2017

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

Meer lezen
Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

2 min
nichts verstört ...

... Hinterbliebene so sehr wie der Verlust eines geliebten Menschen durch Mord. Stirbt dieser Mensch durch eine Naturkatastrophe oder eine Krankheit, mögen sie mit dem Schicksal hadern, nehmen es aber oft irgendwann hin. Bei einer Gewalttat sträubt sich alles dagegen. Warum trifft es unsere Familie? Warum bringt der Täter solches Unheil über uns? Warum konnten wir es nicht verhindern? Diese Gedanken sind für die Betroffenen unerträglich. Die meisten finden keine Ruhe. Ehen, ganze Familien zerbrechen daran. Viele Angehörige von Opfern quält auch die Ungewissheit, was ihre Liebsten erleiden mussten. Einige lähmt die Trauer – bei anderen setzt sie unglaubliche Kräfte frei. Maryon und Günter Vollrath, die Eltern in unserer Titelgeschichte, sprachen ihren Sohn Raven ein letztes Mal zwei Tage vor Weihnachten 2005, er suchte in Österreich Arbeit. Dann erreichten sie ihn…

6 min
monster

Von Wilfried W. versprachen sie sich Nähe, Wärme, Liebe. Per Kontaktanzeige wurden alleinstehende Frauen nach Bosseborn gelockt, in ein Dorf, das zu Höxter im Weserbergland gehört. Doch die Hoffnungen auf ein Leben zu zweit starben dort unter Qualen. Angekettet, missbraucht und gedemütigt wurden die Frauen, seelisch wie körperlich gebrochen. Tag für Tag, monatelang, von Wilfried W. und auch von seiner geschiedenen, nach der amtlichen Trennung aber weiter kooperierenden Ehefrau Angelika. Mindestens zwei der Misshandelten hielten dem Leiden nicht stand. Sie starben in der Versklavung. Eine der Leichen wurde von den Peinigern zerstückelt, nach und nach im Ofen verbrannt und die Asche irgendwo am Wegesrand verstreut. Erst durch eine Nachlässigkeit des „Horror-Pärchens“, so ein Boulevardblatt, konnte den Verbrechen ein Ende gesetzt werden. Beim Prozess, der vergangenen Oktober begann, zeigten die Angeklagten…

32 min
in einer eisigen nacht

Die Maisonne wärmt seit zwei Wochen das Tannheimer Tal in Tirol, und doch kauern noch immer hier und da schmutzige Schneereste am Ufer des Steigbachs wie eine ferne Erinnerung an den Winter, der all die Skifahrer ins Tal brachte und mit ihnen lästigerweise auch all die Dinge, die das Schmelzwasser nun preisgibt. Dosen, Zigarettenschachteln, Plastiktüten. Sie säubern den ganzen Tag das Dorf für die Gäste des Sommers, die Freiwilligen von der Bergwacht und die Jugendlichen der kleinen Taldörfer Zöblen und Schattwald, es ist der 12. Mai 2006, und unten, nicht weit von der Brücke der Bundesstraße 199, finden sie im Geröll des ausgetrockneten Bachbetts eine Jacke und sogar eine Klappmatratze, völlig durchnässt. Sie werfen ihre Fundstücke auf den Hänger zum anderen Müll, der Traktor fährt zum Schattwalder Wertstoffhof, und schon…

6 min
das rad des „omamörders“

Die Aufnahme der Überwachungskamera aus der Berliner Bankfiliale war ein paar Monate alt. Sie flimmerte schwarz-weiß und grobkörnig. Schemenhaft war auf den Bildern ein Mann zu erkennen. Er hob von einem Sparbuch Geld ab. Es war nicht sein eigenes. Als die Beamten der Berliner Mordkommission dieses Video am 8. Juni 1999 sichteten, waren sie sicher: Der Mann war nicht nur ein Dieb, er war auch ein Vergewaltiger, ein Sadist, ein Mörder. Ein Serientäter. Der 80-jährigen Frau, der das Sparbuch gehörte, hatte er immer wieder ins Gesicht und in den Bauch geschlagen, bevor er sie in ihrer Wohnung ausraubte. Mindestens zehn weitere alte Menschen, alleinstehend und hilflos, hatte er in den vergangenen acht Monaten gedemütigt, misshandelt, verprügelt. Am Tag bevor die Ermittler das Video begutachteten, war in Berlin-Pankow ein weiteres Opfer gefunden worden, die…

21 min
„mögen die ladys in frieden ruhen“

Wann es begonnen hat. Gute Frage. Ja. Wann hat der Rausch begonnen. Manchmal kommen ihm Ladys in den Sinn, die hat er einfach dagelassen. Gegen einen Zaun gelehnt. Auf der Straße. Aber danach stand nichts in der Zeitung. Vielleicht sind die aufgewacht. Anders kann er sich das nicht erklären. Ist jedenfalls lange her. Alles durcheinander im Kopf. Sind so viele gewesen. Die Friedhof-Ladys. Die Fluss-Ladys. Die in der Nähe des Zeltplatzes. Die mit den Steinen. Im Gericht hat er gesagt: „Es tut mir sehr leid für die Ladys, die nicht gefunden wurden. Mögen sie in Frieden ruhen. Sie haben einen besseren Platz verdient als den, den ich ihnen gab.“ Haben sie wirklich. Aber … keine Ahnung. Es ist warm an diesem 15. Juli 1982, ein unbescholtener Tag, als zwei Jungen mit…

18 min
„sie sind emotionale analphabeten, kalt bis ins herz“

Herr Osterheider, sicher werden Sie erst mal das Bild von Serienmördern aus Thrillern korrigieren wollen, oder? Ja. Denn die Realität ist eigentlich noch unheimlicher. Viele haben ja die merkwürdige Vorstellung, dass Serienmörder, ich übertreibe ein wenig, den ganzen Tag mit einer Kettensäge rum-laufen oder schon an den irren Augen zu erkennen sind. Dass die meisten ganz normal wirken, erschreckend normal, mit Anzug und Krawatte – eben wie etwa Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ – überrascht auch meine Studenten, wenn ich ihnen einen vorstelle. Sie bringen Serienmörder in die Vorlesung mit? Ja, aber selten. Wir haben eine forensische Abteilung hier vor Ort, und natürlich geht das nur auf freiwilliger Basis der Patienten und unter Begleitung von Sicherheitspersonal. In der Regel verrate ich nicht gleich, was der jeweilige Gast gemacht hat. Es geht…