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stern Crime

stern Crime 12/2017

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

1 min
das abnormale …

… fasziniert die Menschheit seit eh und je. Das Abweichende ist unheimlich, manchmal auch tatsächlich bedrohlich, aber genau das treibt uns an, es erklärbar zu machen. Warum zum Beispiel sind manche Frauen und Männer imstande zu morden, einfach nur aus Verlangen, ohne jegliche Hemmung, ganz frei von Schuldgefühlen? Unsere Autoren begegnen auf ihren Recherchen oft Kriminalpsychologen und Gutachtern, die sich mit dieser Frage befassen. Die Wissenschaftler sprechen nicht von Dämonen, Monstern und auch nicht vom „Bösen“, sondern von frühkindlichen Störungen und dysfunktionalen Hirnregionen. Jedes Mal aufs Neue hat diese Perspektive auf das Abnorme etwas Erhellendes, und dennoch bleibt es verstörend. In unserer Titelgeschichte begegnen wir einem der brutalsten Verbrecher Deutschlands mit genau diesem nüchternen Blick des Forschers. Der Psychiater Norbert Nedopil hat den Serienmörder Volker Eckert in langen Gesprächen exploriert. Die Begegnung…

4 min
unsere mordlust

Leugnen ist zwecklos: Gewalt, Perversion, Heimtücke, Grausamkeit, niederste Beweggründe und unmenschliche Barbarei – das fasziniert Sie. Wenn Unschuldige leiden, schauen Sie genau hin. Vergewaltigung und Mord erschrecken Sie, aber schrecken Sie nicht ab. Und wie ein Serientäter wollen Sie ständig Nachschub. Das ist menschlich. Der Blick hinab in die Abgründe gehört zum Menschsein dazu. Von Beginn an hat Gewalt das Leben des Homo sapiens geprägt, in jeder Epoche. Das Verbrechen ist Teil unserer DNA. Doch der Mensch hat sich weiterentwickelt. Der Wunsch nach Sicherheit wurde zum Ausgangspunkt jeder Zivilisation. Menschen schlossen sich zusammen zum Schutz vor Übergriffen. Sie gaben sich Regeln, bildeten Gesellschaften und Staaten. Verteidigung war schließlich nicht mehr die Aufgabe jedes Einzelnen. Das Kämpfen wurde an eine Gruppe ausgewählter Spezialisten delegiert. Die Beherrschung der Gewalt wurde zum wichtigsten Kriterium für…

33 min
der trieb

Die Tür des Chefarztbüros öffnet sich, zwei Polizisten führen einen Mann in Gefängniskleidung in das Zimmer. Der Mann ist schmächtig, trägt Vollbart, sein Gesicht ist hager und blass, die Haare wirken etwas ungepflegt. Er schaut traurig. Nehmen Sie doch bitte Platz, Herr Eckert, sagt der Professor mit weicher Stimme und zeigt auf den Stuhl auf der anderen Seite seines großen Schreibtischs. Die beiden Polizisten, die im Raum warten, winkt er hinaus. Sie schließen die Tür. Es ist der 5. März 2007 in der forensischen Psychiatrie der Universität München. Das Licht strahlt durch die großzügigen Fenster auf den Tisch zwischen den beiden Männern. Professor Norbert Nedopil war gespannt auf diesen Montagmorgen. Das ist er also. Volker Eckert, 47 Jahre alt, mehrfacher Mörder. Nedopil hat viel über den Mann gehört, über den er in den kommenden…

17 min
der heldentod von g.i. joe

Als Police-Lieutenant Joseph Gliniewicz beigesetzt wurde, sollte das ganze Land sehen, dass hier ein amerikanischer Held in die Ewigkeit einging. Die Fahnen im Bundesstaat Illinois wehten auf Halbmast. Gliniewicz’ Leichnam war in eine dunkelblaue Paradeuniform gekleidet. Er lag aufgebahrt in der Highschool von Antioch, einem kleinen Ort nördlich von Chicago, in dem der Polizist mit seiner Familie gelebt hatte. Die Menschen, die von ihm Abschied nehmen wollten, bildeten eine mehrere Hundert Meter lange Schlange. CNN zeigte live, wie Gliniewicz’ Witwe gestützt werden musste und sein Bruder zu den Trauergästen sprach. Die Prozession zum East-Hillside-Friedhof erstreckte sich über fünf Meilen. 1000 Streifenwagen aus allen Teilen der USA gaben Gliniewicz das letzte Geleit. Sogar aus Kalifornien waren Kollegen gekommen. Während der Sarg in die Erde gelassen wurde, spielte eine Trompete. Drei Salutsalven…

5 min
maskenmänner

Die Erinnerung an jenen Tag würde Ludwig Kelnhofer am liebsten aus seinem Gedächtnis löschen. Der 4. August 1971 war ein schwüler Tag, und Kassierer Kelnhofer befand sich in Gedanken schon zu Hause bei seiner Familie, als kurz vor 16 Uhr zwei Maskierte die Filiale der Deutschen Bank in der Münchner Prinzregentenstraße stürmten, bewaffnet mit Revolvern und einer Maschinenpistole. Die Räuber waren in grünen Jacken und mit Motorradhelm auf dem Kopf gekommen. Nun tauschten sie die Helme gegen weinrote Kapuzen, die nach oben spitz zuliefen. „Sie sahen aus wie Mitglieder des Ku-Klux-Klans“, erinnert sich Kelnhofer heute. Auf Höhe der Augen befanden sich Schlitze, darüber trugen die Räuber Schutzbrillen. Es wirkte skurril. An diesem Abend sollte Ludwig Kelnhofer, damals 32, zum ungewollten Nebendarsteller einer grotesken Tragödie werden, in der Täter wie Polizisten ähnlich dilettantisch…

23 min
paolo, putin und der papst

1. EIN SEHR INTERESSANTER MANN DER MANN, DEN BENITA ALEXANDER AN JENEM FEBRUARTAG 2013 IN EINER HOTELBAR IN BOSTON ZUM ERSTEN MAL TRAF, war ein Star in seiner Zunft: Doktor Paolo Macchiarini. Manche nannten ihn „weltberühmt“ oder auch: „Superchirurg“. Regelrechte medizinische Wundertaten wurden ihm zugeschrieben. Macchiarini, damals 54, galt als der Erste, der ein künstliches Organ eingepflanzt hatte. Für die Operation war eine Luftröhre aus Kunststoff gefertigt und dann mit Stammzellen des Patienten besiedelt worden. Eine Meisterleistung, die nicht nur dem Operateur große mediale Aufmerksamkeit beschert hatte, sondern auch seinem Arbeitgeber: dem Karolinska-Institut, der berühmten medizinischen Universität in Stockholm, die auch den Nobelpreis für Physiologie und Medizin verleiht. Nun plante Macchiarini seine nächste Sensation: Er wollte erstmals einem Kind eine künstliche Luftröhre einsetzen. Die Patientin, ein zweijähriges Mädchen namens Hannah Warren, hatte…