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stern Crime

stern Crime 13/2017

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

2 min
editorial

WENN EIN VERBRECHEN … geschieht, wird immer auch Vertrauen zerstört. Das Vertrauen darauf, dass die Menschen gut sind. Dass wir in unserer Gesellschaft sicher sind. Oder dass unser Leben nicht von einem Moment auf den anderen ins Chaos gestürzt wird. Zwar wissen wir im Grunde, dass das Gefühl der Sicherheit nur eine Illusion ist. Aber wir brauchen sie, damit wir uns nicht ohnmächtig dem Schicksal ausgeliefert fühlen. Unsere Autoren treffen auf ihren Recherchen immer wieder Gesprächspartner, denen diese Illusion genommen und deren Vertrauen zerstört wurde. Sei es, weil ihnen selbst ein Verbrechen widerfahren ist oder weil sie durch ein Verbrechen jemanden verloren haben. Manchen von ihnen gelingt es, zu trauern und zu akzeptieren, manche erstarren, manche verzweifeln, andere werden rastlos, sogar rasend. Eines haben sie aber meist gemein: Das zerstörte Vertrauen lässt…

6 min
das recht der richter

Ein kleines Gedankenexperiment: Angenommen, zwei Männer begingen die exakt gleiche Tat, einen Banküberfall etwa, ihre Vorgehensweise gliche sich bis ins Detail, ihre Beute wäre gleich groß, und sie würden beide nach ihrer Festnahme gestehen. Der einzige Unterschied wäre, dass sie vor zwei verschiedenen Gerichten landen. Würden sie die gleiche Strafe bekommen? Wahrscheinlich nicht. Denn wo Gerechtigkeit geschaffen werden soll, herrscht auch Willkür. Richter sind Menschen. Manch einer gilt als harter Hund; eine Haftstrafe, findet er, sei immer noch das beste Erziehungsmittel. Ein anderer dagegen glaubt nicht daran, dass ein Aufenthalt im Gefängnis einen Menschen besser macht; er setzt Strafen gern zur Bewährung aus. Am Amtsgericht entscheiden Richter häufig ganz allein, nur bei schwereren Delikten auch gemeinsam mit zwei Laienrichtern, den sogenannten Schöffen. In höheren Instanzen müssen sie auch die anderen Kollegen auf…

21 min
satan in corpsewood

Mr West, haben Sie Totenköpfe oder sonstige Objekte des Todes im Haus gesehen?“ „Überall, überall.“ „Wie fühlten Sie sich?“ „In diesem Moment fühlte ich mich, als sei ich in der Hölle.“ „Erzählen Sie der Jury von Ihren Empfindungen.“ „Ich fühlte mich, als sei ich dort, und dennoch war ich nicht da. Ich fühlte, dass mein Körper da war. Aber meine Seele beobachtete meinen Körper. Ich konnte nichts machen, so war das Gefühl.“ Aus der Vernehmung des Tony West vor dem Kammergericht des Bezirks Chattooga am 7. März 1983. An dem Ort, den sie Leichenwald nannten, stehen heute nur noch Ruinen. Ein Torbogen aus Backstein, verwitterte Mauern, die von Weinstöcken überwuchert sind, umgefallene Baumstämme, die auf steinernen Fundamenten lasten. Ein Ort der Vergänglichkeit im äußersten Nordwesten des US-Bundesstaats Georgia. Manche, die „Corpsewood“ heute besuchen, berichten von sonderbaren Erlebnissen. Von…

5 min
die hämmer des mörders

Es ist der 3. Mai 1984: Ein Mann mit einer Zorro-Maske stürmt in die Bankfiliale in Burgstetten, Rems-Murr-Kreis, schwäbische Provinz. Mit einem viereinhalb Kilo schweren Vorschlaghammer durchbricht er das Sicherheitsglas am Schalter und richtet eine Pistole auf die ungeschützte Kassiererin. Der Räuber erbeutet 4790 Mark und läuft hinaus. Er fährt in einem weißen BMW davon. Kurz darauf, 15 Kilometer entfernt. Ein Spaziergänger findet eine Leiche im Gebüsch neben einem abgelegenen Waldparkplatz. Die Polizei kann den Toten schnell identifizieren. Es ist der Handelsreisende Siegfried Pfitzer. Er hatte auf dem Parkplatz offenbar eine kurze Pause gemacht, als der Schuss ihn in den Kopf traf. Wie bei einer Hinrichtung. Es muss am Vormittag geschehen sein, kurz vor dem Banküberfall. Das Geschoss, das Pfitzer tötete, ist nicht zu finden. Und noch etwas fehlt: sein Auto. Ein weißer…

26 min
wer?

SIE GEHEN JETZT DURCHS ACHTE JAHR. Sieben Jahre und sieben Monate sind vergangen seit diesem Abend im November, seit dem Nachhause-kommen nach dem Schwimmkurs, dem Öffnen der Wohnungstür, sieben Jahre und sieben Monate, seit der Sohn gesagt hat: Der Papa ist noch gar nicht wieder da. Sieben Jahre und sieben Monate, seit sie diesen Weg gegangen ist, zwischen den kleinen Garagenblöcken, an jenem dunklen Novembermontag, um nachzusehen, wo Steffen bleibt. Diese letzten Sekunden haben sich eingebrannt, in denen das Leben noch in Ordnung war und sie eine ganz normale Familie waren. Vater, Mutter, Kind, drei Zimmer, Küche, Bad, Nachname Meyer, normaler geht’s ja schon fast nicht. Sieben Jahre und sieben Monate, in denen Ulrike Meyer die Bilder zu verjagen versucht hat, von der mintgrünen Garagentür, die ihr altes Leben von dem…

7 min
mit allen mitteln

Es gibt Situationen, in die sich kaum hineinversetzen kann, wer sie nicht erlebt hat. Tagein, tagaus hinter Mauern. Jahrelang, vielleicht sogar lebenslang. Fremdbestimmt von den Regeln des Justizvollzugs. Mit wenig Privatsphäre und kargem Besitz. Ein immer gleiches Dasein, fast ohne Raum für individuelle Bedürfnisse. In diesem Kosmos wurde wohl schon mit Gründung der ersten Gefängnisse ein Phänomen geboren. Man könnte es das Bastler-Phänomen nennen: Häftlinge versuchen, aus dem Wenigen, das sie haben, so viel zu schaffen, wie sie können. Sie bogen sich Löffel zurecht, um Grabwerkzeug für den Bau eines Tunnels zu schaffen. Sie spitzten Essbesteck zu Waffen an. Sie höhlten Bücher aus, um darin Waren zu schmuggeln. Wie die Gesellschaft haben sich auch die Haftanstalten entwickelt und mit ihnen die verbotenen Objekte, die Gefangene heute fertigen, in Schlossereien, Tischlereien und Malerwerkstätten.…