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stern Crime

stern Crime 14/2017

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

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Land:
Germany
Taal:
German
Uitgever:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Frequentie:
Bimonthly
€ 4,94(Incl. btw)
€ 23,77(Incl. btw)
6 Edities

in deze editie

2 min
// editorial

DER VERDACHT … … treibt jede Ermittlung voran, ohne ihn gäbe es keine Aufklärung des Verbrechens. Der Verdacht ist also etwas Gutes. Aber er kann auch sehr gefährlich sein. Gefährlich für den Verdächtigen natürlich, aber auch gefährlich für denjenigen, der den Verdacht hegt. In dieser Ausgabe präsentieren wir einige Fälle, in denen das Thema Verdacht auf unterschiedliche Weise das Schicksal der Beteiligten beeinflusst und den Gang des Geschehens prägt. Dem Protagonisten in der Titelgeschichte zum Beispiel macht die Ungewissheit zu schaffen, weil alle und jeder infrage kommen, seine Freundin ermordet zu haben. Er hat, um der Polizei zu helfen, selbst einen seiner engsten Freunde und den Partner seiner Mutter ausspioniert. Nach einer Tat folgt der Verdacht, nach dem Verdacht das Misstrauen. Ein Verdacht ist auch immer ein gesellschaftlicher Prozess. Er stützt sich nicht…

6 min
was hilft es zu vergeben?

Vergebung ist nicht einfach. Sie erfordert enorme Anstrengung und einen eisernen Willen“, schrieb der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu vor ein paar Jahren in einem Buch, das er mit seiner Tochter Mpho verfasst hat. Eine Anleitung zur Versöhnung sollte es sein. Wie schwer es fällt zu verzeihen, weiß Tutu aus Erfahrung. Der frühere anglikanische Erzbischof von Kapstadt leitete lange die Bemühungen seines Landes, die vom Rassismus gespaltene Bevölkerung in eine versöhnte Zukunft zu führen. Auch mit der Unterdrückung, die seine eigene Familie während der Apartheid durchlitten hatte, musste Tutu fertig werden. Selbst einen „Gottesmann“ kostet es offenbar viel Kraft, auf jene zuzugehen, die ihm Furchtbares angetan haben. Doch wie hätte eine Zukunft ohne Versöhnung ausgesehen? „Vergebung ist die Reise, die wir unternehmen, um zu heilen, was zerbrochen ist.“ Manchmal allerdings scheint dieser…

24 min
mondseeland

ES IST EINE GEGEND HIER, IN OBERÖSTERREICH, ZWISCHEN ST. GILGEN, BAD ISCHL UND VÖCKLABRUCK, IN DER DIE STIMMUNGEN SEHR SCHWANKEN. Im Sommer wird sie durchwandert von Touristen, die die glitzernden, dunkelblauen Gewässer und die mächtigen nahen Alpen mit ihren verzuckerten Spitzen schätzen. Auch im Herbst und im Winter kann diese Landschaft, wenn dicker Schnee liegt, märchenhaft schön aussehen. Doch meistens tragen die Seen dann Grau oder Schwarz. Viele Zimmer in den Pensionen stehen leer. Nur manchmal kommt ein Handelsvertreter vorbei, der für wenige Nächte ein Bett braucht. Es war ein solches Wetter, Mitte November 1986. Nebel legte sich wie ein nasser Teppich über das Salzkammergut. Ein Auto fuhr die Uferstraße am Mondsee entlang. Der Fahrer hielt am Ende des Kienbergwandtunnels, eines einspurigen Durchbruchs durch den mächtigen Fels, der sich im Süden…

5 min
das messer der „bestie von aubing“

Reisig bedeckte den leblosen Körper, den Wanderer im Herbst 1931 unweit von München fanden. Die Leiche war mit Draht umwickelt in die Isar geworfen worden, nun hatte das Wasser sie ans Ufer gespült. Es handelte sich um das 16-jährige Dienstmädchen Katharina Schätzl. Wenige Tage zuvor hatte die junge Frau noch ausgelassen auf dem Oktoberfest gefeiert. Seit 1928 war es in München vermehrt zu Sittlichkeitsverbrechen gekommen. Die Zahl der Taten war so stark gestiegen, dass man bald von einer Serie sprechen musste, und auch ein Muster ließ sich hinter den Verbrechen erkennen: Der Täter schlug am liebsten in der Dämmerung oder nachts zu, überfiel bevorzugt Radfahrerinnen und zog sie ins Gebüsch, um sie zu vergewaltigen. So war es auch Katharina Schätzl widerfahren. Doch diesmal war etwas anders: Der Mann hatte erstmals ein…

15 min
als sie verschwand, war ich vier. es sollte jahre dauern, bis ich begriff, warum sie niemals zurückkehrte

Dieser Text ist ein Auszug aus der Autobiografie „Down City: A Daughter’s Story of Love, Memory, and Murder“ Dies sind einige der frühesten Kindheitserinnerungen an meine Mutter: Ich bin vier Jahre alt, und sie ist gerade dabei, ihre Fotos in unserem Badezimmer zu entwickeln. Tagsüber rollt sie die langen Filmspulen ab und hängt die Streifen an einer Schnur über der Badewanne zum Trocknen auf. Ab und zu darf ich in dem winzigen Wandschrank neben dem Badezimmer stehen und von dort aus zuschauen, wie sie die Rotlichtlampe anknipst und mich warnt, bloß keine Chemikalien zu berühren. Wir beobachten, wie sich das weiße Papier allmählich grau färbt und die Wesen langsam Gestalt annehmen, während sie die Abzüge mit einer Zange durch die Flüssigkeit zieht. Wie von Zauberhand tauchen die Konturen von meinem Vater und…

9 min
männer. mörder monster?

Nedialko Dimitrov war ein echter Killer. Für ein Bündel Bares kümmerte er sich um Probleme von Geschäftspartnern, um lästige Konkurrenten oder säumige Schuldner. Die Probleme löste er immer per Kopfschuss. Er brauchte nie mehr als eine Kugel. Nur einmal wurden es drei. Eine Freundin hatte ihn gebeten, sich eines Mannes anzunehmen, von dem sie sich belästigt fühlte. Also klingelte er mitten in der Nacht und schoss ihm zur Warnung in jedes Bein eine Kugel. Doch plötzlich hielt der Typ eine Axt in der Hand, sie hatte versteckt hinter der Tür gelegen. Da musste er ihm eine dritte Kugel verpassen, direkt in die Stirn. „Momata“, die Jungfrau, so nannten ihn einst seine Auftraggeber, und so nannte man ihn auch im Knast von Stara Sagora, zweieinhalb Autostunden von Sofia entfernt – verurteilt zu…