Wann immer sie in Berlin ist, schaut Maite Kelly in ihrem Lieblingsantiquariat am Gendarmenmarkt vorbei. Dann sucht sie nach historischen Kinderbüchern, die gelegentlich ihren Weg zwischen handkolorierte Kupferstiche finden, zwischen Farblithografien von Chagall oder Erstausgaben von Goethe. Heute hat sie Glück. „Wunderschön“, ruft sie nach kurzem Stöbern aus, ein Kinderbuch von 1948 in der Hand, eine farbig illustrierte Welt aus dem Dunkel der Nachkriegszeit. 25 Euro, ist gekauft.
Eine Schule habe sie ja nie besucht, erklärt Kelly beim Bezahlen ihre Faszination für Bücher. Aufgewachsen ist sie ohne Fernsehen und Radio, „dafür habe ich gelesen: mit sechs ,Die kleine Hexe‘, Jane Austen mit neun, dann die Klassiker.“ Und dabei gelernt: „Schenke deinem Kind Raum und Langeweile, und du schenkst ihm Leben.“ Ihre drei Töchter, 15, 14 und 7 Jahre alt, können…
