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GEO EPOCHEGEO EPOCHE

GEO EPOCHE 89/2018

GEO EPOCHE ist das Geschichtsmagazin von GEO. Jede Ausgabe ist einem historischen Thema gewidmet - Epochen wie dem Mittelalter, Staaten wie Preußen, Weltreligionen wie dem Judentum. Geschichte schillernd und packend ohne Staub, Fußnoten und Zahlenkolonnen. Erzählt werden Geschichten über bedeutende Personen und dramatische Ereignisse, über Alltag und Kultur, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. In genauen historischen Rekonstruktionen sowie opulenten Bildessays und Experteninterviews, mit Karten und Infokästen wird die jeweilige Epoche zum Leben erweckt und vor allem deren Alltag sinnlich nacherzählt. „Wir nehmen die Leser mit auf eine Zeitreise“, so lautet das Credo von Chefredakteur Michael Schaper.

Pays:
Germany
Langue:
German
Éditeur:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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DANS CE NUMÉRO

access_time2 min.
liebe leserin, lieber leser

MICHAEL SCHAPER, Chefredakteur  Wenige historische Institutionen haben einen ähnlich finsteren Ruf wie die Inquisition – als eine Art Geheimpolizei des Vatikan, die im Namen des wahren Christentums Andersgläubige verfolgte, Geständnisse aus ihnen herausfolterte und sie zu Zehntausenden verbrannte. Die jeden abweichenden Gedanken auszutilgen versuchte, moderne Ideen unterdrückte und Wissenschaftler mit Gewalt dazu zwang, ein rückständiges Weltbild zu verkünden. Und als Exekutionsorgan einer gnadenlosen Hexenjagd.Davon stimmt manches; anderes wiederum nicht oder jedenfalls nicht ganz. So ist der Vorwurf, für den tausendfachen Mord an vermeintlichen Hexen verantwortlich zu sein, eher Teil einer „Schwarzen Legende“, die protestantische Pamphletisten über die katholischen Glaubenswächter verbreiteten. In Wirklichkeit begannen die Inquisitoren zwar mit der Hexenverfolgung; deren Eskalation betrieben jedoch vor allem weltliche Instanzen.Doch so absurd es klingen mag: Das düstere Image der Inquisition ist auch ein Ausdruck…

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aus der redaktion

FOTOGRAFIE  Berthold Steinhilber Viele Monumente der Inquisitionszeit sind heute nur noch Ruinen. Um sie zu inszenieren, als würden sie aus sich heraus leuchten, nutzte der 49-Jährige bei seiner Reise durch Südfrankreich und Spanien die von ihm entwickelte „Lichtmalerei“, bei der er die Bauten – etwa die Reste der Burg Puilaurens (ganz oben) in den Pyrenäen – bei Nacht mit starken LED-Lampen abwanderte, während der Verschluss seiner Kamera geöffnet war. Manche seiner Belichtungen dauerten 40 Minuten. HEFTKONZEPT  Jens-Rainer Berg Weshalb, fragte sich der Historiker und verantwortliche Textredakteur dieses Heftes, gingen zuvor selber verfolgte Protestanten ebenso hart gegen Ketzer vor wie katholische Inquisitoren? Weil alle Seiten glaubten, so zeigte sich, die Wahrheit exklusiv zu haben – und sie kompromisslos durchsetzen zu müssen. INTERVIEW  Prof. Dr. Hubert Wolf Der renommierte Kirchenhistoriker, ausgezeichnet mit dem Leibniz-Preis, dem wichtigsten deutschen Forschungsförderpreis, erläuterte im…

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kampf um den glauben

Refugium der ANDERSGLÄUBIGEN Gegen Pomp und Reichtum der Papstkirche und ihren Anspruch, sie allein verkünde die göttliche Wahrheit, erheben sich im Mittelalter zahlreiche religiöse Bewegungen. Wanderprediger verbreiten die Lehre von Armut und Askese über weite Teile Europas. Doch mit zunehmender Entschlossenheit wenden sich die Päpste im 13. Jahrhundert gegen diese Abweichler SÜDFRANKREICH ist eines der Zentren des Widerstandes gegen die Amtskirche, dort finden die Katharer, eine der bedeutendsten Ketzergemeinschaften, wohl die meisten Anhänger. Und die Burgen der Provinz – etwa hier Peyrepertuse – werden für sie zu nahezu uneinnehmbaren Rückzugsorten   Mit Akribie und WILLKÜR Statt allein mit roher Gewalt vorzugehen, etablieren die Glaubenswächter bald ein ausgefeiltes juristisches Verfahren gegen Ketzer: Beschuldigte werden vor Tribunale gestellt, die nach bestimmten Regeln Fakten und Aussagen prüfen sollen. Dennoch sind die Prozesse manipulativ, willkürlich und…

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das zeitalter der verfolgung

Die Inquisition, jene kirchliche Waffe gegen Abweichler, prägt die Geschichte des Abendlandes gut 700 Jahre lang, Tausende fallen ihr zum Opfer. Doch handelt es sich nicht um einen einheitlichen Verfolgungsapparat. Vielmehr gibt es mehrere Institutionen, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden.Doch alle folgen dem gleichen Prinzip: durch systematische Untersuchung (lat. inquisitio) Häretiker und Ketzer* zu überführen – also nach Definition früherer Theologen jene Christen, die von der kirchlichen Lehre abweichen und auch nach dringlicher Ermahnung nicht von ihrer angeblichen Irrlehre abrücken.Die Geschichte der Inquisition lässt sich in vier Komplexe unterteilen:• Im Jahr 1231 begründet Papst Gregor IX. die mittelalterliche Inquisition. Er entsendet Ermittler in bestimmte Gegenden, damit sie dort ketzerische Umtriebe untersuchen und abstrafen. Ab 1252 dürfen diese Inquisitoren gemäß päpstlichem Dekret bei ihren Ermittlungen auch die Folter einsetzen.…

access_time29 min.
bollwerke der häresie

Die Wohnstatt des Satans ist eine überaus liebliche Landschaft. Eine weite, sanft gewellte Ebene, auf deren fruchtbaren Böden Weizen wächst und Wein, an deren Horizont die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen schimmern. Im Frühling des Jahres 1242 reisen durch dieses Idyll zwei Ordensmönche, zu Pferd und mit einem kleinen Gefolge aus Geistlichen und Schreibern.Ihre Mission: Irrgläubige jagen.Ketzer, Häretiker, vom Teufel Verführte – in kaum einer anderen Region des Abendlands gibt es so viele radikale Abweichler von den Glaubensdogmen der römischen Kirche wie im Lauragais, einem Landstrich im Süden Frankreichs.In Städten und Dörfern, in den Burgen der Ritter und den Gütern des Landadels verkehren Männer und Frauen in schwarzen Talaren, die bleich sind und hager vom beständigen Fasten und die sich „Vollkommene“ nennen.Heimlich reisen sie von Ort zu Ort, um Unaussprechliches zu…

access_time26 min.
der seelenretter

Das Finsterste des finsteren Mittelalters ist, so mag man glauben, die Inquisition. Die Glaubensrichter der katholischen Kirche sind zum Mythos geworden, als gnadenlose Wächter der reinen Lehre, die Seelen brechen und Körper auf Scheiterhaufen verbrennen. Asketische, zerquälte Mönche als Erfinder der Geheimpolizei und der Schauprozesse, der Folter und jener totalitären Willkür, die auch den Unschuldigsten zerschmettern kann. Das alles ist wahr.Und falsch zugleich.Wahr ist, dass die Inquisition eine zwar schon vor 800 Jahren erfundene, aber erschreckend modern wirkende Unterdrückungsmaschine gewesen ist. Eine Maschine, die viele Jahrhunderte lang Menschen zermalmt und Millionen permanent bedroht hat und die demjenigen, der einmal in ihren Fängen war, die Hölle auf Erden bereiten konnte.Falsch ist aber, in der Inquisition nichts anderes zu sehen als Terror und Zerstörung. Die Inquisitoren fühlten sich oft (und zu Recht) selbst…

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