Es war dunkel in Istanbul, die Frommen schliefen schon, ein rotes Licht schien in eine Seitengasse. Oben, am Fenster, lehnte sich eine Gestalt heraus. Ihre Lippen waren lila, ihre Augen golden, und für einen Moment schien es, als lächelte sie.
Als lächelte sie denen zu, die unten in der Gasse vorbeizogen, den Menschen der Nacht, ihren Freiern vielleicht, auf jeden Fall aber den Trinkern, den Kiffern, den Zockern, den Gangstern, den Verlorenen.
Jetzt begann ihre Zeit.
Tagsüber blendete sie das Licht der neuen Türkei, wie Recep Tayyip Erdoğan dieses Land nennt, mit seinem nationalistisch-islamischen Wahn. Alles soll gleich sein. Alles soll strahlen.
Wer frei sein will, flüchtet in die Nacht.
Ums Eck des Fensters mit dem roten Licht lag eine Straßenbar, wie es sie nicht mehr geben dürfte, weil der…