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art Magazinart Magazin

art Magazin 08/2018

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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12 Ausgaben

IN DIESER AUSGABE

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prinzip hoffnung gegen bunkermentalität

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, was wohl Leoluca Orlando, dieser kunstsinnige Aristokrat der Weltoffenheit, davon hält? Eben will ich die geboten euphorische Einleitung für dieses Spezial über das schönste Land Europas schreiben, da kommt die Meldung, der neue italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega Nord wolle künftig sogar den Schiffen internationaler Rettungsmissionen das Einlaufen in seine Mittelmeerhäfen verweigern. Da ist auf der einen Seite der scheinbar ewige Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, der für sein couragiertes Handeln jetzt mit dem Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf geehrt wird. Er hat es seit 1985 geschafft, seine Stadt Stück für Stück der Mafia zu entreißen, indem er auf Miteinander und Menschlichkeit setzt, auch in Zeiten der Flüchtlingskrise: »Es gibt ja gar keine Migranten in der Stadt. Nur Palermitaner«, hatte er im ART-Interview (Ausgabe 6/2018)…

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betreff: art

Der Besuch einer großen Kunstschau wie der MANIFESTA in Palermo hat etwas von einem Marathonlauf. Man braucht Ausdauer und gutes Schuhwerk, um all die entlegenen Ausstellungsorte abzulaufen, am Ende ist man zwar froh, alles gesehen zu haben, aber auch ziemlich erschöpft. Mit Norbert Miguletz hatte ART-Redakteurin Ute Thon einen durch-trainierten Fotografen an ihrer Seite: Miguletz ist passionierter Marathonläufer. Gemeinsam stiegen sie viele steile Treppen hoch, um in die Dachgeschosse baufälliger Palazzi zu gelangen, begleiteten in glühender Mittagshitze Performance-Gruppen durch die Stadt und suchten im Botanischen Garten nach Kunstvideos im Bambuswald. Die Bilanz auf Miguletz’ digitalem Schrittzähler: täglich 20 Kilometer und mehr. Wie beliebt Italien als Reiseland ist – besonders unter Kunst-Interessierten –, zeigt sich an den vielen Empfehlungen, die wir bekamen, als wir unser Italien-Spezial planten. Auch die Kollegen in London…

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bilder+themen des monats

Pariser Norden Sie gehören zusammen – der Mann mit der Aldi-Tüte und das kleine Mädchen, das ein Hakenkreuz mit einem rosafarbenen Muster über-sprüht –, gedanklich zumindest. Das Mädchen gehört zu einer Gruppe von Graffiti, mit der Banksy Ende Juni in Paris medienwirksam die französische und europäische Flüchtlingspolitik kritisiert hat. Der Mann und das Graffito befinden sich in der Nähe der Metro-Station »Porte de la Chapelle«, wo vor Kurzem eine Flüchtlingsunterkunft geschlossen wurde, um die herum Hunderte von Schutz suchenden Menschen kampiert hatten. Dem abgebildeten Deckenlager nach zu urteilen scheint auch Banksys Schablonen-Mädchen obdachlos zu sein. Die Angst in ihrem Blick erinnert zudem an das Trauma der von ihren Familien getrennten Kinder illegaler Einwanderer in den USA. Eine Bootstour in New York Fontänenspeiend schwimmt das 87 Jahre alte Löschschiff auf dem East River vor…

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kunst für eine bessere welt

Sie werden gerufen, wenn es Probleme gibt. Brauchen Städte, soziale Einrichtungen, Kulturinstitutionen oder Kirchen Hilfe, dann packen sie ihre Koffer und ihr Namensbanner ein und gehen vor Ort in kreative Klausur, oft mehrere Wochen lang, bis sie eine Lösung gefunden haben. Die Wiener Künstlergruppe WochenKlausur erarbeitet seit ihrer Gründung 1993 »konkrete Vorschläge zur Veränderung gesellschaftspolitischer Defizite« – zum Beispiel in Glasgow, einer Stadt mit hoher Arbeitslosenquote. Dort entwickelten sie für arbeitslose Frauen das Konzept für ein Start-up, das nun Rezepttüten mit gesunden Lebensmitteln verkauft. Nach Köln wurden die Künstler gerufen, um eine schlecht besuchte Kirche wieder mit Leben zu füllen. In einer vierwöchigen Klausur führten Mitglieder der Gruppe über 100 Gespräche mit Nachbarn, um Ideen für eine zivilgesellschaftliche Nutzung der Kirchenräume zu finden. Seitdem gibt es Yogakurse, Diskussionsforen und Nachbarschaftsessen an…

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kunst aus dem off

Noch heute sind gepflegte Bauten der Nachkriegs-moderne eine Lehrstunde an Eleganz und Gestaltungsfreude. Sinnlich geschwungene Treppenverläufe und schmale Fassungen aus Messing, schwebende Bauteile und Panoramascheiben, bunte Mosaikflächen und frohsinnige Kratzbildchen im Fassadenputz zeugten von der Sehnsucht nach Leichtigkeit und Optimismus dieser Zeit. Dass diese Eleganz auch in den Wirtschaftswunder-Kellern heimisch war, wo man eher den Gesinnungsbunker mit Eierlikör und Kameradschaftsabenden vermutet hätte, zeigt ausgerechnet des Neudemokraten liebstes Spielzeug: die Modelleisenbahn. Zwar hatte auch Hermann Göring eine, und ihr Ruf als Papis Ersatzidylle machte die Märklin-Kreisel eher zum Synonym spießiger Verdrängungsleistung – manch rebellischer 68er titulierte den eigenen Vater sogar als »Hobby-Eichmann«. Aber die Zubehörhersteller wie FALLER in West- und VERO in Ostdeutschland belieferten die Trafolenker nicht nur mit Heimatkitsch, sondern auch mit dem »Internationalen Stil«, wie die Moderne damals hieß. Kirche,…

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aktuell überschätzt

Jetzt also wieder Ölfässer. Nach Stoffbahnen und Regenschirmen und wieder Stoffbahnen hat Christo, 83, nun Ölfässer als Material gewählt – 7506 an der Zahl, jedes eigens für sein neuestes Projekt im Londoner Hyde Park hergestellt, lackiert und auf einer Fläche von 30 mal 40 Metern, 20 Meter hoch auf einer Schicht schwimmender Polyethylen-Würfel im Serpentine Lake aufgestapelt. Die Form ist die einer Mastaba, also eines ägyptischen, sich nach oben verjüngenden Grabbaus mit rechteckiger Grundfläche und einer Plattform als Dach. Mastaba ist auch der Titel des Werks, und man könnte meinen, dahinter verstecke sich ein tieferer Sinn. Aber die Grabmal-Form des rot-violett-blau leuchtenden Kolosses vor der SERPENTINE GALLERY hat laut Urheber »keine Bedeutung«. Erdölfässer plus Grabmal – daraus ließe sich angesichts der aktuellen Weltlage und im querverweisaffinen Kunstdiskurs mit Leichtigkeit etwas ableiten,…

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