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art Magazinart Magazin

art Magazin 09/2018

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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12 Ausgaben

IN DIESER AUSGABE

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das vermächtnis des bauhauses: viel mehr als rechte winkel

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, man kann es auch so sehen: Das BAUHAUS liegt wie ein Fluch auf diesem Land. Ein Fluch, unter dem sich alles zu Klötzchen und Klötzen formt, der jede Kurve mit dem Zirkel ziehen lässt, der jeden Schmuck verbannt und immer nur in Formeln spricht. Geradlinigkeit kann eine Tugend sein, bei den deutschen Architekten und Designern ist sie bis heute oft eine fixe Idee, die Rationalität zum Fetisch macht und jede Poesie an Bau und Produkt mit einem Tabu belegt. Mir erscheint das als ein verhängnisvolles Missverständnis. Nur 14 Jahre, von seiner Erfindung 1919 durch Walter Gropius bis zur Zerschlagung durch die Nazis 1933, gab es diese Schule der Moderne. In dieser Zeit war sie Avantgarde, ihr Ruf war weit größer als ihre Wirkung. Erst als nach Kriegsende…

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betreff: art

Der britische Magnum-Fotograf Stuart Franklin hatte einen strengen Zeitplan, um sein Portfolio zum Thema »Land Art in Europa« zu fotografieren. Vor Sonnenaufgang begann er im Mai seine Autotour durch das Ruhrgebiet, mit der ortskundigen ART-Bildredakteurin Hannah Schuh am Steuer. Gegen Mittag hatte Franklin bereits vier Werke der EMSCHERKUNST gesehen und schlug vor, wegen einer Regenwarnung für den Folgetag, direkt in die Niederlande weiterzufahren. Fünf Minuten vor der Schließzeit erreichte er die abgelegene Sandgrube in Emmen, in der sich das Werk Broken Circle von Robert Smithson befindet. Der Betreiber Gerard de Boer ließ sich glücklicherweise überzeugen, den Fotografen noch spontan auf das Gelände zu lassen. De Boer hängt an dem Werk, seine Familie erhält es seit 47 Jahren. Das Foto, mit Sonnenschein, sehen Sie auf Seite 32 – und auch die…

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bilder+themen des monats

Chill-out-Studium Wie würde ihr Studienplatz aussehen, wenn Studierende ihn selbst bauen könnten? Er hätte Seeblick, Chill-out-Terrassen und eine Bar! Das alles bietet die Floating University in Berlin, ein Projekt des Architekturkollektivs raumlaborberlin, das mit internationalen Universitäten, Wissenschaftlern und Künstlern zusammenarbeitet, um ein Lern- und Forschungslabor der Zukunft zu gestalten. Als Versuchsgelände dient das Regenrückhaltebecken am Rande des Flughafen Tempelhof. Dort zimmerten sich die Studis einen luftigen Campus mit Auditorium, Küche und Öko-Toiletten über dem Wasser. Noch bis zum 15. September kann man die schwimmende Uni besichtigen und an Vorträgen, Performances oder »Hot Tub–Gesprächen« teilnehmen. Das »MoMA« in Bulgarien Staro Zhelezare hat mit Manhattan eigentlich so viel zu tun wie Kefir mit Coca-Cola. Doch seit Kurzem schmücken Bilder die Hauswände des 500-Seelen-Dorfs, die man sonst nur im New Yorker museum of modern art sieht:…

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kunst für eine bessere welt

Ordentlich, aber bizarr-bunt sind die schillernden Becken in die karge Landschaft hineingeschnitten, die auf der Fotografie von Edward Burtynsky in ihrer ganzen Pracht in der Sonne zu sehen sind. Straßen durchschneiden die Rechtecke, die nach einem Set eines überambitionierten Science-Fiction-Films aussehen. Aber keine Wissenschaftsstation auf dem Mars ist hier abgebildet: Hier, in der chilenischen Atacama-Wüste, auf einer Fläche fast zwölf mal so groß wie Berlin, wird Lithium gewonnen – ein Leichtmetall, das als Hauptbestandteil von modernen Akkus E-Autos und Smartphones am Laufen hält. Aber der gelb-blau changierende Teppich in der Landschaft ist nicht der einzige Effekt, den der Abbau auf die Umwelt hat. Vielmehr benötigt der Prozess Unmengen an Grundwasser, das in den Salzseen durch die Sonne verdampft wird: Zwei Millionen Liter kommen auf eine Tonne des kostbaren Metalls. Ein…

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kunst aus dem off

Ein Paar abgelaufene Schuhe in Größe 43, der linke golden, der rechte silbern besprüht. Das Paar steht unter einer Glashaube auf einem Sockel wie ein wertvolles Exponat. Der Werktitel informiert, dass es sich um Schuhe des Künstlers handelt, die Materialangabe klingt noch nüchterner: »Trödel«. Oder dieses: Adam & Eve, zwei nackte, zum Koitus zusammensteckbare Holzfiguren, wie man sie früher in Scherzartikelläden kaufen konnte. Das Paar ist eingebunden in ein Ensemble aus Lautsprechersegmenten, das wirkt, als handele es sich um einen Außerirdischen, der die beiden Figuren beschützend umfängt. Oder auch dieses: eine Gitarre aus rotem Stein mit Marmorintarsien und aufgeklebten Spiegelstücken. Die Objekte, die Gerd Schmidt Vanhove in der Regel aus Weggeworfenem baut, sind ziemlich schräg und verfügen zugleich über eine eigenwillige Anziehungskraft. Oft erkennt man, woher die Einzelteile stammen, dass sie…

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aktuell überschätzt

Wenn Hollywood das Elend der weißen Unterklasse zeigen will, dreht es das gerne in tristen Wohnwagensiedlungen, wo Alkoholismus, Gewalt und frühe Schwangerschaften zum Alltag gehören – so in Eminems Film 8 Mile, in The Wrestler mit Mickey Rourke oder beim Rachefeldzug von Uma Thurman in Kill Bill. In Deutschland dagegen gab es über Jahrzehnte die Sparte der »Wohnwagenwitze«, mit denen die holländischen Nachbarn verspottet wurden, oder Proletensatiren auf dem Campingplatz wie bei der RTL-Serie Die Camper. Kurz, der Wohnwagen will und will einfach nicht cool werden. Doch dann kam Tchibo. Das Lifestyle-Kaufhäuschen mit dem Ein-Euro-Charme für alle Menschen, die von italienischen Kaffeenamen überfordert sind, wollte in einer Sommeraktion den schönen alten Autoanhänger in seinen Zahngelbfarben neu gestylt als Architektur verkaufen. Eine dopamingedopte Zwangsfröhliche mit Grinsesperre und ein Designer, der so langsam…

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