ENTDECKENBIBLIOTHEK
searchclose
shopping_cart_outlined
exit_to_app
category_outlined / Kunst & Architektur
art Magazinart Magazin

art Magazin 10/2016

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Mehr lesenkeyboard_arrow_down
ABONNIEREN
CHF 72.23
12 Ausgaben

IN DIESER AUSGABE

access_time2 Min.
nischen zwischen moskau und canakkale

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, auf die Frage danach, warum sich die Künstler in der Erdoğan-Türkei nicht mit den Oppositionsparteien verbünden, gab die Kuratorin Beral Madra im Art-Interview (ab Seite 126) eine verblüffende Antwort: die Relevanz der bildenden Kunst für die Meinungsbildung sei »nur ein Phantasma des Westens«, die Parteien würden sich gar nicht dafür interessieren. Aber gerade aufgrund dieser Marginalisierung sei es »hier immer noch möglich, kritische Kunst in privaten Galerien und nicht staatlichen Institutionen zu zeigen«. China ist nicht Russland, die Türkei nicht der Iran, Saudi-Arabien nicht Kuba. Zwischen Diktatur und lupenreiner Demokratie gibt es tausend Abstufungen und kulturelle Schattierungen, die auch den Umgang mit der bildenden Kunst betreffen. Das, was Beral Madra das westliche Phantasma von der handfesten politischen Relevanz der Kunst nennt, hat seine Wurzeln in der Zeit…

access_time4 Min.
betreff: art

Jimmie Durham ist ein Mann, den man sich zum Freund wünscht. Er ist klug, zuvorkommend und ein blendender Unterhalter mit einem unerschöpflichen Vorrat an Anekdoten. Denn Durham achtet auf Dinge, die sonst kaum einer bemerkt, sei es ein Kieselstein oder eine alte Kachel. Sein Zweitwohnsitz in Neapel, in dem er mit seiner Lebensgefährtin den Sommer verbringt, steckt voller Erinnerungsstücke und eigenwilliger Materialien, die Durham auf einzigartige Weise verbaut und umfunktioniert hat: etwa ein verbogenes rostiges Fenstergitter, das nun als Aufhängung für Suppenkellen dient. art-Korrespondentin Sandra Danicke wäre am liebsten noch ein paar Tage länger geblieben, um dem Künstler beim Erzählen zuzuhören. Eigentlich wollten wir Durham für den Bericht auf Seite 72 an einem seiner Lieblingsorte, der Porta Capuana, in seiner Nachbarschaft fotografieren. Das war ihm aber zu heikel. Dies sei ein…

access_time2 Min.
bilder+themen des monats

Frohe Botschaft Es gibt viele Übersetzungen für das englische Wort »understanding«, das Martin Creed noch bis 23. Oktober im Brooklyn Bridge Park vor der New Yorker Skyline leuchten lässt. Als Substantiv kann es Verständnis, Erkenntnis oder Einvernehmen heißen, als Adjektiv einsichtig, einfühlsam, klug oder gescheit. Vielleicht ist diese riesige, neonrote, sich um sich selbst drehende Skulptur das bisher ernsteste Werk des englischen Turner-Preis-Gewinners, der schon Athleten durchs Museum sprinten ließ, Kakteen der Größe nach sortierte oder einen Lego-Turm ins Museum stellte. Ein allumfassendes »understanding« ist der erste Schritt in eine Welt, die frei ist von Terror, Angstmachern, Feindbildern und Kriegstreibern. Zu utopisch? Voll auf Schmusekurs Normalerweise tauchen Leute wie Kanye (sprich »Kahn-jey«) West nicht in art auf, aber der amerikanische Hip-Hop-Star und Tausendsassa macht vor nichts – auch nicht der bildenden Kunst –…

access_time2 Min.
kunst für eine bessere welt:

Auf den ersten Blick wirken die Bilder wie geometrische Kompositionen: auf der einen Seite ordentlich und luftig aufgereihte Vierecke, auf der anderen kleinere Vierecke, die wie Klumpen dicht nebeneinander sitzen. Dazwischen trennt meist ein grauer oder auch mal grüner Streifen die beiden Felder. Die Fotografien, die Johnny Miller mithilfe einer Drohne anfertigte, zeigen jeweils zwei benachbarte Viertel aus der Vogelperspektive; sie alle befinden sich in Südafrika. Schnell wird klar, was hier zu sehen ist: die unmittelbare Nachbarschaft von Arm und Reich. Jene, die ein privilegiertes Leben unter hygienischen Bedingungen führen, sind nur wenige Meter von denen entfernt, die in Blechbaracken hausen müssen. Letztere sind in Südafrika noch heute in aller Regel Menschen mit schwarzer Hautfarbe. In Durban wird die Diskrepanz am Beispiel von Morningside, einem der reichsten Vororte der Stadt, deutlich: Moderne…

access_time2 Min.
kunst aus dem off:

Aus Weggeworfenem mische ich etwas Neues, Dauerhaftes«, sagt Adam Hale. Einmal am Tag sammelt er in der U-Bahn von den Pendlern zurückgelassene kostenlose Magazine ein, zerschneidet sie und fertigt aus den Schnipseln eine Collage – tatsächlich täglich nur eine einzige. Deswegen trägt seine Serie auch den Titel The Daily Splice, was so viel heißt wie »der tägliche Kleber«. Immer wieder begegnet man da Celebritys aller Sparten in überraschenden Kombinationen und Umgebungen: Popstars, Schauspieler, Models, Politiker. Die Themen der Magazine sind nun mal Mode, Lifestyle, Tratsch und ein bisschen Politik. Vor etwa einem Jahr richtete Hale einen Instagram-Account ein und postet seitdem dort seine Collagen. Nach wenigen Monaten hatte er mehr als 100 000 Follower; und die Zahl steigt noch weiter. The Daily Splice ist für den 28-jährigen Hale Erholung von seinem Job…

access_time2 Min.
aktuell überschätzt:

Hätte Igor Mitoraj seine Bronzen vor 2500 Jahren im Schatten der Akropolis gegossen, müsste man ihn natürlich bewundern. Aber er wurde nicht in der griechischen Antike geboren, wie viele glauben, sondern 1944 im sächsischen Oederan als Sohn französisch-polnischer Eltern. Seine kolossalen mythologischen Figuren hat er bis zu seinem Tod 2014 in Pietrasanta nahe den Marmorbrüchen von Carrara realisiert, wo er seit 1983 seine Werkstatt hatte. Viele von ihnen stehen in Italien auf öffentlichen Plätzen, und Touristen bewundern sie meist als beschädigte Funde aus vergangener Zeit. Sie sehen ja auch so klassisch aus, und das Klassische gefällt immer, auch als Fälschung – sogar den Fachgelehrten. So hat der leitende Denkmalschützer von Pompeji, Massimo Osanna, begeistert zugestimmt, dass 30 bis zu sieben Meter hohe Bildwerke Mitorajs über die Ausgrabungsstätte verteilt wurden. Der italienische…

help