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Glamour (D)

PERFEKTION

Wer Alessandra Steinherr live erleben möchte, hat die Gelegenheit dazu beim Glamour Beauty-Festival am 2. Juni in München, mehr Infos ab S. 125 Ansonsten gilt: @alexsteinherr (Foto: La Mer)
„Ich bin froh, dass mein Selbstwertgefühl nicht von Social Media kommt.“

Als Beauty-Influencerin haben Sie täglich mit Schönheit zu tun. Was bedeutet das für Sie?

Es gibt heute nicht mehr nur ein einziges Ideal, wie Supermodels oder Schauspielerinnen auszusehen haben. Es geht doch darum, dass eine Person charmant ist – anstatt plastisch perfekt. Schönheit hat jetzt viel mit Diversität zu tun. Man kann wie eine Kim Kardashian aussehen mit viel Make-up, Contouring, Wimpernverlängerung. Oder wie eine frische, natürliche Veronika Heilbrunner. Es gibt keine Beauty-Regeln mehr.

Wodurch hat sich unser Schönheitsverständnis verändert?

Instagram und Snapchat haben durch die vielen Filter eine Art Illusion der Perfektion kreiert. Ich selbst korrigiere auf Instagram die Belichtung und den Kontrast meiner Fotos. Ich finde das auch in Ordnung und gehe damit ganz offen um. Natürlich fotografiere ich mich in einem schönen Licht. Aber ich lege mir keine irren Filter aufs Gesicht, die Leute sehen mich ja später dann eh in echt.

Wie gehen Sie mit Unperfektheiten um?

Ich habe eine Narbe links neben meiner Lippe, wo ich früher ein ziemlich großes Muttermal hatte. Das haben mir die Ärzte entfernt, als ich 13 war. Von diesem Makel habe ich erst kürzlich ein Kinderfoto gepostet, auf das es viel positive Rückmeldungen gab. Klar trage ich heute Concealer auf die Narbe auf, wenn ich ein Foto mache. Aber ich gehe auch ohne Make-up vor die Tür. Ich bin glücklich, dass ich vor Instagram aufgewachsen bin. Mein Selbstwertgefühl kommt nicht von Social Media.

Mit welchen Schönheitsidealen sind Sie denn aufgewachsen?

In meinem Kinderzimmer hingen früher keine Poster von Boybands, sondern eine alte Estée-Lauder-Werbung mit dem Model Paulina Porizkova. Meine Großmutter hatte in Wien einen Modesalon, sie war sehr glamourös, trug pinke Nägel à la Elsa Schiaparelli und hat mir alles beigebracht zum Thema Beauty. Dabei habe ich erst mit 19 angefangen, mich zu schminken. Als Teenager konnte ich mich mit Fashion nicht so identifizieren, denn ich war nie superschlank. Da fand ich Beauty immer viel demokratischer.

Wieso ist Schminken denn demokratisch?

Komischerweise sagen manche Leute heutzutage, dass Beauty oberflächlich sei – aber für mich ist es das Gegenteil. Kosmetik ist doch total inklusiv. Jeder kann sich um seine Haut kümmern. Wenn du willst, kannst du deine Haut besser machen, einen Lippenstift oder Mascara tragen. Egal, wie alt du bist oder welche Figur du hast. Ich schminke mich nicht für andere. Ich mache es wirklich für mich. Weil ich mich besser fühle.

Sind Kosmetik und Schönheitsideale nicht etwas, das dem Feminismus zuwiderläuft, weil man sich immer erst verschönern muss, um zu gefallen?

Wieso soll es nicht okay sein, sich zu schminken? Das regt mich auf. Für mich ist es die Definition von Feminismus, dass ich das machen kann, was ich will, und zwar so, wie es mir passt. Es ist antifeministisch, einer Frau zu sagen, was sie darf und was sie nicht darf.

In Ihrem Blog schreiben Sie an einer Stelle von der „lifechanging power“ mancher Beauty-Produkte. Ist das nicht ein bisschen übertrieben?

Ich treffe so viele junge Mädchen, die darunter leiden, dass sie keine gesunde, schöne Haut haben. Ich denke schon, dass es die Lebensqualität junger Frauen extrem einschränkt, wenn sie Probleme mit ihrer Haut haben. Dabei gibt es ja Lösungen. Ob Akne, Pickel oder Pigmentflecken – dagegen gibt es Routinen, die wirklich helfen. Aber die muss man maßgeschneidert zusammenstellen. Ich kann nicht ein Produkt für alle empfehlen. Die richtigen Produkte kann man auch nicht einfach googeln: Auch hier ist die Beauty – wie bei den Schönheitsidealen – viel individueller geworden.

Interview: Jessica Schober

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