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GQ (D)

JETSET-FOODIE

Miramar
Unser Autor berichtet hier monatlich über die interessantesten Restaurant-Entdeckungen
Miramar
Auster mit schwarzem Knoblauch und Ajo blanco im Compartir in Cadaqués
Frittierte Tapioka-Dinkel-Würfel aus dem Tapas-Menü im Rom

  EINE FRAGE, DIE mir immer wieder gestellt wird, sobald ich erzähle, dass ich in den besten Restaurants der Welt essen gehe, ist die nach dem allerbesten. Ever. Eigentlich müsste man auf so eine Frage antworten, dass es das nicht gibt, dass es einfach viel zu viele gebe, die sich auf gleichem Niveau befinden. Aber das ist Quatsch, denn natürlich gibt es auch in der absoluten Spitzenliga Restaurants, denen man nicht nur allergrößten Respekt zollt, sondern an die man auch sein Herz verschenkt. Jeder Foodie hat dieses eine Restaurant. Und meines ist nicht das „Eleven Madison Park“, die „Osteria Francescana“ oder das „Noma“ – sondern das „El Celler de Can Roca“ (cellercanroca.com) in Girona. Wie die drei erstgenannten durfte sich auch dieses Restaurant schon mal das beste der Welt nennen (laut der berühmten „50 Best Restaurants“-Liste), in den Jahren 2013 und 2015.

Um regulär eine Reservierung bei den Roca-Brüdern zu bekommen, muss man elf Monate im Voraus am ersten Tag des Monats um Mitternacht am Computer sitzen und einen Tisch buchen. Alternativ kann man sich für Wunschtermine auf Wartelisten setzen lassen. Meine Empfehlung ist, sich für die ganze Costa Brava mindestens eine Woche Zeit zu nehmen und in all den anderen grandiosen Restaurants zwischen Llançà und Girona essen zu gehen.

Am besten man fängt gleich oben in dem – zumindest in der Nebensaison – verschlafenen Fischerort Llançà an der französischen Grenze an. An der Promenade im „Miramar“ (restaurantmiramar.com) kocht Paco Pérez, ein genialer Vertreter der modernen katalanischen Küche, den man aus dem Berliner Hotel „Das Stue“ mit seinem Restaurant „Cinco“ kennt. Hier in Llançà hat er sich mit einer konsequent auf das Meer fokussierten Küche zwei Michelin-Sterne erkocht. Aus Algen, Fisch und Meeresfrüchten komponiert er Gerichte voll jodigem Meeresgeschmack. Im gleichen Ort ist auch das „Els Pescadors“ (restaurantelspescadors.com) empfehlenswert, das es mit einfacheren, aber nicht weniger schmackhaften katalanischen Fischgerichten dieses Jahr sogar auf die Newcomer-Liste von opinionatedaboutdining.com geschafft hat. Nur einige Kilometer südlich davon liegt Cadaqués, der Fischerort, der durch Salvador Dalí und einige Rich Hippies in den 70ern berühmt wurde. Hier haben sich mit dem „Compartir“ (compartircadaques.com) drei von Ferran Adriàs wichtigsten Mitarbeitern aus den Zeiten des „El Bulli“ selbstständig gemacht. Im „Compartir“ kochen sie eine moderne Tapasküche, die meisten Gerichte werden, wie der Name andeutet, zum Miteinander-Teilen serviert. In ihrem modernistischen Gegenstück, dem „Disfrutar“ in Barcelona, kann man übrigens noch echte Molekularküche at its best erleben. Doch auch aus Roses, dem Ort, in dem einst das „El Bulli“ stand, gibt es mit der Eröffnung des „Rom“ (romroses.com) großartige Neuigkeiten. Pere Planagumà hat selbst früher im „El Bulli“ gearbeitet und dann als Küchenchef im „Les Cols“ in Olot zwei Michelin-Sterne er-kocht. Das „Rom“ (katalanisch für Steinbutt) ist für ihn so etwas wie eine Heimkehr an einen mythischen Ort und gleichzeitig dessen kulinarische Wiederbelebung. Das Restaurant bezeichnet sich etwas tiefstapelnd als Taverne, was jedoch eher etwas über die ungezwungene Atmosphäre am Strand als über das Niveau der Küche aussagt. Ich freue mich jetzt schon auf den Schweinsfuß mit Seegurken oder die Fischleber-Terrine mit Garum.

 Etwas im Hinterland der Costa Brava liegen gleich zwei Restaurants aus meinen Geheimtipp-Top-Ten: An das „Ca l’Enric“ (restaurantcalenric.cat) und das „Els Casals“ (elscasals.cat) muss ich nur – wie jetzt gerade – denken, und schon läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Beide Restaurants arbeiten mit den besten Produkten der Umgebung und haben je nach Jahreszeit ganz unterschiedliche Spezialitäten. Die frischen Morcheln, die ich im Frühjahr im „Ca l’Enric“ gegessen habe, werde ich nie vergessen. Ihr einzigartig rauchiger Geschmack entsteht, weil sie nur in von Waldbränden heimgesuchten Gebieten gesammelt werden. Ebenso lohnt sich ein Besuch im Winter, wenn gerade Jagdsaison auf Schnepfen ist, für die das Restaurant in ganz Spanien und mittlerweile auch bei einigen Foodies bekannt ist. Im „Els Casals“ (ein Michelin-Stern) wiederum wird eine auf die kulinarische Spitze getriebene deftige Landküche serviert. Alle Produkte kommen von der Farm der Familie Rovira, selbst die Blutwurst „Butifarra“, mit der die Artischocken gefüllt werden, stammt von den eigenen Schweinen und hat diesen Agroturismo mit angeschlossenem Restaurant über die Region hinaus bekannt gemacht. Unvergesslich für mich waren auch die Walderdbeeren: Am Morgen frisch gesammelt, verströmten sie mittags auf einer Kugel Vanilleeis ihr unglaublich intensives Aroma.

Zum Schluss noch ein Insider-Tipp, wie man auch ohne fast einjährige Vorausbuchung in meinem Lieblingsrestaurant „Celler de Can Roca“ einen Tisch bekommen kann – oder zumindest seine Chancen erhöht. Geben Sie sich während Ihrer Tour durch die Costa Brava in den oben genannten Restaurants als Foodies zu erkennen, verwickeln Sie die Köche in lange, lustvolle Gespräche über das Essen, erwähnen Sie, wo Sie noch überall essen werden, und sagen Sie in einem Nebensatz, dass es bei den Roca-Brüdern leider bisher nur zu einem Wartelistenplatz gereicht hat. Die Köche und Maîtres der Region kennen sich alle untereinander – für besonders interessierte, lustige und sympathische Gäste rufen sie bei ihren Kollegen auch mal selbst an und legen ein gutes Wort ein!

FOTOS: COURTESY OF ROM ROSES, COURTESY OF MIRAMAR LLANCA, COURTESY OF COMPARTIR CADAQUES; ILLUSTRATION: JAN STEINS

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