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GEO Epoche EditionGEO Epoche Edition

GEO Epoche Edition

19/2019

"GEO EPOCHE EDITION präsentiert jeweils eine Ära der Kunstgeschichte monothematisch und bildgetrieben. Bei GEO EPOCHE EDITION geht es darum, die jeweilige Ära so sinnlich und anschaulich wie möglich wieder aufleben zu lassen, um zu verstehen, was die Auftraggeber der Kunstwerke bewegte. Unter welchem Druck die Künstler standen. Woran sie glaubten. Worum es bei der Symbolik bestimmter Kunstwerke ging. "

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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2 Ausgaben

IN DIESER AUSGABE

access_time3 Min.
liebe leserin, lieber leser

Bereits zu seinen Lebzeiten war Leonardo da Vinci in seiner Heimat ein gefeierter Künstler. „Durch die herrlichen Werke dieses göttlichen Meisters war sein Ruhm so gewachsen“, notierte Giorgio Vasari, einer seiner ersten Biografen, „dass jeder, der an der Kunst Freude hatte, ja ganz Florenz Verlangen trug, dass er daselbst irgend etwas zu seinem Gedenken hinterlassen möchte.“ Und nicht nur die Florentiner warben um Leonardos Dienste: Italiens Fürsten lockten ihn an ihre Höfe, der Bruder des Papstes ließ ihn als Gast in einer vatikanischen Villa wohnen, und Frankreichs König bereitete ihm einen Altersruhesitz in einem Schlösschen an der Loire. Heute allerdings, 500 Jahre nach seinem Tod am 2. Mai 1519, hat Leonardos Nimbus den eines verehrten Malers noch weit übertroffen: Man nennt ihn nun Universalgenie, Gigant der Renaissance, Erfinder der modernen Naturwissenschaften, preist…

access_time33 Min.
aufstieg eines aussenseiters

Das Taufbecken ist nicht besonders kunstvoll gearbeitet. In der Pfarrkirche Santa Croce im toskanischen Vinci werden einfache Leute vom Land im Leben empfangen und aus dem Leben geleitet. Doch an diesem ersten Sonntag nach Ostern des Jahres 1452, dem 16. April, drängt sich eine gut gekleidete Gesellschaft um die grob behauene Steinschale vor dem Altar der Kirche. Fünf Männer und fünf Frauen aus den besser gestellten Familien des Ortes haben sich hier eingefunden, um die Patenschaft für ein Neugeborenes zu übernehmen. Der Gemeindepfarrer tauft den am Vorabend geborenen Knaben auf den Namen Leonardo. Der Priester ist ein Nachbar des 80-jährigen Antonio, dem Großvater des Kindes. Dessen Familie besitzt ein ausgedehntes Gut vor den Mauern der Stadt. Sie ist so angesehen, dass niemand sich an ihrem Nachnamen stört: Der Clan nennt sich, als…

access_time29 Min.
im zentrum einer neuen kunst

Das Goldene Zeitalter erscheint zu Pferd und in Ritterrüstung auf dem Platz vor der Kirche Santa Croce. Es wird begleitet von zwölf jungen Männern aus den vornehmsten Florentiner Familien, von Kämpfern, Knappen und Musikanten, und auf seinem Brustschild glimmt ein riesiger roter Edelstein. Sein Wams ist mit Rosen und Lorbeerzweigen aus Perlen bestickt. Und sein Barett, gleichfalls schwer von Perlen, ziert eine funkelnde Brosche mit den drei goldenen Federn, Markenzeichen der glorreichsten Familie der Stadt: Hier kommt Lorenzo de’ Medici, il Magnifico wird man ihn schon bald nennen, den „Prächtigen“. Zu seinen Ehren haben die Stadtväter an diesem Februartag des Jahres 1469 zum Turnier gerufen. Wie immer ist die Piazza Santa Croce mit Sand aufgeschüttet und mit hölzernen Schranken in Bahnen geteilt, sind die umliegenden Gebäude mit Bannern und Wimpeln geschmückt.…

access_time44 Min.
der maler der seele

Hätte er selbst ein Baby, es dürfte krabbeln, mit den Armen fuchteln, die Beine in die Luft stoßen. Denn Säuglinge am ganzen Körper mit Bandagen festzuzurren, wie es zu seiner Zeit üblich ist: Das ist nicht nach dem Geschmack Leonardo da Vincis. Er kann sich gut vorstellen, was es bedeutet, sehr klein zu sein, angewiesen noch auf die Mutter und doch schon neugierig auf die Welt jenseits ihres Körpers. Welche Ungeschicklichkeiten das mit sich bringt, wie oft man hinfallen muss, um irgendwann laufen zu lernen. Seinen Malerkollegen rät er: „Die kleinen Kinder müssen im Sitzen unbefangen und unbeholfen sein, im Stehen schüchtern und ängstlich.“ Und daran hält er sich auch selbst. Seine Jesusknaben sind keine kurz geratenen Männer, altklug und zu früh erwachsen – so wie bei vielen anderen Künstlern. Sie sind…

access_time6 Min.
ein denkmal für die medici

ES GEHT IHM GUT. Er ist wohlgenährt und wird geliebt. Nackt sitzt der Junge auf einem Samtkissen, seine Mutter umfasst seinen Rücken, so sicher, dass ihre Fingerspitzen eine Delle im Babyspeck hinterlassen. Ihm kann nichts passieren. Eigentlich. Sein linkes Bein tritt in die Luft, als wolle er seine Kraft an einem imaginären Gegner testen. Aber da ist niemand, nur sie und er, in ihrem höhlenartig dunklen Palazzo mit den Rundbogenfenstern, die den Blick auf eine flirrend blaue Berglandschaft freigeben. Warmes Licht fällt auf seinen rundlichen Körper, betont seinen Rumpf, den kaum behaarten Kopf. Vor allem aber moduliert es das helle Gesicht und Dekolleté seiner jungen Mutter. Schön ist sie mit ihren zurückhaltenden, noch mädchenhaften Zügen, dem kleinen Mund, den gesenkten Lidern unter hohen, hellen Brauen. Und sie hat sich schön gemacht. Es hat wohl Stunden…

access_time4 Min.
eine botschaft des himmels

MARIA ERHÄLT BESUCH vom Erzengel Gabriel, einem geflügelten Wesen, einer jungenhaften Figur mit echten Vogelfedern. Der verkündet Maria ihre Empfängnis des Gottessohns. Der Engel nähert sich ihr in respektvollem Abstand und kniet auf dem blumenübersäten Gras nieder, das sich durch den Luftzug seines Anflugs zu krümmen scheint. Dann streckt er seine Hand zum Gruß aus. In der Linken hält er eine Lilie, das Symbol jungfräulicher Reinheit und nebenbei auch Symbol der Stadt Florenz. Maria ist eine junge Frau mit zarter Haut. Doch sie reagiert wie eine erfahrene Dame. Mit der Rechten hält sie die Seiten des Buchs, in dem sie eben gelesen hat. Sie wendet ihren in lange Stoffbahnen gehüllten Körper ab, das strahlend hell erleuchtete Gesicht jedoch dreht sie geraden Hauptes Richtung Engel. Ruhig hebt sie die linke Hand, und diese Geste…

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