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Kultur & Literatur
GEO Epoche Panorama

GEO Epoche Panorama

17/2020

Nichts macht die Vergangenheit so lebendig wie eine Fotografie. Aus diesem Grund widmet sich GEO EPOCHE PANORAMA zweimal im Jahr mit opulenten und packenden Fotografien historischen Themen, die Geschichte schrieben. GEO EPOCHE PANORAMA ist eine Line-Extension von GEO EPOCHE, dem Geschichtsmagazin der GEO-Gruppe.

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Erscheinungsweise:
Biannually
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2 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Liebe Leserin, lieber Leser München, 1946. Zwischen den Skeletten zerbombter Gebäude klopfen Frauen den Mörtel von Ziegeln, die noch einmal verwendet werden können (Bild links), mit Kopftuch und Schürze schützen sie sich vor dem Staub. Überall in deutschen Städten reichen Menschen zu dieser Zeit Steine und Schutt in Kübelketten von Hand zu Hand, schichten Brauchbares zu Stapeln auf, zermahlen Bruchstücke, um damit Bombentrichter zu verfüllen. Solche Bilder zeigen in höchster Verdichtung den historischen Moment nach dem Ende jenes Infernos, das die Deutschen 1939 entfesselt hatten – und das nun auf sie zurückgefallen ist: Ihr Land ist zu einem großen Teil zerstört, von fremden Mächten besetzt, die Menschen sind entehrt, geschlagen, verzweifelt. Ein Volk am Boden. Von dieser Zäsur in der deutschen Geschichte und von den Jahren danach erzählt diese Ausgabe von GEOEPOCHE…

12 Min.
das ende des weltenbrandes

Deutschland im Mai 1945: Der Krieg ist verloren, die NS-Diktatur am Ende, das Land verwüstet. Die Gewalt, von Nazi-Deutschland mit dem Überfall auf Polen im September 1939 entfesselt, hat schließlich auch ihre Urheber getroffen – mit nie da gewesener Wucht und unerhörtem Schrecken. So wie die Luftwaffe Städte wie Warschau, Rotterdam und Coventry in Schutt und Asche gelegt hatte, haben alliierte Bomberflotten insgesamt 1,35 Millionen Tonnen Bomben auf 131 deutsche Städte abgeworfen. Dann begann der Kampf auf deutschem Boden. Im Oktober 1944 eroberten die Amerikaner Aachen, drei Monate später überrollte die Offensive der Roten Armee Ostpreußen. Noch einmal fielen Hunderttausende Soldaten, kamen zahllose Zivilisten um, bis am 8. Mai 1945 endlich die Waffen schwiegen. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht ist der Zweite Weltkrieg (zumindest in Europa) beendet. Deutschland ist ein besetztes Land,…

14 Min.
die stunde null

NACH DEM FEUERSTURM Viele deutsche Städte wie etwa Hamburg gleichen 1945 gespenstischen Ruinenlandschaften. Denn die alliierten Fliegerstaffeln haben nicht nur Rüstungsindustrie und Schienennetze zerstört, ihr wichtigstes Ziel waren die Zivilisten: Permanente und massenhafte Bombardierung sollte Verzweiflung und Todesangst schüren und die Moral der Deutschen brechen. Sprengbomben zerschlugen Dächer, Fenster und Wände der Häuser, von Brandsätzen entfachte Feuersbrünste verheerten ganze Viertel. Doch trotz der Zerstörung blieb die erhoffte Wirkung aus – bis in die letzten Kriegstage hinein folgten die meisten Deutschen den Befehlen Adolf Hitlers IM STAUB DER GROSSSTÄDTE Etwa 500 Millionen Kubikmeter Schutt bedecken die Straßen und Grundstücke der deutschen Städte – zehn Millionen Güterwaggons ließen sich damit füllen. Das Verkehrsnetz ist schwer beschädigt, Verbindung über größere Entfernung aufzunehmen ist fast unmöglich: Es gibt kaum funktionierende Telefone, der Postverkehr ist weitgehend zusammengebrochen. Geräumte…

24 Min.
ein volk vor gericht

Der Nürnberger Gastwirt Alfons Harreis*, geboren am 3. 9. 1903 in Ansbach, 1,75 Meter groß, Haare grau meliert, Narbe oberhalb des linken Auges, ist ein begeisterter Nazi gewesen. In dem Fragebogen zu seinem Entnazifizierungsverfahren listet er insgesamt 14 NS-Organisationen auf, denen er angehört hatte. Harreis war Mitglied der NSDAP seit 1933 (Nr. 1586703) und der SA, aber auch des NS-Kraftfahrer-Korps und des NS-Reichsbundes für Leibesübungen. Er diente der Partei als Sturmführer und als Blockwart, kaufte sehr günstig ein Haus, das zuvor einer jüdischen Familie enteignet worden war, und er hat, so lauten glaubwürdige Beschuldigungen, griechische Zwangsarbeiter kujoniert, geschlagen und ins KZ einliefern lassen. Neben dem Eingang zu seinem Lokal hing ein Emailschild: „Hier verkehrt der Nationalsozialist“. Am 14. März 1949 aber wird Alfons Harreis’ braune Vergangenheit weiß gewaschen. Die Entnazifizierungs-Spruchkammer Nürnberg stuft…

15 Min.
rückkehr in die ruinenstädte

DER WILLE ZUM WEITERMACHEN Die Städte sind noch vom Trümmerstaub überzogen, doch überall versuchen die Menschen schon etwas Neues zu schaffen. So eröffnen Krämer, deren Geschäfte von Bomben zerstört worden sind, behelfsmäßige Verkaufsstände inmitten der Ruinen. Zwischen den Schuttbergen entstehen auf diese Weise erste Läden. In einigen von ihnen können Kunden sogar Lebensmittelmarken eintauschen DER LANGE WINTER »Wer in einer zerstörten Großstadt nicht erfror, musste sein Holz oder seine Kohlen gestohlen haben«, berichtet der Schriftsteller Heinrich Böll über die Winter nach dem Ende des Krieges. Besonders hart ist die Kälte Anfang 1947, als das Thermometer mitunter minus 20 Grad Celsius anzeigt. Tausende erfrieren oder sind so geschwächt, dass sie an Infektionen sterben. Oft ziehen Menschen stundenlang durch Straßen und Parkanlagen, um genügend Brennmaterial für ein kleines Feuer beisammenzuhaben ALLES WAS BRENNT Die Kraftwerke im Nachkriegsdeutschland…

44 Min.
eine stadt als geisel

Berlin ist das Kraftwerk des Kalten Krieges. Hier wird jene unheimliche, die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts verfinsternde Auseinandersetzung, irgendwo zwischen Nicht-Frieden und Nicht-Kampf, immer wieder angeheizt. Der Kalte Krieg beginnt (auch) in Berlin, er geht hier durch mehr als eine dramatische Wendung, und er wird in dieser Stadt schließlich symbolisch enden. In dieser fast genau vier Jahrzehnte währenden Ära ist wohl keine Zeit so entscheidend wie jene Monate zwischen Sommer 1948 und Frühjahr 1949, in denen es zur „Berlin-Blockade“ kommt. Ein einziger Mann, der sowjetische Diktator Josef Stalin, nimmt eine Metropole als Geisel. Er blockiert vom Juni 1948 an für über zwei Millionen Berliner jede Nahrungsversorgung, selbst die Milch für die Kinder kann die Sperren der Roten Armee nicht mehr passieren. Kein Kilowatt Strom gibt es mehr für Westberlin, keine Kohle…