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GEO Wissen

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67/2020

"Mit Sachverstand und Gespür für Aktualität veranschaulicht GEO WISSEN in spannenden Text- und Fotoreportagen anspruchsvolle und komplexe gesellschaftlich relevante Wissenschaftsthemen, greift Debatten auf, macht Auseinandersetzung verständlich. GEO WISSEN befasst sich mit wichtigen Fragen aus den Bereichen Medizin und Erziehung, erläutert die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Ernährung, präsentiert neue Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung und ergründet Phänomene wie „Zeit“, „Sünde und Moral“ oder „Sprache“. Meinungsumfragen, Buchrezensionen und Tests bieten den Lesern einen hefttypischen Zusatznutzen."

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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In dieser ausgabe

1 Min.
editorial

Liebe Leserin, lieber Leser, es sagt sich so leicht: Bleib gelassen. Dabei ist es so schwer. Einen Großteil unseres Lebens fühlen wir uns getrieben von innerer Unruhe, sind aufgeregt, nervös, rastlos, gehetzt. Selbst dieses kurze Editorial über Gelassenheit schreiben wir nicht ohne einen leichten Anflug von Stress – der Kollege aus der Schlussredaktion hat bereits angemahnt, dass der Text überfällig sei. Was müssen wir also tun, um mit unserem Innern in Einklang zu kommen und die Kunst der Seelenruhe zumindest ein Stück weit zu beherrschen? Wie können wir sie erlernen, diese kleine Schwester des Glücks? Dabei geht es nicht um Ratschläge und Tipps zur Entspannung, zumal Gelassenheit kein flüchtiger Zustand ist, vielmehr eine souveräne Haltung zum Alltag, zum Leben. Dieser Haltung können wir uns auf verschiedene Art und Weise nähern. Mit größerem…

13 Min.
orte der ruhe

Abgetaucht in andere Welten Simone Krüger, 52, Lehrerin aus Stralsund, fühlt sich in einem Meeresmuseum, als würde sie durch einen endlosen Ozean schweben Mein Ruhepol liegt auf dem Grund des Meeres. Dort lege ich mich auf eine Liege und schaue zu den Walen hoch, die sich über mir tummeln. Natürlich nicht im echten Wasser – sondern in der Dauerausstellung „1 : 1 – Riesen der Meere“ im Ozeaneum in Stralsund. Dort träume ich mich im bläulichen Dämmerlicht hinein in die Gegenwart dieser gewaltigen Tiere. Mit offenen Augen, indem ich zu den lebensgroßen Modellen von Blauwal, Pottwal und Schwertwal hinaufblicke, die von der Decke des hohen, runden Raumes hängen. Oder mit geschlossenen Augen, während ich den Gesängen der Buckelwale lausche, die dort wiedergegeben werden. Dann fühle ich mich, als würde ich allein durch ein endloses…

8 Min.
die suche nach der inneren mitte

es war mein 60. Geburtstag, der mich schockierte. Ich war nicht darauf gefasst, dass ich nun definitiv älter werde. Jetzt erst wurde mir klar: Die Zahl der kommenden Jahre wird immer kleiner sein als die Zahl der vergangenen. Theoretisch hatte ich mich darauf lange vorbereitet, aber praktisch fühlte es sich nun doch ganz anders an, voller Unruhe, voller Fragen: Was ist mein Leben? Was kann es noch sein? Was hilft mir jetzt weiter? Mehr Gelassenheit, dachte ich mir, das wäre schön. Und wie kann ich mehr Gelassenheit gewinnen? Nicht nur für mich ist das interessant, bemerkte ich bald. Gelassenheit erscheint vielen als erstrebenswert: Sie macht das Leben leichter und reicher. Aber es scheint an ihr zu fehlen: Die Moderne ist keine gelassene Zeit. Sie wühlt die Menschen auf und wirbelt ihr Leben…

13 Min.
alltag

»Was ist der Kern von Gelassenheit?« »Im Einklang mit sich selbst zu leben« GEO WISSEN: Frau Dr. Schmidt, wenn von „Gelassenheit“ die Rede ist, schwingt meist eine große Sehnsucht mit: Viele wünschen sich, gelassener zu sein. Was ist damit genau gemeint? DR. INA SCHMIDT: Oft ist uns das gar nicht so klar, aber wenn wir von „Gelassenheit“ sprechen, dann bedeutet es meist, dass wir uns von etwas befreien möchten: von zu vielen Gefühlen, zu viel Stress, zu viel Unruhe. Anders ausgedrückt: Wann immer wir den Eindruck haben, dass wir uns von uns selbst entfernen, von unseren eigentlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten, wünschen wir uns Gelassenheit. Das entspricht genau den Gedanken, die sich schon Menschen in der Antike dazu gemacht haben: Gelassen ist demnach, wer ganz in Übereinstimmung mit sich selbst lebt – mit den…

16 Min.
die kunst, zufrieden zu sein

Und ständig lockt die nächste Freude: Der Kultfilm im Lieblingskino, das Koch-Event mit Freunden, der Kurztrip übers Wochenende, die Rabatt-Aktion im Online-Shop. Wir sind getrieben von dem Verlangen, immer mehr in immer kürzerer Zeit zu erleben, zu reisen, zu produzieren, zu konsumieren – in der Hoffnung, so unser Glück zu maximieren. Gewissermaßen die ganze Welt auszuschöpfen. Doch nicht selten tritt genau das Gegenteil ein: Wir fühlen uns zunehmend gestresst, gehetzt, rastlos. Sind zwar reicher an Erlebnissen, aber dennoch ärmer an Erfahrungen. Denn was wir erleben, berührt uns oft gar nicht mehr, wird nicht Teil unserer eigenen Geschichte, unserer Identität. Statt eines Gefühls der Fülle macht sich Leere breit. Und die Frage: Was ist eigentlich wichtig für mein Wohlbefinden? Etliche Studien belegen, dass positive Erlebnisse allein das Wohlbefinden nicht verbessern. Entscheidender ist eine bestimmte…

16 Min.
perfekt bis zum zusammenbruch

GEO WISSEN: Frau Dr. Altstötter-Gleich, viele Menschen stellen extreme Ansprüche an sich selbst, im Privatleben aber auch im Beruf. Warum sollte man das infrage stellen? Niemand möchte doch von einem Chirurgen operiert werden, der einen Bypass schlampig annäht. Niemand möchte Ingenieuren die Konstruktion eines Flugzeugs überlassen, die nicht penibel auf alle Schwachstellen achten. DR. CHRISTINE ALTSTÖTTER-GLEICH: Absolut richtig. Als ich bei einem Vortrag vor Zahnärztinnen von denen zu hören bekam, dass sie sich alle für perfektionistisch halten, war ich selbstverständlich sehr froh. Wenn es in der Menschheitsentwicklung nicht immer wieder Perfektionisten gegeben hätte, würden wir unsere Wäsche vermutlich noch heute mit der Hand waschen. Viele Höchstleistungen sind darauf zurückzuführen, dass Menschen mit dem Status quo nicht zufrieden waren. Das gilt für Künstler, für Sportler, das gilt für Unternehmensgründer wie Steve Jobs,…