Es war der Tod ihres Vaters, der die Mailänderin Cristina Cattaneo, Forensikerin seit über 25 Jahren, zum ersten Mal spüren ließ, was der Verlust eines Menschen wirklich bedeutet. Die Ohnmacht, das Sterben nicht verhindert zu haben. Die Leere, wenn man das erkaltete Gesicht betrachtet. Nicht mit dem Blick der Rechtsmedizinerin, sondern dem einer Angehörigen.
Etwa zur selben Zeit, im Oktober 2013, sank vor der Küste Lampedusas ein Flüchtlingsschiff, 366 Menschen aus Eritrea kamen dabei ums Leben. Die Leichen wurden geborgen, aber obwohl es völkerrechtlich vorgeschrieben ist, dass Tote identifiziert werden, kümmerte sich niemand darum. „Wenn Europäer bei einem Unglück sterben, mobilisiert man alle Kräfte, um sie zu identifizieren“, sagt Cristina Cattaneo. „Aber für die Geflohenen wirft man nur einen Kranz ins Wasser und denkt, das genügt.“
Seither sammelt sie mit…
