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 / Kunst & Architektur
AD (D)

AD (D) AD Choice 2018

Stil leben! AD ARCHITECTURAL DIGEST ist das Premium-Magazin für Architektur, Wohndesign und Lebensart im deutschsprachigen Raum. Jede Ausgabe fasziniert durch ihr hohes Maß an Qualität und Originalität mit beeindruckenden Bildern und excellent recherchierten Geschichten. Anspruchsvolle Architektur, luxuriöses Interieur, intelligente Wohnkonzepte – zur Vielfalt von AD gehört der ganze Themenkosmos moderner Lebensart. Von Design und Einrichtung über Kunst, Uhren und Schmuck, Autos und Yachten bis zum Reisen – AD informiert, berät und unterhält den anspruchsvollen Leser.

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Condé Nast Germany GmbH
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10 Ausgaben

IN DIESER AUSGABE

2 Min.
editorial

Man kann es auch übertreiben. Henri de Toulouse-Lautrec jedenfalls, der Maler, war einmal bei Henry van de Velde zu Hause in Brüssel zum Essen eingeladen. In dessen Haus Bloemenwerf war nichts dem Zufall überlassen – die Kleider der Hausherrin waren auf die Farben des Esszimmers abgestimmt, auch die Teller und Speisen waren einer strengen Harmonie unterworfen. Was allerdings nicht durchweg gelang, denn Irritationen wie gelbe Eidotter oder rote Bohnen auf violetten Platten ließen sich nicht ganz vermeiden. Überhaupt, so Toulouse-Lautrec, sei die farbliche Abstimmung deutlich auf Kosten der guten Küche gegangen. Eigentlich gefielen ihm nur das Bad und die Toilette, natürlich in Weiß gehalten. Und doch muss etwas hängen geblieben sein von van de Veldes Genie (ab Seite 108 zeigen wir seine Villa Hohenhof bei Hagen), denn kaum nach Paris…

4 Min.
aus zeit

„Anfang der Siebziger, als wir La Muralla Roja bauten, träumten wir den Traum von der sozialen Revolution.“ Ricardo Bofill Nur wenigen Apartment-Anlagen sind je Gedichte gewidmet worden. Womöglich bloß dieser einen: der Muralla Roja, der Roten Mauer des katalanischen Architekten Ricardo Bofill, die seit Anfang der 70er-Jahre an der Costa Blanca steht. Im vierstrophigen „La muralla roja“ von José Agustín Goytisolo, dem bedeutendsten katalanischen Schriftsteller seiner Zeit, tritt ein Besucher vor die Anlage, verliert sich in ihr, verlässt sie nicht mehr. Die ersten Verse lauten: „Ohne es zu wissen, bist du gekommen, um dich selbst zu finden.“ Der Besucher erlebt den Bau als „Tempel“ und erwartet darin „die Helligkeit eines Tages, der weder Zeit noch Uhren kennt“. Eine himmlische Vision, projiziert auf ein Stück Ferienarchitektur – ist das nicht viel zu hoch…

1 Min.
preußisch-russland

Ein Denkmal der Erinnerung sollte Alexandrowka werden. Friedrich Wilhelm III. gründete die Siedlung 1826, um die Bande der Freundschaft zum verstorbenen Zaren zu zelebrieren – und verpflanzte zwölf russische Soldaten in die Potsdamer Kolonie. Höchstselbst feilte der König an den ersten Plänen der Anlage, die Peter Joseph Lenné in nur zwei Wochen zeichnete, und erfand den hippodromförmigen Grundriss, den ein Andreaskreuz zerteilt. Paarweise stehen sich acht Höfe gegenüber, vier weitere an den Rundungen der Ellipse, mit weitem Grund für jeden. Doch Obacht, hier ist nicht alles Holz, was glänzt: Der Blockbau ist Bretterverschalung auf Fachwerk, die Balkone sind reine Zierde und sogar manche Türen bloße Kulisse. Hinein ins russische Herz geht's – bis heute – an der Seite.…

1 Min.
wo kirschrot auf mint knallt

The Greenbrier“ im beschaulichen White Sulphur Springs besitzt alle Zutaten einer Hotel-Legende: Tradition (unter den Gästen, die seit 1778 hier logierten, sind 27 US-Präsidenten), Geschichte (während des Kalten Kriegs diente es als streng geheimer Rückzugsort des Kongresses) und viel Drama. Letzteres ist vor allem Dorothy Draper zu verdanken, der Pionierin des modernen Interiordesigns amerikanischer Prägung. In den 1940ern wurde sie mit der Neugestaltung des Resorts beauftragt – und Draper zeigte, wie viel Innovationsgeist in ihr steckt. Kühn vereinigte sie gewagte Farbkombinationen, auf Tapeten und Teppichen wuchernde Dschungelpflanzen, mit riesigen Blumenbuketts bedruckte Chintzsessel und marmorne Schachbrettböden zu einem Meisterwerk des „Modern Baroque“. Zum Markenzeichen der erklärten Anti-Minimalistin wurden überdimensionale Stuckornamente an Decken und Wänden. „If it looks right“, wusste sie, „it is right.“ DZ ab 238 Dollar. greenbrier.com…

7 Min.
die weiße garage des kapitals

Beinahe hätten seine Gegner gesiegt. Selbst Kaiser Franz Joseph I. zogen sie auf ihre Seite. Zeitweilig nahmen die Versuche, Otto Wagner am Bauen zu hindern, die Züge eines Kulturkampfes an. Doch der Entwurf für das neue Hauptgebäude des „kaiserlich-königlichen Postsparcassen-Amts“, den der Wiener Architekt im April 1903 in einem viel beachteten Wettbewerb eingereicht hatte, erwies sich als so überragend, dass man einfach nicht an ihm vorbeikam. „In den Protokollen der Jury ist jeder Schritt vermerkt, nur nicht, wann und warum die Entscheidung für Wagner gefallen ist. Der Kaiser wollte ihn definitiv nicht an der Ringstraße bauen lassen, also entschied er sich wohl, ihm dieses Grundstück in der zweiten Reihe zu überlassen“, vermutet Monika Wenzl-Bachmayer. Als Gründerin und bis 2013 Leiterin des in der Postsparkasse ansässigen Museums Wagner:Werk ist sie mit deren…

1 Min.
das haus ist die party

Eine Kritikerin nannte seinen Stil einmal „psychedelischen Barock“. An die 60 Wohnund Geschäftshäuser hat Freddy Mamani in den letzten Jahren in seiner Heimatstadt El Alto gebaut. Bei den meisten handelt es sich um „Cholets“, eine Umdeutung des Begriffs Chalet. In Cholets gehen die Dinge gern drunter und drüber, zum Baukonzept gehören Läden im Erdgeschoss, Tanzsäle und Restaurants im ersten Stock und darüber Wohnungen. Die Vielstimmigkeit der Nutzung spiegelt sich in den Fassaden. Als habe Mamani bekannte Architekturdetails in einen Teilchenbeschleuniger gesteckt, finden sich dort expressionistische Formen und Neonfarben im Überfluss. Weil er dabei auf traditionelle Gestaltungselemente zurückgreift, sieht mancher in Mamani den Vorreiter eines neuen Selbstbewusstseins der Andenbewohner. Und seine nueva arquitectura andina, die in Anlehnung an die gleichnamigen Hollywood-Sequels auch „Transformer-Architektur“ getauft wurde, zeigt Wirkung: Bisher galt sein 4150…