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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 10/17

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

u Beginn dieses Heftes, liebe Leser, stand für meine Kollegin Sabine Schneider ein Paradoxon – ein Paradoxon aus Zuneigung und Ablehnung. Zum einen die Ablehnung: Die Nachkriegs-moderne hat es im öffentlichen Bewusstsein schwer. Die meisten Bauten werden lieber abgerissen als saniert. Und es gibt ja auch handfeste Argumente gegen die ungeliebten Riesen: schlechte Bausubstanz, neue EnEV-Werte, unbrauchbare Raumzuschnitte, zu geringe Deckenhöhen. Außerdem wollen die reichlich vorhandenen Gelder der Immobilienbranche Gewinn bringend investiert werden. Und Sanierungen sind zwar aufwändig, versprechen aber häufig keine reizvolle Rendite. Gerade Letzteres liegt aber neben allen bausachlichen Kritikpunkten auch daran, dass die Spätmoderne in der breiten Bevölkerung schlicht unbeliebt ist; Ausnahmen wie der Kulturpalast in Dresden bestätigen nur die Regel. Das gilt – sämtlichen Appreciation Societies zum Trotz – auch für den Brutalismus. Man ist froh, dass…

1 Min.
lorenzo quinn support, 2017

Venedig. So eine Stadt gibt es wohl nur einmal auf der Erde. Das ist ihr Glück und gleichzeitig ihr Verhängnis. Wegen ihrer Einzigartigkeit kulminieren in der Lagunenstadt nun auch alle Probleme der westlichen Zivilisation: die Bedrohung durch den Klimawandel, die Schäden durch Massentourismus, die Kommerzialisierung der Stadtkerne. Kein Zufall, dass die Kunst in der Stadt immer politischer wird. Anlässlich der Kunstbiennale – bis 26. November – realisierte der italienische Künstler Lorenzo Quinn unter dem Titel „Support“ eine spektakuläre Kunstinstallation: Zwei weiße Hände ragen aus dem Canal Grande und scheinen einen Palazzo zu stützen. Die Fingerspitzen berühren die bröckelnde Fassade nur leicht. Mit diesen riesigen Händen will Quinn die Touristenmassen, die auf den Vaporetti am Palazzo vorbeifahren, auf die steigenden Wasserstände aufmerksam machen – der Klimawandel geht uns alle an. Wir…

4 Min.
spaß macht erfinderisch

Ihr erstes Designprojekt war eine Serie von Badezimmermöbeln für das englische Einrichtungshaus Habitat. Der Entwurf entstand aus Nina Tolstrups eigenen Bedürfnissen, aus dem, was sie selbst in ihrer kleinen Mietwohnung brauchte: einen Handtuchhalter und einen Klopapierständer, die an der Wand lehnten, da der Vermieter verboten hatte, Löcher in die Wand zu bohren. Tolstrup kontaktierte Terence Conran, der Habitat leitete, und die Serie wurde produziert. Nina Tolstrup hatte in Dänemark Betriebswirtschaft studiert und zuerst im Marketing gearbeitet. Danach studierte sie Industriedesign an der ENSCi Les Atelier in Paris. Sie war in verschiedenen Branchen tätig, war Journalistin und machte Fotoreportagen von Interieurs, eröffnete einen Laden für Inneneinrichtung und gründete dann, als sie mit ihrem Mann nach London zog, ihr eigenes Designstudio. Der Dänin gefiel der Name ihres Mannes, Jack Mama, und machte daraus…

6 Min.
europäische manieristen

Unter Architekturstudenten ist der Name Fala Atelier bekannt. Warum? Weil alle schon mal eine ihrer Collagen kopiert oder sich zumindest von ihrer Darstellungsweise haben „inspirieren“ lassen. Seit 2013, seit die drei Partner des Büros die ersten Collagen ins Netz stellten, haben sich die Figuren aus den Gemälden von Edward Hopper oder die tropischen Pflanzen von Henri Rousseau in den Arbeiten vieler junger Architekten gehäuft. „Wir klauen ständig Ideen aus dem Internet, insofern ist es ja eigentlich nur fair, wenn wir auch kopiert werden”, erklärt der Partner Ahmed Belkhodja, den wir bei der Münchner Veranstaltung „Prinzip Hoffnung“ trafen, deren Medienpartner der Baumeister war. Dort sprach er über seine Arbeit als junger Architekt in Europa, ein Thema, das übrigens gut zur Selbstvergewisserung des jungen Büros passte, denn wer sich ein Gesamtbild der…

4 Min.
hochstapeln auf engem raum

Die Schweizerische Landesausstellung Expo.02 an den Juraseen war nicht zuletzt aufgrund ihrer bemerkenswerten Szenografie ein Ereignis – etwa wegen Bauten wie dem im Wasser stehenden Monolith in Murten von Jean Nouvel oder der immateriellen Wolke von Diller + Scofidio. Doch daneben gab es auch eine Reihe Ausstellungsprojekte, welche auf intelligente Weise das traditionsbehaftete Selbstverständnis der Schweiz in Frage stellten. Zu den spannendsten Projekten zählte der „Garten der Verführung“ in Yverdonles-Bains, an dem im eigens gegründeten Team „Extasia“ neben Diller + Scofidio auch West 8, Vehovar & Jauslin sowie das von Tristan Kobler gegründete Zürcher Büro Morphing Systems beteiligt waren. Und in Murten verhandelte Barbara Holzer, Leiterin des Architekturbüros „d-case“, mit ihrer „Heimatfabrik“ das Thema Heimat als Konstrukt. Zwei Jahre nach der Landesausstellung, im Jahr 2004, gründeten Barbara Holzer und Tristan…

5 Min.
komposition in seegrün

Ein neues Hotel direkt am Comer See: Der Sinn für Handwerkskunst des Bauherrn zeigt sich auch darin, dass er seinen Gästen ein paar der berühmten, handbearbeiteten, hölzernen Riva-Boote zur Verfügung stellt. Kühles „Mint“, so heißt die Farbe heute, „Petrol“ hieß sie in den 1980ern, „Russisch-grün“ in den 1960ern: Der Jade-, Türkis-oder auch Blaugrünton des Comer Sees an einem sonnigen Tag war schon immer Mode. Im neuen Luxushotel „Il Sereno“ direkt am Ufer ist er allgegenwärtig: Er leuchtet nicht nur durch die großen Scheiben herein in die Räume, sondern findet sich auch in vielen Varianten auf Sofas, Sesseln, Stühlen, an Vasen und Servietten wieder. Die spanische Architektin und Designerin Patricia Urquiola meint dazu, sie habe sich in ihrer Wahl der Farbtöne von der Umgebung inspirieren lassen. Sie versetzt Besucher und Gäste damit…