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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 11/17

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Noch steckt sie uns allen in den Knochen, die Bundestagswahl. Mittlerweile hat auch der Letzte von uns in den sozialen Medien seine Empörung über das AfD-Ergebnis artikuliert. Wir sollten nun die Frage ins Auge fassen: Was hat der Wahlausgang verändert? Erleben wir künftig eine härtere, konfrontativere politische Kultur? Und haben wir Beobachter uns vielleicht in der Vergangenheit etwas vorgemacht über den Geisteszustand des Landes? Aus meiner Sicht ist letztere Frage eindeutig mit Ja zu beantworten. Der Optimismus, mit dem wir alle im Zuge der Flüchtlingswelle unser welt- und migrationsoffenes Land gefeiert haben, hat uns ein wenig vergessen lassen, dass nicht alle Deutschen die Rolle des Landes als Modellfall humanitärer Offenheit sehen. Es herrschen, einfach gesagt, weiterhin individuelle Egoismen vor. Dies sollten sich all jene vor Augen führen, die in den…

1 Min.
ai weiwei „soleil levant“ in kopenhagen

Fast 1.735.000 Menschen haben seit 2014 auf der Flucht nach Europa ihr Leben riskiert. Über 15.000 sind dabei ums Leben gekommen. In den Städten Italiens, wo allein 2017 etwa 90 Prozent aller Flüchtlinge strandeten, konnte und kann man hautnah erleben, was die tägliche Ankunft Hunderter traumatisierter Menschen bedeutet – anders als zum Beispiel in Dänemark. Um die Dänen und die sorglosen Sommertouristen auf die hochaktuelle europäische Flüchtlingskrise aufmerksam zu machen, stopfte der chinesische Künstler Ai Weiwei die Fenster der Kunsthalle Charlottenborg in Kopenhagen mit Tausenden von Schwimmwesten voll – diese Westen waren an die Küsten Südeuropas angeschwemmt worden. Die Installation heißt „Soleil Levant“ und verweist auch auf das berühmte gleichnamige Gemälde von Claude Monet: Der französische Impressionist dokumentierte die beginnende Industrialisierung seines Landes – Ai Weiwei macht auf die aktuelle…

6 Min.
no cities, no future

Bereits seit zehn Jahren gehört Joachim Declerck zum festen Kuratoren-Team der Rotterdamer Architektur-Biennale. Sein Sprung in die internationale Szene vollzog sich 2007, als er an der Ausstellung „Power – Producing the Contemporary City“, die seinerzeit das Berlage-Institut ausrichtete, beteiligt war. Declerck konzentrierte sich daraufhin immer stärker auf urbane Themen und gründete 2009 zusammen mit Roeland Dudal den „Architecture Workroom Brussels“ als interdisziplinäre Plattform, die er ausdrücklich als „Think-and-Act-Tank“ versteht. Ein Jahr später ging er für das Berlage-Institut ins kurdische Diyarbakir, wo er das Programm „Large Scale Housing Solutions“ für die aus ihren Dörfern vertriebenen Kurden leitete. In den letzten Jahren hat der aus Kortrijk stammende und in Brüssel lebende Belgier immer wieder Stadtplaner, Architekten, Politiker, Stadtteilbewohner, Aktivisten und Künstler zusammengebracht, um soziale Probleme auf regionaler oder kommunaler Ebene anzugehen –…

4 Min.
anmerkungen aus der peripherie

OOPEAA – hinter der ungewöhnlichen Bürobezeichnung verbirgt sich die finnische Abkürzung „Büro für periphere Architektur“. Der Name ist Programm, denn das Werk von Anssi Lassila und seinen rund zehn Mitarbeitern entsteht seit 2004 überwiegend in Seinäjoki, einer rund 60.000 Einwohner zählenden Stadt im Westen Finnlands. Dort hat der Architekt mit seiner Familie und seinem Büro – ursprünglich unter dem Namen Lassila Hirvilammi Architects – ein wunderschönes Bestandsgebäude bezogen und nach den eigenen Bedürfnissen hergerichtet: ein Refugium für konzentriertes Arbeiten an einem großen gemeinsamen Tisch, das zugleich ein geselliger Ort ist. Peripheres Arbeiten Peripherie, das bedeutet für Anssi Lassila, sich an der Grenze zwischen zwei verschiedenen Welten zu bewegen. Auf seine Architektur bezogen, sucht er die Inspiration in Zwischenräumen: zwischen Stadt und Land ebenso wie zwischen einem hohen Respekt für die Tradition und…

9 Min.
i, too, am america

Die Einweihung des von David Adjaye entworfenen National Museum of African American History and Culture (NMAAHC) in Washington D.C., im September 2016 hat eine seit Langem bestehende Lücke in der offiziellen Geschichtserzählung der USA gefüllt. An einer prominenten Kreuzung der monumentalen Achsen der Hauptstadt gelegen, reiht es sich in die Museumsbauten der National Mall ein, Architektur und Ausstellung erzählen vom Leiden der Sklaven und ihrer Befreiung, der Erlangung voller Bürgerrechte rund 100 Jahre später sowie den Erfolgen und Errungenschaften von Afroamerikanern. Der anlässlich der Eröffnung vorherrschende Optimismus erhielt mit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten nur kurze Zeit später einen beträchtlichen Dämpfer. Umso bemerkenswerter erscheint es im Nachhinein, dass die für den Bau benötigten 530 Millionen Dollar von Spendern und Politikern aus unterschiedlichen ideologischen Lagern über einen Zeitraum von mehreren…

7 Min.
ein gemeinsames haus

Um die Baukosten zu reduzieren und die vorhandene Arbeitskraft optimal auszuschöpfen, verzichtete das Team auf schweres Gerät und entwickelte stattdessen Lösungen, die leicht, manuell lösbar und vor allem materialsparend waren. Mannheim – Arbeiterstadt: Bei der letzten Landtagswahl haben hier gut 23 Prozent der Wähler die AfD gewählt – ein Trend der sich bei der Bundestagswahl bestätigt hat. Einen besonders hohen Zuspruch hatten die Rechtspopulisten in Schönau im Mannheimer Norden, einem Stadtteil, der jahrzehntelang sozialdemokratisch geprägt war. Als Grund sehen viele die Flüchtlingskrise – und tatsächlich war die Stadt am Neckar der Erstaufnahmeort für Flüchtlinge in ganz Baden-Württemberg. Das hat seine Ursache in den vielen leerstehenden Kasernen, die auf die Wehrmacht und die anschließende Stationierung amerikanischer Truppen nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgehen – in der Hochphase der Flüchtlingskrise waren hier bis zu…