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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 12/17

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Tourismus ist die Gentrifizierung für Menschen mit Fernweh. Wie der Diskurs über unsere gentrifizierten Innenstädte, so offenbart auch das Gezeter über die bösen Touristen eine gewisse Tragik. Bei beiden Themen sind wir schnell einer Meinung: Gentrifizierer sind übel. Touristen auch. Die Tücke aber: Nicht nur sind wir alle, die wir im schönen Prenzlauer Berg wohnen oder in München am Gärtnerplatz, Gentrifizierer. Wir sind auch, sobald wir reisen, Touristen. Aber nein, höre ich meine Filterblase protestieren, wir reisen ja anders. Bewusster. Meiden die „ausgetretenen Touristenpfade“. Und ja, das tun wir. Allerdings wir alle. Bewusst-Reisen ist heute ein Massenphänomen. Man muss schon fast Mitleid haben mit „Einheimischen“, die noch die hinterste Ecke der eigenen Existenz heimgesucht sehen von westlichen Bildungsbürgern, immer auf der Suche nach „echten Eindrücken“ oder dem letzten freien Platz…

1 Min.
anna borgman und candy lenk wurf iii

Autobahnen verkörpern wie kaum ein anderes infrastrukturelles Element die Verheißung permanenter Mobilität. Gleichzeitig erzeugen sie auch eine Barriere, indem sie die Landschaft teilen, sie verschwimmen lassen. Die Wahrnehmung innerhalb dieses Geschwindigkeitsraums ist eine ganz eigene – vor allem dann, wenn etwas auftaucht, mit dem man dort nicht rechnet – ein Hindernis. Und genau das haben die Künstler Anna Borgman und Candy Lenk auf einer Autobahn in Dänemark platziert – ein meteoritenartiges Gebilde, das eine Barriere in der Barriere darstellt. Und siehe da: Plötzlich rücken andere Dinge wieder in den Vordergrund, und der Geschwindigkeitsraum wird zum Landschaftsraum. Die Installation ist Teil einer Serie, die sich „Wurf“ nennt. Die beiden Künstler platzieren den „Stein“, bei dem es sich eigentlich um eine mit Zellulosefasern ummantelte Holzkonstruktion handelt, an unterschiedlichen Orten, um durch die hervorgerufene…

9 Min.
aus dem licht des südens

„Letztendlich bauen wir immer ‚portugiesisch’, auch wenn wir in Ungarn, Frankreich oder in der Schweiz bauen.“ Wäre nicht eine gewisse Selbstsicherheit in seinen Worten, würde man nicht glauben, dass der Mann, vor dem ich sitze, einer der Brüder Aires Mateus ist – auf seinem Gesicht ein freundliches Lächeln, vom klischeehaft großen Ego eines bekannten Architekten keine Spur. Und doch gäbe es Grund für ihn, stolz zu sein: Denn am vorherigen Tag war die historische Aula der Münchner Akademie der Bildenden Künste bei seinem Vortrag restlos überfüllt. Kein Wunder, denn Francisco Aires Mateus und sein Bruder Manuel sind seit Jahren als Erben der portugiesischen Baukultur eines Siza oder Souto de Moura bekannt. Inzwischen aber verändern sich Maßstab und Standort ihrer Projekte: Waren es bis 2010 hauptsächlich weiße Einfamilienhäuser oder Gemeindezentren in malerischen…

5 Min.
missionare von reisenden

Oft geschieht es nicht, dass Hotelbetreiber stadtkulturell wirksam werden. Die mexikanische Grupo Habita darf sich insofern kräftig selbst auf die Schulter klopfen: Sie haben mit der Eröffnung eines Hotels dafür gesorgt, dass ein Stadtviertel –und indirekt letztlich eine ganze Stadt – eine neue Identität entwickelt haben. Und zwar die Heimatstadt der Hotelkette, Mexico City. Mit der Eröffnung des Hotels „Condesa DF“ im Januar 2005 begann die rasante Transformation des Innenstadtviertels Condesa zum international wahrgenommenen Zentrum für Künstler, Designer und sonstige Kreative. Und damit startete zugleich Mexiko-Stadt insgesamt einen Wandlungsprozess, der die Metropole auf der Agenda des globalen Städtetourismus weit nach oben setzte. Bis heute ist das 40-Betten-Hotel Treffpunkt für Reisende, die in Hotels nicht nur Unterkünfte sehen, um Städte zu erkunden, sondern die ihre Beschäftigung mit urbanen Kulturen im Hotel…

5 Min.
mit einfachen mitteln

Häuser, Menschen, Mopeds reihen sich in Hanoi wie Sardinen in der Büchse. Diese hohe Dichte entstand baulich bereits vor tausend Jahren, in der Ly-Dynastie (1009 bis 1225): Denn um in einen Straßenzug so viele Geschäfte wie möglich unterzubringen, wurden die Gebäude nach ihrer Breite besteuert. Während der Kolonialmacht der Franzosen sorgte eine weitere Steuer auf die Grundfläche dann dafür, dass die Typologie aus extrem schmalen und hohen Bauvolumen fortbestand – mit oft nur einem Zimmer pro Geschoss. „Als ich aus Deutschland zurückkam, habe ich mich gefragt, wie ich einen Beitrag zur Architektur in meinem Land leisten kann.“ Der Umgang mit knappem Raum wurde dem Architekten Pham Tuan Anh aus Hanoi also in die Wiege gelegt. Auch sein Architekturbüro SMA+ in einer Seitengasse der Hauptstadt besteht aus einer winzigen Grundfläche von gerade mal…

10 Min.
flucht in die abgeschiedenheit

A Solo-Haus Pezo von Ellrichshausen B Solo-Haus Office KGDVS Es gibt einen „touristischen Blick“ auf unsere Städte. Der britische Soziologe John Urry bezeichnet damit Erwartungen Reisender an Architektur, Städte, Landschaften und andere ortsspezifische Konstruktionen – Erwartungen, die sich durch die globalen Medien und den globalen Tourismus immer weiter verbreiten. Denn ein Ort wird nur durch das persönliche Vor-Ort-Sein als „authentisch“ und als eigene Erfahrung wahrgenommen, und der Wunsch nach Authentizität wird in einer zunehmend technologischen Welt immer stärker. Die Evolution des touristischen Blicks ist undenkbar ohne die vorherige Entwicklung des Reisens zu einem massenkulturellen Phänomen. Historisch gesehen war Reisen ausschließlich den Oberschichten vorbehalten, beispielhaft dafür ist die aristokratische Kavaliersreise zu den antiken Stätten. Der Massentourismus ist ein Produkt der relativ neuen Modernisierung und Demokratisierung des Reisens, die im späten 19. und im 20.…