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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 4/18

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Ja mei – das möchte man in der Tat sagen, wenn man über Bayern nachdenkt. Klar, alles ganz schön hier. Aber doch auch ein wenig bräsig. Gesellschaftliche oder kulturelle Innovation, bekommen die Bayern oft zu hören, findet anderswo statt. In Berlin zum Beispiel. Hier lebt man stattdessen einfach gut. Doch so simpel liegen die Dinge natürlich nicht. Wenn Bayern nur die bierseelige Langeweile wäre, müsste man sich anderswo, zum Beispiel in besagtem Berlin, nicht ständig an ihm abarbeiten. Tut man aber. Offenbar geschehen hier Dinge, die es wert sind, dem Bundesland und seiner Hauptstadt zu grenzüberschreitender Aufmerksamkeit zu verhelfen. Es lohnt also, mal genauer hinzuschauen. Das tun wir, als Münchner Medium, mit diesem Heft. Auch weil Bayern gerade zwei Jubiläen feiert. 100 Jahre Freistaat Bayern, 200 Jahre Verfassungsstaat – und unsere Frage:…

5 Min.
literarische spurensuche

1. Szene: Fast ein Interview Damit keine Unklarheit besteht: Mit Franz Xaver Kroetz haben wir uns ausgetauscht. Er sagte auch etwas zum Thema bayerische Architektur (siehe Kasten). Die Antwort war lakonisch detailliert und ließ keine Frage offen. Sie hilft uns nur nicht wirklich weiter. Eine literarische Spurensuche ist vonnöten, um den Raum- und Architekturbegriff bei Kroetz auszuloten. Tatsächlich nahm er das Interview vorweg, wenn man seine Kurzgeschichte „Die volle Wahrheit ausm Keller raus” liest. Ob die Person in der Geschichte wirklich Kroetz ist oder lediglich eine Spiegelung? Kroetz, in München geboren und in Niederbayern aufgewachsen, galt im Alter von 26 Jahren als Wunderkind des deutschen Theaters, wo er sich im Rahmen des kritischen Volkstheaters mit Menschen am Rand der Gesellschaft befasste. Er war und ist als Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler erfolgreich. Ein zentrales…

1 Min.
franz xaver kroetz antwortet unserem autor:

Hallo Herr Kammerbauer, danke für die Mail. Es gibt ein bayrisches Bier, aber ich wüsste nicht, was eine bayrische Architektur sein sollte (nicht mal Google weiß es). Es gibt ein mit Glas und Beton zugeschissenes München, rund herum einen flächendeckenden Gewerbe-„Park“, und weiter draußen versauen die Bauern ihre Höfe, damit auch die überdimensionierte Landtechnik reinpasst. WAS WIRKLICH HINHAUT, sind die drei alten K: Kirche, Kunst, König(e). In diesem hymnisch bigotten Dunstkreis sind noch viele Perlen zu bestaunen, alle aus der Vergangenheit. Was soll man dazu sagen? Am besten nichts. Schönen Gruß FX Kroetz…

4 Min.
echos aus der vergangenheit

Was ist Architektur? Eigentlich eine einfache Frage, die aber momentan gar nicht so einfach zu beantworten ist. Während man in den Nullerjahren auf Stararchitekten wie Frank Gehry, Zaha Hadid oder Rem Koolhaas und deren weltweit verteilte Ikonenarchitektur verwiesen hätte, sieht die Lage heute anders aus. Eine neue Architektengeneration wächst gerade heran, die eine andere Antwort für sich sucht und teilweise auch gefunden hat. Das Gewöhnliche, Regionale, Unaufgeregte ist es, was diese jungen Architekten interessiert, eine Architektur, die ein Bestandteil unserer Alltagskultur ist, sich gleichzeitig aber auch von ihr abhebt. Echos aus der Vergangenheit Das gilt auch für Max Otto Zitzelsberger, der bislang mit einigen sehr kleinen, aber auch sehr feinen Projekten auf sich aufmerksam gemacht hat. Dazu zählen ein Hühnerhaus (B10/15), eine Bushaltestelle und eine vom Biedermeier inspirierte Möbelserie. Sanierungen gehören ebenfalls…

7 Min.
lob der beständigkeit

Kommt die Rede auf den ländlichen Raum, denkt man vor allem auch an seine Probleme: den demografischen Wandel, die daraus folgende Abwanderung, den wirtschaftlichen Strukturwandel, der vor allem die traditionelle Landwirtschaft trifft; außerdem die Zersiedelung durch die Erschließung neuer Wohn- und Gewerbegebiete auf der grünen Wiese und an einen Leerstand von ehemals den Ortskern prägenden Bauten. Traurige Aussichten. Es werden aber auch gerne Wunder zitiert wie das von Blaibach. Dort hat der Architekt Peter Haimerl mit seinen Mitstreitern weit weg von urbanen Zentren bekanntlich einen Konzertsaal vom Himmel fallen lassen, der dem zuvor wie im Stillstand befindlichen Ort neuen Schwung gegeben hat. Es geht auch weniger spektakulär – wie in Maitenbeth im Landkreis Mühldorf in Oberbayern. Hier leben 2.100 Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz in 760 Haushalten auf einer Fläche von…

11 Min.
es war einmal ein haus

Es gibt Geschichten, die muss man erfinden. Und es gibt Geschichten, die sind schon da. Man muss sie nur sehen können. Oder spüren. Das Austragshäusl am Schedlberg bei Arnbruck ist so eine Geschichte, die schon da war. Wann hat sie begonnen? 1820, als das Haus gebaut wurde? Nein, viel früher. Irgendwann vor 320 bis 350 Millionen Jahren, als flüssiges Magma durch Risse in der Erdkruste nach oben stieg, steckenblieb und langsam erkaltete. Damals hatte dieser Landstrich noch keinen Namen, heute heißt er Bayerischer Wald, und auch wenn mittlerweile viel Granit abgebaut und verkauft wurde, findet man ihn immer noch überall. Wild-schöne Felsformationen, loses Gestein und leergeräumte Steinbrüche. Wer hier sesshaft werden wollte, der baute mit dem, was es gab: Stein und Holz. Beides gibt es am Schedlberg. Steht man in dem hinteren…