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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 8/18

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Was, liebe Leser, ist in unserer Welt eigentlich (noch) authentisch? Was kann überhaupt noch authentisch sein? In Zeiten von Fake News und Chatbots im Netz stellt sich die Frage nach dem „Realen“ für uns dringlicher denn je. Vielleicht auch deshalb wird so viel und inbrünstig über Fragen der Rekonstruktion, der baumoralisch zulässigen und der historisch verwerflichen, diskutiert. Und in diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage mit neuer Dringlichkeit, wie umzugehen ist mit den irgendwie für relevant gehaltenen architektonischen Zeugen des Vergangenen. Was ist als „Denkmal“ zu deklarieren und folglich zu „pflegen“? Und wie sieht diese Pflege aus? Wie schafft man es, erhaltenswerte Bausubstanz zu mehr zu machen als zu einem Outdoor-Museum? Wann sind architektonische Haltungen von früher zurecht und real „unforgotten“, wie es auf unserem Titelmotiv heißt? Gute Beispiele aus…

1 Min.
ein bild

Der Porotosee auf der Insel Hokkaido ist der Lebensraum der Ainu – der Ureinwohner Nordjapans. Hier, an diesem einst abgeschiedenen Ort, treffen heute Touristen auf Einheimische, Fortschritt auf Tradition. Doch was suchen die Stühle auf dem See? Sie sind Teil der Landschaftsinstallation „Fragile Chairs“ des japanischen Architekten und Künstlers Hidemi Nishida, der mit solch überraschenden Arrangements regelmäßig für Aufsehen sorgt. Für sein aktuelles Kunstprojekt drapierte Nishida Holzstühle auf der Wasseroberfläche: Sie ragen hier und da aus dem Wasser, bilden surreale Inseln. Der Stuhl, ein uns vertrautes Objekt, ist auf diese Weise aus dem Kontext gerissen und erscheint unerreichbar. Die Verbindung und gleichzeitig der Kontrast zwischen unserer Lebenswelt und fragilen Landschaften interessieren den Künstler seit jeher. Er will uns bewusst machen, dass es neben der sich rasant verändernden Welt noch eine…

6 Min.
wider das stille vergessen

Wenn ein Haus, das eine besondere geschichtliche Bedeutung hat, erst einmal weg ist, dann schwindet nach und nach auch die Erinnerung an die damit verbundene Geschichte. Beispiele in Deutschland gibt es genug – durch die Zerstörung im Krieg oder den Abriss in der Nachkriegszeit. Somit fällt der Denkmalpflege eine große Verantwortung zu, was die gesellschaftliche Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse im gebauten Raum betrifft. Doch wie gehen andere Länder damit um? Das Rosa-Parks-Haus-Projekt ist ein solches Beispiel für die USA: Es legt zudem den gesamtgesellschaftlichen Zustand einer ganzen Nation mit ihren Konflikten und Widersprüchen auf glasklare Weise bloß. Dank der Initiative eines deutsch-amerikanischen Künstlerpaars wurde es dem Vergessen und dem drohenden Abriss in Detroit entrissen und nach Berlin verfrachtet, wiederaufgebaut und als räumlich-künstlerisches Statement der Öffentlichkeit präsentiert. Nach einem Gastaufenthalt in Deutschland…

4 Min.
zu gast bei der marquise von londonderry

Über sieben Millionen Pfund kostete die Sanierung und Restaurierung des „Mount Stewart Estate“. Das herrliche Anwesen, ehemaliger Stammsitz der bekannten Aristokratenfamilie Stewart, liegt auf der 25 Kilometer von Belfast entfernt gelegenen nordirischen Halbinsel Ards und ist seit 1957 in der Hand des „National Trust for Places of Historic Interest or National Beauty“ – kurz National Trust –, deren Präsident übrigens Prinz Charles ist. Vier Jahre arbeitete der britische Denkmalschutzfonds daran, den ehemaligen Adelssitz wieder in den prächtigen Zustand zu versetzen, den er zu seinen Hochzeiten in den 1920er- und 1930er-Jahren besaß. Jetzt ist der prachtvolle Wohnsitz – Kandidat für das Unesco-Welterbe – wieder für das Publikum geöffnet. Das außerordentlich aufwendige Projekt leitete Frances Bailey. Seit über 35 Jahren ist sie als Kuratorin für die gemeinnützige Organisation tätig, die heute beachtliche vier…

6 Min.
nicht zu viel architektur

Um Architektur ging es hier nur in zweiter Linie. Zuerst einmal ist es David Chipperfield gelungen, einen Denkprozess in Gang bringen, die Neuausrichtung einer alten Institution, deren Selbstverständnis durch den Erwerb eines Nachbargebäudes die Chance zur Erneuerung erhielt. Dass das von einigen Mitgliedern als Bedrohung empfunden wurde, verwundert nicht. Die Verhandlungen zwischen den 80 aktiven RA-Mitgliedern, dem ihnen unterstellten Direktorium und David Chipperfield glich wohl bisweilen einem Minenfeld, wie der Architekt bei der Eröffnung im Mai andeutete. Denn die Royal Academy of Arts ist weit mehr als eine Kunsthochschule – übrigens die einzige in Großbritannien ohne Studiengebühren –, sie ist Museum, Bibliothek, Kunstgalerie, eine der bedeutenden Einflussgrößen in der britischen Kunstszene, verehrt als sicherer Hort der nationalen Kunstproduktion, beschimpft als traditionsversessener, selbstverliebter Elite-Club. Berühmt wurde sie vor allem wegen der jährlichen…

1 Min.
gebaut: 1870

In London sind es zwei Behörden, die über die geschützten Gebäude wachen: einmal die allgemeine Baubehörde (Planning & Building Control), die Planungen begutachtet, Baueingaben prüft, etwa ob der Ensembleschutz eingehalten wird. Die zweite ist „English Heritage“, eine wichtige Institution, die zwar nur Empfehlungen ausspricht, aber ohne deren Zustimmung in der Baubehörde mit den so genannten „Listed buildings“ nichts geschieht. David Chipperfield Architects haben beim Royal-Academy-Projekt wieder sehr eng mit den Denkmalspezialisten Julian Harrap Architects zusammengearbeitet – wie auch schon beim Alten Museum in Berlin. Burlington House (Seite 16) ist von beiden unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden das bedeutendere – hier musste so viel wie möglich Originalsubstanz erhalten bleiben: Im wesentlichen hat man die Infrastruktur erneuert. Größere Eingriffe waren ohnehin nur im UG nötig, wo die Verbindung zu Burlington Gardens geschaffen wurde.…