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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 9/18

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Experiment Wohnen? Auf den ersten Blick scheint diese Idee widersinnig. Schließlich wollen wir Menschen doch beim Wohnen keine Risiken eingehen. Wohnen, das bedeutet Sicherheit, Geborgenheit. Experimentiert werden kann und soll bitte anderswo – speziell in der Architektur. Und dennoch: Wir leben in einer Zeit, in der das Gesamtsystem Wohnen in der Krise steckt. Die Stichworte: Preisspirale, Gentrifizierung, Wohnungsnot. Zugleich lösen sich althergebrachte Lebensmodelle auf. Neue Lösungen sind gefordert. Und damit ist dann eben doch die Basis für ergebnisoffene Feldversuche in Sachen Wohnen (und die Architektur dafür) gelegt. In diesem Heft starten wir unsere dreiteilige Serie zu diesem Thema. Diese Ausgabe widmet sich komplett dem Experimentierfeld Wohnen. Wir zeigen, wie Marc Koehler Architekten in Amsterdam den Bewohnern eines aktuellen Projekts völlig neue Einflussmöglichkeiten eröffnen, bis hin zur freien Wahl der Innenarchitekten. In Paris…

1 Min.
ein bild

Anonymität ist eine Schweizer Eigenart, die dem kleinen Land einigen Wohlstand beschert hat – man denke nur ans berühmt-berüchtigte Bankengeheimnis. Auf der diesjährigen Architekturbiennale von Venedig lenkt der Schweizer Pavillon das Augenmerk jetzt auf eine ganz andere Form der Anonymität: den der zeitgenössischen Schweizer Wohnung, wo sich die durchschnittliche Behausung als ein Abfolge generischer Innenräume durchgesetzt hat – ein Habitat ohne Eigenschaften sozusagen. Und genau das wird kritisch hinterfragt von den vier jungen Kuratoren Alessandro Bosshard, Li Tavor, Matthew van der Ploeg und Ani Vihervaara. Der Besucher nimmt dort an einer „Haustour“ durch ein scheinbar altbekanntes und gesichtsloses architektonisches Repertoire teil, durchschreitet dabei aber immer wieder labyrinthische und mitunter surreale Räume – ein Vorgang, der die kodierten sozialen Handlungsabläufe des bürgerlichen Wohnens hinterfragen soll. Dafür gab es dann auch den…

7 Min.
mauern der wahrnehmung

Ein Donner erschallt, gefolgt von einem rasch aufsteigenden Rauchpilz. Was ist geschehen? Dutzende Handys nehmen zittrig den Augenblick, quer über die Stadt verstreut, auf, die Videos werden anschließend auf den sozialen Netzwerken geteilt. Wann wurde die Explosionswolke erzeugt, wann und von welchen Orten aus gesehen, wann und wie in den sozialen Medien dokumentiert? Und welche Ergebnisse bringt eine Kartografierung der Daten samt Recherche über die eingesetzten Kampfmittel? Die Antworten auf diese Fragen können mit grafisch-räumlichen Darstellungsmethoden zeitlich strukturiert, medial unterstützt, analysiert und rekonstruiert werden. Neu dabei ist der gezielte Einsatz architektonischer Techniken, für den Forensic Architecture verantwortlich zeichnen, eine preisgekrönte Forschergruppe um Eyal Weizman, die dieses Jahr für den Turner Prize nominiert ist. Es überrascht daher nicht, dass Weizman den Rauch der Bombenexplosion vor allem als architektonische Form wahrnimmt. Eine andere…

7 Min.
zähne zeigen

„Wir befinden uns an dem Ort, wo alles begann“, sagt Hartmuth Siebert und blickt aus dem Fenster des Cafés Westend. Hier in der Ganghoferstraße, im Münchner Stadtteil Schwanthalerhöhe, kündigte ein Vermieter vor gut einem Jahrzehnt für seine Wohnungen eine Mieterhöhung um zwanzig Prozent an. Siebert lebte in einer dieser Wohnungen. Die geplante Mietsteigerung war ein Schock – trotzdem war ihm schnell klar: Hinnehmen ist keine Option. Aus der Mietergemeinschaft in der Ganghoferstraße organisierte sich eine erste Initiative für bezahlbares Wohnen, mit Siebert als Gründungsmitglied. „Alle reden über die hohen Mieten, doch es passiert zu wenig“, sagt er. Das wollte die Initiative ändern. Mit diesem Ziel waren der heute 55-Jährige und seine Gruppe nicht allein. Es stellte sich schnell heraus, dass es auch andere Gruppen gab, die sich für bezahlbaren Wohnraum in…

6 Min.
einladung zur mündigkeit

Die Besiedlung der Amsterdamer Hafengebiete begann vor über zwanzig Jahren. Zunächst wurden die Piere westlich und östlich des Hauptbahnhofs bebaut – vom Silodam mit MVRDV’s aus dem Hafenbecken herausragendem Silodam-Block bis hin zum Östlichen Hafengebiet mit den spektakulär gestalteten Halbinseln Borneo und Sporenburg. Zu einem internationalen Medienecho schaffte es vor allem das experimentelle Konzept für die Scheepstimmermanstraat, nachdem Adriaan Geuze von West 8 den Masterplan für den Straßenzug auf dem Borneo-Pier entwickelt hatte. Einer der Paten des für die damalige Zeit einzigartigen städtebaulichen Projekts war der in Eindhoven und am MIT lehrende Nikolaas John Habraken. Viel Spielraum Im Unterschied zu den übrigen, von Generalunternehmern errichteten Baugrundstücken, konnten hier sechzig private Bauherren ihre Eigentumshäuser nach eigenen Vorstellungen bauen. Die einzige Vorgabe war die als verbindlich festgesetzte maximale Bebauungshöhe von 9,50 Metern. Alles andere…

5 Min.
dicht bevölkerte insel

An der Grande Arche endete das Hochhausviertel La Défense lange Jahre abrupt in einer fast surreal anmutenden Schnittstelle von Metropole und Vorstadt – die Freitreppe auf seiner Nordwestseite mündete quasi direkt in die Friedhöfe der Nachbargemeinden. Die städtebauliche Geste der Verlängerung der „Axe Historique“ vom Louvre über den Triumphbogen zur Grande Arche de la Défense führte lange ins Nichts. Erst die Autobahnüberdeckelung und die 1998 von Paul Chémétov realisierte Hochtrasse „La Jetée“ mit dem darunterliegenden Park nahmen den Faden auf und verlängerten die Achse in Richtung Nanterre. Der aufgeständerte Stahlsteg auf Höhe der Baumkronen ist allerdings eher ein poetischer Brückenschlag als eine veritable Verbindung: Die 400 Meter lange Plattform führt lediglich zu einem Aussichtspunkt. Seit Anfang der 2000er-Jahre wird nun der Vorstadt-Bereich westlich der Grande Arche umstrukturiert und als urban-gemischter Stadtteil…