ZINIO Logo
ENTDECKENBIBLIOTHEK
Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 10/18

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

Mehr lesen
Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
AUSGABE KAUFEN
7,19 €(Inkl. MwSt.)
ABONNIEREN
71,93 €(Inkl. MwSt.)
12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Eines der bekanntesten Beispiele für Corporate Architecture wurde nicht durch die Arbeit eines Architekten, sondern die eines Künstlers bekannt. Das „Chiat/Day“-Gebäude, erbaut in den 1990ern für die gleichnamige Werbeagentur in Venice Beach, verdankt seinen Platz im kollektiven Gedächtnis unserer Kultur dem Riesenfernglas, das seinen zentralen Eingang bildet. Claes Oldenburg hat mit Coosje van Bruggen dem postmodernen Gehry-Bau mit diesem jene symbolische Drastik, jene an der Grenze zum Vulgären entlangschrammende Komik verliehen, die das Gebäude bis heute zum Seitenfüller von Postmoderne-Schmökern macht. Ungewöhnlich für unternehmerisches Bauen: Das Gebäude hat bis heute mehrfach den Bewohner gewechselt. Erst saßen dort die Werber, zwischenzeitlich zogen die PR-Agentur Ketchum ein oder die Digitalbutze Razorfish. Seit 2001 residiert Google in dem Gebäude. Das ist interessant: Offenbar fühlten sich besonders die für ihre Zeit jeweils stilprägenden korporativen Kapitalismus-Vertreter…

1 Min.
ein bild

In diesem Sommer fand im dänischen Vejle die Ausstellung „Floating Art“ statt: Sämtliche Kunstwerke schwammen auf dem Wasser. Auch der Däne Asmund Havsteen-Mikkelsen wurde zu einem Beitrag eingeladen: 1999 hatte er in Le Corbusiers „Fondation Swiss“ in der „Cité Internationale Universitaire de Paris“ gewohnt und war dort auf die unweit von Paris gelegene Villa Savoye aufmerksam geworden, durch die der Schweizer Architekt in den 1930er-Jahren zu Weltruhm gelangte. Bei einem Besuch regten sich bei ihm jedoch grundsätzliche Zweifel an Le Corbusiers fünf Punkten, die längst nicht mehr in die Komplexität der Gegenwartsarchitektur zu passen schienen. So kam ihm die Idee einer „Flooded Modernity“ – für die geflutete Moderne hat er im Orignalmaßstab aus weiß gestrichenen Holzpaneelen, Plexiglasfenstern und Styropor einen Nachbau von Le Corbusiers ikonischem Wohnbau errichtet, den er vor der…

6 Min.
ein bedürfnis nach welt

Irgendwo im Berliner Wedding, in einer noch nicht gentrifizierten Gegend mit S-Bahn-Anschluss: Ein Mietshaus von 1868 harrt seiner Grundsanierung. Im vierten Stock hat Peter Grundmann sein Büro. Wirklich ordentlich sieht es hier nicht aus, und man weiß anfangs nicht so genau, ob das kalkuliertes Understatement ist oder ob dem Architekten Ordnung und Repräsentation, schöner Schein und schöne Dinge nichts bedeuten. Im Gespräch wird dann schnell deutlich: Die Gewissheiten, mit denen viele Architekten ihre formale Haltung, ihren Auftritt und das Ambiente ihres Büros unterfüttern, bedeutet Peter Grundmann: nichts. Er ist ein Suchender, der allerdings ziemlich genau weiß, was er nicht will. Architektonischer Freigeist Freigeist war er schon während der Schulzeit im mecklenburgischen Röbel/Müritz: Schulverweis, Lehre als Maschinenbaumonteur, Volksarmee – das waren die Stationen seines weiteren Werdegangs, dann Nachholabitur an der Uni Rostock und…

7 Min.
auf in neue sphären

Wer eine neue Idee hat, ist ein Spinner, bis die Idee eingeschlagen hat, so die Worte von Mark Twain. Die Ideen des Münchner Installations- und Objektkünstlers Markus Heinsdorff sind visionär, auch wenn sie zunächst wie eine Spinnerei wirken. Er trifft den Nerv der Zeit durch seine zukunftsweisende Kunst und Architektur, indem er aktuelle Themen aufgreift: Wohnungsnot und hohe Mieten in Deutschland, Überschwemmungen durch den Klimawandel und zunehmende Fluchtbewegungen weltweit. Sein aktuelles Projekt nennt sich „Space Ship“ und schwimmt derzeit auf dem Starnberger See in Bernried; 2016 stand es bereits vor der Pinakothek der Moderne zum Thema Lowcost-Bauen. Das Space Ship ist ein Leichtbauobjekt, das ausschließlich aus Recyclingmaterial hergestellt wurde und durch vielfältige Kombinations- und Konstruktionsmöglichkeiten temporäre Wohnlösungen anbietet. Das Raumschiff ist für Heinsdorff allerdings erst der Anfang – in seiner…

8 Min.
spielereien in der provinz

Billund ist ein 6.000-Seelen-Städtchen auf dem flachen Land im Zentrum von Jütland. So weit die physische Größenordnung der Gemeinde. Billund ist aber vor allem das Machtzentrum des weltweit größten Spielzeugherstellers Lego. Wer von der Küstenstadt Vejle mit dem Bus anreist, wird Stück für Stück in die Einflusssphäre des dänischen Magnaten eingeführt: Die erste Haltestelle in Billund ist der Flughafen. Der wurde bereits vor einigen Jahrzehnten auf Betreiben von Lego als zweitgrößter Flughafen Dänemarks durchgesetzt, damit die Manager bei ihren Geschäftsreisen nicht den umständlichen Weg nach Kopenhagen auf sich nehmen müssen. Die zweite Haltestelle Legoland ist der Traumort aller dänischen Kinder und so etwas wie das Pendant zum rheinischen Phantasialand. Die dritte heißt ganz prosaisch „Zentrum“. Allerdings gibt es dieses Zentrum nicht mehr, seitdem die Stadthalle abgerissen und weit außerhalb wieder…

2 Min.
... amelie klein

BAUMEISTER: Sie zeigen die erste große Retrospektive über den österreichisch-amerikanischen Designer und Autor Victor Papanek. Warum gerade jetzt? AMELIE KLEIN: Weil die Themen, über die er spricht, so hochaktuell sind. Papanek war seit den 1960er-Jahren einer der wichtigsten Vordenker eines sozial und ökologisch orientierten Designansatzes. Sein Schlüsselwerk „Design for the Real World“ (1971) gilt bis heute als das meistgelesene Buch über Design. Er plädiert darin für Inklusion, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit – Themen, die im heutigen Design aktueller denn je sind. B : Welche Exponate unterstreichen seine Ideen in der Ausstellung? A . K . : Victor Papanek war in erster Linie Autor, Theoretiker und Lehrer. Weniger ein klassischer Designer. Wir zeigen in der Ausstellung also vielmehr eine Haltung, ein Verständnis von Design. Es gibt nicht viele Objekte, die Papanek hinterlassen hat. Der Designbegriff, der…