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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 11/18

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

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2 Min.
editorial

Dass Fassaden Geschichte schreiben können, genauer gesagt Architekrtugeschichte, zeigte sich in den späten 1950er-Jahren in Philadelphia. Damals entwarf und baute ein junger Architekt für seine Mutter, die kürzlich verwitwete Vanna. Ein einfacher Bau sollte es werden, ohne Garage, mit den meisten Räumen im Erdgeschoss. Und einfach wurde er auch. Doch ein paar Elemente stachen hervor und ließen das Gebäude aus dem modernistischen Kanon seiner Zeit hervorstechen, vor allem die gebrochene und angedeutet mit ornamentalen Elementen versehene Fassade. Es war, als wollte der Architekt die Moderne und ihre Dogmen überschreiten. Und so gilt das „Vanna Venturi House“ heute als erstes postmodernes Gebäude der Welt. Architekturgeschichte schreiben werden die Fassaden, die wir Ihnen in diesem Heft präsentieren, vermutlich nicht. Aber sie zeigen, welche Vielfalt an Lösungen und gestalterischen Haltungen sich hinter den (oft)…

1 Min.
ein bild

Zack! Schon ist man wieder in den Neunzehnachtzigern. Zumindest gefühlt, wenn man die Straße entlang flaniert und auf einmal vor einem so grellbunt bemalten Gebäude steht. Für ein Designfestival wurde ein siebengeschossiges Gebäude in Brooklyn mit einem 40 Meter hohen Wandgemälde geschmückt. Verantwortlich für die Fassadengestaltung zeichnet die Künstlerin Camille Walala. Sie ist bekannt dafür, mit ihrer gestalterischen Arbeit an den bunten Optimismus der 1980er-Jahre anzuknüpfen, samt knalligen Farben, prismatischen Geometrien und der Rasterästhetik von Letraset-Folien. Die hat man damals auf Pläne geklebt, um Schatteneffekte zu simulieren – alles Handarbeit! Camille Walala entführt uns in diese vergangene Ära ungehemmter Buntheit. Auch wenn manche Betrachter diese Kunst der Oberflächlichkeit verdächtigen werden, einen starken Kontrast zu dröger Investorenlangeweile und altbürgerlichem Distinktionswillen im öffentlichen Raum bietet sie allemal – und bringt uns nicht…

4 Min.
die kunst der vermittlung

Wie wird man Architekturkuratorin? Eine Blaupause scheint es nicht zu geben. Nicola Borgmann jedenfalls studierte zunächst Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Sapienza in Rom und dem Queen Mary College der University of London sowie anschließend Architektur an der Technischen Universität München. Zeitgleich übernahm sie die Leitung der Architekturgalerie München in der Türkenstraße im Stadtteil Schwabing, nahe den Hochschulen und Museen. Seitdem hat sie über 350 Ausstellungen, Installationen und Veranstaltungen konzipiert, kuratiert und durchgeführt. Jüngst kam ein weiteres Engagement hinzu: Der Hochbunker in der Münchener Blumenstraße wird von ihr in einen neuen Ort für Baukultur umgestaltet, als Zentrum für Architektur, Stadt und Design München. Architektur zeigen, lehren und machen Umso beeindruckender ist, dass Nicola Borgmann diesen Verpflichtungen ehrenamtlich nachkommt, neben ihrer beruflichen Tätigkeit als Architektin und Kunsthistorikerin. Triebfeder ist dabei ihre Neugier…

4 Min.
denk-modelle

„Tetris-Haus“ ist ihr verschachtelter Bau auch genannt worden. Denn in seinem Inneren wechseln sich kleinste Raumeinheiten und doppelgeschossige Großzügigkeit, Ateliers und Wohnungen ab. In einem der Ateliers betreiben BARarchitekten ihr Büro, das so gar nicht dem Bild entspricht, das man von einem Architekturbüro erwartet. BAR, das bedeutet „Base for Architecture and Research“, und das sind Antje Buchholz, Michael von Matuschka, Jürgen Patzak-Poor und ihr zeitweise in Schottland tätiger Partner Jack Burnett-Stuart. Alle vier messen ihren Erfolg nicht am Ausstoß von Quadratmetern, beschränken sich nicht auf das Abarbeiten von Bauaufträgen zwischen Vorentwurf und Endabrechnung. Ihre Aktionsfelder schließen Forschung und Lehre sowie Workshops, Ausstellungen und Publikationen ein, ihre Interessengebiete reichen vom Möbeldesign bis zum Städtebau. Ihrer ganzheitlichen Arbeitsweise entsprechend haben sie keine Angestellten. Denk- und Raummodelle Ihr Tetris-Haus in der Berliner Oderberger Straße gibt…

4 Min.
friesisch herb

„Ich bin als Architekt selbständig und baue Häuser – manchmal um oder aus, oft auch neu. Und immer komplett, von der Fassade bis zum Innenraum. Auch wenn es sich abgegriffen anhört: Meine Leidenschaft für Architektur war tatsächlich schon sehr früh da. Ich habe schon als Kind Häuser gezeichnet, weil ich es toll fand, mich in diese fremden Wohnungen hineinzuträumen.“ So simpel fällt Thomas Krögers Antwort in einem Interview aus auf die Frage, was er denn eigentlich mache. Simpel allerdings ist genau das Wort, das weder auf das Selbstverständnis des Berliner Architekten, noch auf die von ihm geplanten Häuser zutrifft. Zumindest nicht im Sinne von anspruchslos und banal. Einfach sind seine Bauten schon – reduziert. Doch dabei stets vielschichtig und komplex. Vor vier Jahren schrieb Falk Jaeger in der Oktober-Ausgabe des Baumeisters,…

6 Min.
zwischen klippen und schiff

Die viertgrößte Stadt Schottlands hat keinen guten Ruf. Dundee wuchs noch im 19. Jahrhundert und kam zu Wohlstand, war wichtiger Handelsplatz für Jute und berühmt für seine Walfangflotte. Beides verlor dann aber im 20. Jahrhundert schnell an Bedeutung; in den 1960ern begann der Niedergang, wurden Werften geschlossen, der Jutehandel und die Teppichproduktion fast eingestellt. Die Arbeiterstadt wurde Arbeitslosenstadt mit einer berüchtigten Drogenszene und besorgniserregender Kriminalitätsrate. Da die Stadt auch nur wenig historische Bausubstanz vorweisen kann und kaum dem romantischen Schottlandbild der Touristen entspricht, taten sich politische Initiativen und auch größere Investitionen von Unternehmen schwer, die Attraktivität der Stadt zu erhöhen. Doch nun soll es aufwärts gehen. Für Außenstehende mag es nur schwer nachvollziehbar sein, wie wichtig die neue Zweigstelle des Victoria & Albert-Museum für Dundee ist. Mit Begeisterung sprechen vor allem…