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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 12/18

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Baukulturell hat es kaum ein Material so schwer wie der Stahl. Stahl ist gewissermaßen der Bad Guy des Planens. Während Ziegel für maßvolle Solidität steht und Holz für ökologische Sensibilität, haftet dem Stahl immer etwas Kaltes, Hartes an. Als Medienmensch müsste man dem Stahl eigentlich eine Imagekampagne verpassen. Eine, die gegen den Ruf des unflexiblen, unbeugsamen Materials vorgeht. Teil dieser Kampagne könnte dann dieses Heft sein. Denn uns geht es darum, die Vielfältigkeit des Materials Stahl aufzuzeigen. Nehmen wir das Beispiel der Trumpf-Fabrik in der Nähe von Chicago. Das Barkow-Leibinger-Projekt kitzelt ein bemerkenswertes Maß an Variabilität aus dem Material heraus. Sowohl rigide als auch flexibel, kann es genietet, verschweißt, geschnitten und in jede beliebige Form gebracht werden. Stahl taucht in verschiedener Gestalt und Farbe im gesamten Gebäude auf: in Tragwerk, Fassade,…

1 Min.
ein bild

Die Ruine war in Gartengestaltung und Gemälden um 1800 ein beliebtes Motiv – wehmütig-nostalgisch verwies sie auf die Vergänglichkeit und ebenso sehnsuchtsvoll auf ein Arkadien. Was will heute wohl der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn mit seiner Ruinenlandschaft in der Münchner Villa Stuck sagen? Er nennt sie einen „hierarchiefreien Ort“, um unangepassten Sichtweisen Raum zu geben. Zerstörung und Aufbau sind dort gleichzeitig am Werk: Rostige Stahlträger bersten, graue Mauern bröckeln, Haustechnikrohre hängen wie Gedärm aus Löchern. Doch alles ist Fake. Kunststudenten vom Bühnenbild-Lehrstuhl Katrin Brack haben geholfen, diese apokalyptisch anmutende Welt aufzubauen: auf drei Stockwerken, aus Pappe, Styropor, Holz und Klebeband. Und es gibt Werkstätten – jetzt sind die Besucher bis 3. Februar 2019 aufgefordert, ihren Standpunkt einzubringen und das Werk fortzuführen. Eintritt und Arbeitsmittel frei.…

5 Min.
learning from gewerbe gebiet

Irgendwann reichte es ihnen. Ewig darauf festgenagelt zu werden, dass sie beide, Denise Scott Brown und Robert Venturi, doch die Eltern der Postmoderne seien, nein, dafür wollten sie nicht länger ihre Köpfe hinhalten. „Wir waren nie Postmodernisten“, schleuderte Scott Brown in einem ihrer vielen Essays in die Welt hinaus und fügte noch hinzu: „Die Postmoderne ist tot! Vielleicht.“ Das war 1990. Robert Venturi legte im Jahr 2001 nochmal nach und erklärte auf dem Titelblatt einer amerikanischen Architekturzeitschrift: „I am not now and never have been a postmodernist.“ Pop und Postmoderne Doch das war wiederum ein ziemlich postmodernes Spiel mit Ironie und Politik. Denn mit den Worten „I am not now and never have been a communist“ versuchten viele linke Amerikaner, sich vor dem Kommunistenjäger McCarthy in Sicherheit zu bringen, der in den…

4 Min.
der mann, der das dunkle mitdenkt

Der Unglauben war groß. Als ich im mexikanischen Freundeskreis berichtete, dass in diesem Jahr mit Benjamín Romano ein mexikanischer Architekt den Internationalen Hochhauspreis erhält, glaubte mir keiner. „Wie – Mexiko? Für was denn?“ Dass das Land architektonische Weltklasse hervorbringt, konnte sich niemand so recht vorstellen. Zumal, wenn es dabei auch noch um ein Hochhaus geht, also den Inbegriff des „großen“ Bauens. Umso bemerkenswerter ist es, dass Benjamín Romano mit seinem Torre Reforma nicht nur einen zeitgemäßen, mutigen, innovativen 250-Meter-Turm ans Ende des Paseo de la Reforma gesetzt hat. Sondern dass er es geschafft hat, die Typologie des Wolkenkratzers mit einer Intervention weiterzudenken, die in ihrer Rauheit und bewussten Asymmetrie ein Gegenstück zum gelackten Bankenkapitalismus vieler Metropolen setzt. Und die viel mit der Stadt Mexiko DF zu tun hat. „Alle Gestaltungsentscheidungen basieren…

5 Min.
noblesse undercover

Auch wenn sich die taz als Printmedium bald verabschieden wird, die Arbeit geht weiter, denn auch virtuelle Medien werden (noch) von Menschen gemacht. Und nach wie vor gibt es in Berlin einen Rest des legendären Zeitungsviertels der Vorkriegszeit an der Kochstraße Ecke Friedrichstraße. Springer ist dort präsent, bald mit einem spektakulären Entwurf von Rem Koolhaas, der der aufregendste Neubau im Berlin der zehner Jahre zu werden verspricht. Und die 1978 zunächst im Wedding gegründete Tageszeitung, taz genannt, die 1989 in der Kochstraße einen Jugendstilbau und zwei Jahre später einen Erweiterungsbau bezog. Gerhard Spangenberg hatte dieses respektable Gebäude entworfen, ein voll verglastes Stahlskelett, in dem sich die taz als offen und transparent präsentieren konnte. Wenn die Redaktion nun umzieht, gleich um die Ecke, in die südliche Friedrichstraße, so nimmt sie diese architektonische…

6 Min.
rostiger brücken schlag

Kammmolch, Kleiner Abendsegler, Halsbandschnäpper und Pirol sind nur einige der den Stadtmenschen fast unbekannten Bewohner der Freisinger Isarauen, die als Teil des Fauna-Flora-Habitats zwischen Unterföhring und Landshut besonderen Schutzstatus genießen. Und tatsächlich, wer auf den Ufer- und Dammwegen an beiden Seiten entlang der Isar flaniert, kann den Kreislauf der Natur vom dichten Auenwald bis zu morastigen Grünflächen im Hochwasserbecken zwischen den Deichen hautnah erleben. Entsprechend groß war die Skepsis, als 2013 die Ergebnisse eines Wettbewerbs für zwei Isarstege für Fußgänger und Radfahrer präsentiert wurden, welche die durch den Fluss geteilten Stadtteile Freisings miteinander verbinden sollten. Denn die wilde Auenlandschaft befindet sich nicht in unberührter Natur, sondern mitten im Stadtgebiet. Die Planungen hierzu stammten schon von 1998, ihre Verwirklichung erwies sich allerdings durch das starke Wachsen der Stadt als dringlich, vor…