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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 2/19

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Seele – dieser etwas esoterische, auch unzeitgemäße Begriff stand am Beginn unserer Überlegungen zu diesem Heft. Aber was ist das denn für ein Begriff, Seele? Und „Orte der Seele“? Gibt es das in der heutigen Zeit überhaupt noch, in einer Zeit, in der wir viel von Extrembeschleunigung sprechen, von Entzauberung und digitaler Erschöpfung? Also von, wenn man so will, extrem „seelenfernen“ Dingen? Am Ende hat uns aber die Frage doch interessiert, ob es sie nicht doch noch gibt, jene Orte, an denen Menschen heute wirklich ihre „Seele“ spüren. Orte, wo sie also von räumlichen Konzepten und eben auch von Architektur emotional angefasst, „berührt“ werden. Dabei waren wir, dabei war genauer gesagt unser Volontär Zeno Bampi Jr., der dieses Heft maßgeblich konzipiert hat, natürlich schnell bei Kirchen – und genauso schnell wieder…

1 Min.
ein bild

Zuflucht suchen vor der Welt, das bedeutet für viele Menschen heute, dem Alltag zu entfliehen, dem hektischen Leben, der Angst vor dem Alleinsein – aber auch das Bedürfnis nach Transzendenz. Spiritueller Architektur kommt hier eine ganz besondere Aufgabe zu. Und es sind die Kunstwerke, die uns bewegen: So stockt einem regelrecht der Atem, wenn man in der Sala Superiore der Scuola Grande di San Rocco in Venedig steht: Der große Saal im Gebäude der bis heute existierenden Bruderschaft zählt dank der prächtigen, vergoldeten Holzkassettendecke zu den kostbarsten Räumen in ganz Italien. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts schmückte Tintoretto in jahrzehntelanger Arbeit das Versammlungshaus mit insgesamt knapp 60 Gemälden. Sie alle zeigen Szenen aus dem Alten und Neuen Testament. Anlässlich des 500. Geburtstags des großen Malers 2018 erstrahlen jetzt seine Arbeiten…

7 Min.
raum für ekstase

Es gilt als berühmtester Technoklub der Welt, steht exemplarisch für die Berliner Klubkultur und ist nicht zuletzt durch die härteste Tür der Welt bekannt geworden: das Berghain. Wer es nie durch den berüchtigten Eingang geschafft hat, kann nur vermuten, was hinter den dicken Mauern des ehemaligen Kraftwerks passiert. Denn es dringen niemals Bilder nach draußen – auch für diesen Beitrag nicht. Diejenigen, die durch ihr Auftreten den Türsteher überzeugt haben, wissen von exzessiven Partys, Leder, Drogen, Sex und: einem Gefühl von Freiheit. Doch wer sind die Architekten, die den gestalterischen Rahmen für diese Ekstase geplant haben? Karhard. Man findet sie – wie sollte es auch anders sein – in Berlin. Klubkultur im Fernheizwerk Zwischen Kreuzberg und Friedrichshain liegt hinter einer neoklassizistischen Fassade das Berghain. 1954 wurde es als Fernheizwerk errichtet, um die…

4 Min.
fragile balance

In Europa bislang meist nur Insidern ein Begriff, ist die junge Architektin aus Rio de Janeiro eine der interessantesten Protagonistinnen der neuen brasilianischen Architektengeneration. Mit dem „Humanidade Pavilion“, einem riesigen, radikal einfachen Gitterbauwerk für Begleitveranstaltungen zur UN-Konferenz in Rio 2012, schuf Carla Juaçaba ein Meisterwerk der temporären Architektur, das auf große internationale Resonanz stieß. Die 170 Meter lange und 20 Meter hohe Megastruktur aus einem Gerüstbausystem mit wie schwebend eingehängten Rampen und Containern erschien wie eine Realisierung von Yona Friedmans Utopien. Das offene Gehäuse, das Juaçaba gemeinsam mit der Regisseurin Bia Lessa konzipierte, stand kraftvoll und durchlässig zugleich als Begegnungs- und Veranstaltungsort an der Copacabana. An den zehn Tagen seiner Öffnung flanierten 200.000 Besucher über die Rampen, nahmen an Diskussionen teil, besuchten Ausstellungen, Vorträge und Café, genossen den Blick von…

9 Min.
grinsen ohne katze

Shoppen ist nicht das Gleiche wie Besorgungen machen. Anstatt ein Bedürfnis zu stillen, reflektiert Shoppen vielmehr die unstillbare Sehnsucht der Seele nach Vollkommenheit. Dieses irrationale Streben verstärkt sich in Räumen, die scheinbar von der Realität losgelöst sind oder wo der Betrachter wie im Theater dazu aufgefordert wird, jegliche Zweifel an der eigenen Wahrnehmung auszublenden. Die Mitte des 19. Jahrhunderts entstehende Kaufhausarchitektur erweckte eine von Émile Zola beschriebene Ehrfurcht, Würde und Freiheit – dem Sublimen ähnliche Gefühle. Zola bezeichnete das Kaufhaus deshalb auch als „Kathedrale des modernen Kommerzes“ oder als „Tempel“, womit er nicht nur andeutete, dass es sich hier um den Höhepunkt des Erfindungsgeistes bezüglich der Stahl- und Glaskonstruktionen jener Zeit handelte, sondern dass Shoppen auch ein Bedürfnis stillte, das bisher im Geltungsbereich der Religion lag.² Dualität und Widerspruch Architektur kann demnach das…

6 Min.
die kraft des kollektivs

„Die Menge, der stetige Lärm, das Atmen und Brausen, ab und zu ein Baßgebrumm, das Gefühl, zum selben Geschlecht zu gehören, während sie gemeinsam das Spiel erleben wenn ein Mann sich am Handgelenk kratzt oder eine Reihe an Schimpfwörtern absondert.“ DON DE LILLO, UNTERWELT, 1997 Lässt sich Intimität in einem Raum mit 42.000 Plätzen erzeugen? Mit dieser Frage sahen sich Herzog & de Meuron beim Entwurf für das „Stade Matmut-Atlantique“, einem neuen Fußballstadion in Bordeaux, konfrontiert, das für die Fußballeuropameisterschaft 2016 errichtet werden sollte. Der Bau, der 2015 fertig gestellt wurde, war für das Schweizer Büro natürlich kein Erstlingswerk im Bereich der großen Sportarenen: Ihre Allianz-Arena in München hinterließ während der Fußballweltmeisterschaft 2006 einen bleibenden Eindruck, und zwei Jahre später wurde das Nationalstadion in Peking, das sogenannte Vogelnest, zu einer architektonischen…