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Kunst & Architektur
Baumeister

Baumeister 11/20

BAUMEISTER stellt die komplexe Arbeitswelt von Architekten dar und zeigt Architektur in ihrer ganzen Emotionalität und Faszination. Spannendste Architekturprojekte, herausragende Innenarchitektur und Designinnovationen sowie Interviews mit den wichtigsten Köpfen der Branche. In vor Ort recherchierten Reportagen und exklusiven Essays werden die zentralen Fragen der Architekturwelt thematisiert.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Georg D.W. Callwey GmbH & Co. KG
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
editorial

Wir erleben eine ungeheure Dynamik“, sagt Konrad Merz in unserem Interview. Der Tragwerksplaner muss es wissen, er hat den ganzen Wandel im Holzbau der letzten Jahrzehnte miterlebt. Er spricht sogar von einem „generellen Boom“. Seit die Brandvorschriften gelockert wurden, können drängende Aufgaben wie städtische Nachverdichtung oder Aufstockungen zügiger umgesetzt und damit die Vorteile von Holz genutzt werden – etwa sein geringes Gewicht, seine Vorfertigungsmöglichkeiten, die kürzere Bauzeit und die minimierten Lagerflächen. Unerwartet fällt zudem ausgerechnet diesem traditionsreichen Baustoff eine Vorreiterrolle zu – wegen seiner heute bereits stark computergesteuerten Fertigungstechnik. Schon einmal spielte der Holzbau in der Architekturgeschichte eine dynamische Rolle: als es um das Thema Typisierung in der frühen Moderne ging. Konrad Wachsmann fing Mitte der 1920-Jahre auf den Rat Hans Poelzigs an, beim Holzbauunternehmen Christoph & Unmack zu arbeiten, und…

1 Min.
ein bild

Sie sind ein Kaleidoskop voller Farben- und Formen-spiele: die von Gerhard Richter gestalteten Chorfenster in der saarländischen Benediktinerabtei Tholey. Ende September 2020 wurden sie enthüllt. Mit den drei jeweils 1,95 mal 9,30 Meter großen Kirchenfenstern sieht der mittlerweile doch 88-jährige Künstler – er zählt zu den bedeutendsten und teuersten Künstlern der Gegenwart – sein OEuvre als abgeschlossen an. Die Motive auf den großen Chorfenstern stammen aus seinem Künstlerbuch „Patterns“, die er durch wiederholtes Teilen und Spiegeln entwickelt hat. Gefertigt wurden die Fenster in den traditionsreichen Münchner Glaswerkstätten Gustav van Treeck. 2018 kam die Anfrage aus Tholey. Für Gerhard Richter war dies nicht der erste Auftrag einer katholischen Kirche. Der Künstler hat bereits das Südquerhausfenster für den Kölner Dom entworfen, das 2007 eingeweiht und zu einem Besuchermagnet wurde. Der Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey…

6 Min.
zusammen stärker

Behutsame Umbauten im denkmalgeschützten Bestand, eine Werkhalle als luftiger Holzskelettbau, ein Informationspavillon als Sichtbeton-Monolith, Holzmodule mit filigraner Metallhülle als Proberäume, pragmatische Hybridkonstruktion und minimalistisch-elegante Holzfassaden für einen Betriebshof – die Projekte von TRU Architekten sind individuell, zurückhaltend und charaktervoll zugleich. Die Bandbreite des Berliner Büros umfasst Wohnhäuser und Lofts, Umbauten ebenso wie Neubauten, Wettbewerbsgewinne für Schulen, Kitas, Gemeindezentren und Verwaltungsbauten sowie die kürzlich mit einer Anerkennung zum Fassadenpreis ausgezeichneten Pavillons für Musikstudenten der Universität der Künste Berlin. Die Projekte sind geprägt von Kontext und ungewöhnlichen konstruktiven Lösungen, einer klaren Formensprache, hoher Materialqualität und sorgfältigen Details – doch einen typischen „TRU“-Stil gibt es nicht. „Das wollen wir auch nicht“, so Henning von Wedemeyer, einer von sechs Partnern des Büros. „Wir haben uns zwar zusammengefunden, weil wir eine ähnliche Handschrift und Denkweise…

5 Min.
radikal einfach

„Das Haus beeindruckt durch eine umwerfende Radikalität.“ Das Bier war ehrlich verdient: Vollmundig hatten Sven Aretz und Jakob Dürr versprochen, Freunden ein Gartenhaus zu dem Preis zu bauen, den ein Standardmodell aus dem Baumarkt kostet. Und das schöner, nachhaltiger, praktikabler, langlebiger versteht sich. Sie waren ein wenig zu optimistisch: Für das Material reichte das Geld, für die Handwerker nicht. Ehrensache, dass die beiden selbst Hand anlegten. Das Ergebnis ist nicht nur ein ästhetisch und konstruktiv überzeugender kleiner Bau in Oostkapelle (siehe Seite 34), sondern auf diese Weise ergab sich auch das erfrischend unprätentiöse Porträtfoto auf Seite 15. Wie lässt sich das Bauen vereinfachen, ohne auf Qualität und Individualität zu verzichten? Was aber nicht heißt, dass die beiden jungen Architekten – Jakob Dürr ist Jahrgang 1980, Sven Aretz Jahrgang 1988 – nicht auch größere…

5 Min.
nichts als holz

Alpnach, Kanton Obwalden, gut 15 Kilometer südlich von Luzern: Die Schreinerei Küng ist seit ihrer Gründung 1977 kontinuierlich gewachsen. Wurde sie zunächst angefragt, wenn irgendwo im Dorf eine Holzkonstruktion benötigt wurde, hat sie sich inzwischen schweizweit einen Namen gemacht – bester Beweis dafür ist die Tatsache, dass Peter Zumthor sein 2015 fertiggestelltes, jüngstes Ateliergebäude in Haldenstein von den Spezialisten aus Alp-nach bauen ließ. Seit gut zehn Jahren setzt Stephan Küng, der das Unternehmen in mittlerweile dritter Generation führt, ganz auf den präfabrizierten Vollholzbau: „Holzpur“ heißt das System, mit dem sich Küng Holzbau auf dem Markt etabliert hat. Konstruieren mit eigenem System Grundelement von Holzpur sind massive, um die 20 Zentimeter starke Wandelemente aus in sieben Lagen kreuzweise übereinandergelegten Brettern. Diese bestehen aus „Mondholz“, das um Weihnachten herum vor Neumond geschlagen wird, wenn…

1 Min.
designbuild im garten

5.000 Euro, das ist viel Geld. Zu viel, finden Sven Aretz und Jakob Dürr, die beiden jungen Architekten, die wir auf Seite 14 vorstellen. Zuviel, um es in ein Baumarkt-Gartenhaus zu investieren, das weder schön noch nachhaltig ist, weder den Raumbedarf deckt noch in den kleinen Garten des Ferienhauses im niederländischen Oostkapelle passt. 5.000 Euro sind allerdings genug, um Material zu kaufen für einen sechs Meter langen, ein Meter tiefen begehbaren Schrank, der Fläche bietet für Räder, Gartengerät und Grill und variabel bestückt werden kann, weil seine Joche nicht voneinander getrennt sind. Die Summe reicht zudem, um das praktikable und platzsparende Möbel 30 Zentimeter aufzuständern, so dass es vor Spritzwasser geschützt ist, und es mit unbehandelter Lärche als außenliegendem Tragwerk zu verkleiden, das der Fassadengliederung des gegenüberliegenden Hauses entspricht. Allerdings…