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EULENSPIEGEL, Das Satiremagazin

EULENSPIEGEL, Das Satiremagazin

07/2021

Das Satiremagazin EULENSPIEGEL unterstützt Politiker und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses in ihren Bemühungen, sich lächerlich zu machen. Er verzerrt die Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit, ist unernst in Wort und Bild und bedient sich der Komplizenschaft von Cartoonisten aus der ganzen Welt – jeden Monat aufs Neue.

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Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
Eulenspiegel GmbH
Erscheinungsweise:
Monthly
3,99 €(Inkl. MwSt.)
37,99 €(Inkl. MwSt.)
12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min
haus mitteilung

Liebe Leserin, lieber Leser, als ich kürzlich einen Zeitungsartikel las, in dem behauptet wurde, dass die Deutschen vermehrt plastische Chirurgen aufsuchen würden, um in Videokonferenzen besser auszusehen, da rollte ich spontan mit den Augen - zu naheliegend war das Klischee vom gelangweilten Journalisten, der sich an einem ereignisarmen Tag irgendeinen Schwachsinn aus den Fingern saugt. Doch schon kurze Zeit später schämte ich mich für meinen Zynismus und beschloss, das Thema mit der gebotenen Ernsthaftigkeit zu untersuchen. Ist gutes Aussehen in Videokonferenzen vielleicht tatsächlich ein relevanter Faktor? Nur ein praktisches Experiment konnte die Antwort bringen. Und so kam es, dass ich zur nächsten virtuellen Redaktionssitzung mit einem nagelneuen Satz ebenso teurer wie spektakulärer Brüste erschien. Das Ergebnis war eindeutig: Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten stellte niemand meine Themenvorschläge infrage, und alle meine Ideen…

7 Min
ding dong, telefon!

Herr, Bundespräsident, Sie haben in Ihrer Antrittsrede die Deutschen dazu aufgefordert, mutig zu sein. Hat diese Aufforderung Früchte getragen? Es gibt bekanntlich nur eine Frucht, die gar keinen Mut hat. Und das ist die Feige – wenn Sie diesen kleinen Scherz gestatten … Die Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, sind im letzten Jahr allerdings noch größer geworden. Aber jeden Tag gibt es kleine Mut-Lichtblicke. Auf den Spielplätzen sieht man immer mehr Kinder von den höchsten Sprossen springen. Dieser Mut unserer Kleinsten sollte uns Mut machen. Nur durch Mut haben wir den nötigen Mut für die gesellschaftlichen Transformationsprozesse. Wer keinen Mut hat, wird die Probleme der Zukunft nicht angehen. Und er wird sich auch nicht von einem Porsche über die Autobahn ziehen lassen, während er auf einem Skateboard steht. War Mut nötig,…

3 Min
schreckliche gewissheit

Betagte Leser aus dem vorigen Jahrhundert werden sich noch an die Wandererwitze erinnern, mit denen dieses Blatt damals vollgestopft war. Die gingen so: Eine Frau will sich in der HO ein Paar Handschuhe kaufen. »Gefüttert?«, fragt die Verkäuferin. Da kommt ein Wanderer des Weges und sagt zu der Frau: »Nehmen Sie unbedingt gefütterte, Sie ahnen ja gar nicht, was die Dinger fressen!« Die Eltern des heutigen Ostbeauftragten der Bundesregierung waren damals (und sind es bis heute) so begeisterte Wanderwitz-Sammler, dass sie sich bei ihrer Eheschließung den gemeinsamen Namen »Wanderwitz« gaben. Und den trägt der Marco bis heute. Falko K., Jahrgang 1968, hat sich immer für einen stinknormalen Menschen gehalten. Ja, er war (und ist) zeitweilig dem Köstritzer Bier etwas zu sehr zugeneigt gewesen, was in gewisser Relation zum Verlust der Fahrerlaubnis…

5 Min
was bis zur urne noch zu tun ist

Niemand hätte es für möglich gehalten oder gar an die Wand gemalt: Schon dreieinhalb Jahre haben Union und SPD durchgehalten, haben Christdemokraten, Christsoziale und Sozialsoziale ohne allzu blutige Karambolagen zusammen regiert und Deutschland zusammenregiert. Mehr als Stücker 400 Gesetzesvorhaben haben in diesen glücklich abgewetzten Jahren die Schublade verlassen und sind fix und fertig gemacht auf die Bevölkerung losgelassen worden. Viel ist aber nicht genug, und langsam läuft dem Bundeskabinett die Uhr davon: Bis zum Gang in die Urne am 26. September sind es wenige Wochen, und dazwischen liegt wie ein weit gähnender Graben die Sommerpause, in der der Bundestag geschlossen ist. Die Zeit wird dünn, um die wirklich großen Weltfragen noch schnell einer Lösung zuzuführen: die Abschaffung der leidigen Schwerkraft, die Reduzierung der Lichtgeschwindigkeit auf ein erträgliches Maß, die Verwirklichung ewigen Lebens…

5 Min
kindchenschema xxl

Es geht voran auf der Baustelle westlich des Kanzleramts. Mit einem freundlichen Lächeln lauscht Helge Braun den Ausführungen eines Architekten, der über den Baufortschritt referiert, während Angela Merkel eine Granitmauer tätschelt und spaßeshalber so tut, als würde sie deren Stabilität prüfen. Um gut die doppelte Fläche wird das Kanzleramt innerhalb der nächsten Jahre erweitert. Bis der Bau fertiggestellt und die 600 Millionen dafür ausgegeben sein werden, wird zwar noch viel Wasser zwischen dem alten und dem neuen Gebäudeteil die Spree hinabfließen, doch ein erster Abschnitt des Neubaus, das sogenannte Mausoleum, soll spätestens Anfang Oktober dieses Jahres bezugsfertig sein. »Das wird fantastisch«, sagt Merkel. »Das findest du doch auch, oder, Helge?« »Ja«, ruft es instantan aus Braun heraus. Ein vermutlich genetisch bedingter Reflex, den Merkel sehr zu schätzen weiß. Seit Helge Braun…

5 Min
wo die milden kerle wohnen

Was treibt eigentlich der verhinderte Kanzlerkandidat Robert Habeck? Anstatt sich zurückzulehnen und die »schadenfrohsten Tage meiner politischen Laufbahn« zu genießen, macht er das, was er am besten kann: Er schreibt ein neues Kinderbuch. Es ist sein bislang persönlichstes, in dem – stark verfremdet natürlich, so dass sich niemand wiedererkennt – auch die aktuelle Politik thematisiert wird, und das noch vor der Bundestagswahl erscheinen soll. Die farbenfrohe Prosa mit der eingebauten Bestsellergarantie richtet sich an Kindsköpfe, aber auch erwachsene schlichte Gemüter, die wahlberechtigt sind. Der EULENSPIEGEL präsentiert hier exklusiv einen Vorabdruck. 1. Kapitel Sonnenpow er für Gott »Nicht so laut, Mister Piggy!«, sagte Leni, weil Robby im Dunkeln gegen eines der Fahrräder gestoßen war. »Sorry«, flüsterte Robby. Robby mochte seinen Spitznamen nicht. Aber Spitznamen kann man sich nicht aussuchen, hatte ihm seine Mama erklärt. Und…