ENTDECKENBIBLIOTHEK
searchclose
shopping_cart_outlined
exit_to_app
GEO EPOCHE

IM DEUTSCHLAND DES BAROCK

VIELERORTS entstehen ab dem späten 17. Jahrhundert prunkvolle Barockresidenzen wie Schloss Nymphenburg bei München. Bayerns Kurfürst Max Emanuel lässt sogar das Wasser eines Flusses umleiten, damit Boote vor dem Palast einen künstlichen See befahren können

Im Schatten der SCHLÖSSER

AUF DEM LAND und in den Kleinstädten hat sich der Alltag der Deutschen seit dem Mittelalter kaum verändert. Handwerker gehorchen den Regeln der Zünfte, Bauern denen ihrer Grundherren – und der Fürst ist weit weg

Die meisten der 15 Millionen Deutschen leben fern der Paläste und Metropolen in kleinen Städten, vor allem aber auf dem Land. Dort ist der Alltag hart. So müssen die Bauern Abgaben an ihre Grundherren leisten. Und besonders in den ostelbischen Gebieten sind viele Menschen de facto Leibeigene der Junker, die die Felder besitzen, Recht sprechen und über Ehen entscheiden

Stätten des BÜRGERSTOLZES

DER ALTMARKT zu Dresden, im Hintergrund die Kreuzkirche. Repräsentative Bürgerhäuser umrahmen den zentralen Platz der sächsischen Metropole; hinter den schmuckvollen Fassaden liegen Wohn-, Geschäfts- und Lagerräume (um 1750)

Nicht nur die Fürsten lassen sich Prachtbauten errichten: Die Häuser des Bürgertums, mit Barockfassaden versehen, zeugen vom wachsendem Wohlstand des dritten Standes. Dessen Sparsamkeit zeigt sich an den Hinterseiten der Bauwerke – die oft deutlich schlichter gehalten sind

Mit der Kraft der SCHÖNHEIT

AUCH WEITLÄUFIGE Gartenanlagen (hier der Park des Schlosses Belvedere in Wien) gehören zur Herrschaftsarchitektur des Barock. Die Natur wird in strenge symmetrische Formen gezwungen – und so zur Dekoration der fürstlichen Erhabenheit

Im Zeitalter des Barock gilt nur sichtbare Macht als wirkliche Macht. Und so zeigen die Fürsten ihre Bedeutung durch immer neue Prunkbauten. Ihre Schlösser und Paläste sollen den Betrachter überwältigen und von der Rechtmäßigkeit der geltenden Verhältnisse überzeugen – als steinerne Manifestationen der gottgewollten Herrschaft des Adels

Nation im STILLSTAND

PIRNA IN SACHSEN ist eine von rund 4000 Kleinstädten, die charakteristisch sind für Deutschland um 1700: im Mittelalter gegründet, von einer mittlerweile nutzlos gewordenen Mauer umgrenzt, bewohnt von einigen Hundert bis wenigen Tausend Menschen – so wie 95 Prozent aller deutschen Städte

Europas bedeutendste Staaten werden zentral regiert, wie Frankreich – militärische Vormacht, Schrittmacher absolutistischer Herrschaft – und England, das sich anschickt, ein Empire zu erobern. Dagegen verharren die Deutschen, in Hunderte Territorien zersplittert und erst viel später zu einem Nationalstaat vereint, im toten Winkel der Geschichte

Land ohne FRIEDEN

WÄHREND DES SIEBENJÄHRIGEN KRIEGES unter anderem zwischen Berlin und Wien greift Preußens Armee das den Habsburgern nahestehende Sachsen an. Bei der Beschießung Dresdens wird die Stadt, hier die zerstörte Kreuzkirche, schwer beschädigt

Die Hoffnung auf Ruhe nach den Verheerungen des Dreißigjährigen Krieges trügt: Auch nach 1648 kämpfen fremde Invasoren, aber ebenso einheimische Fürsten um Ruhm und Territorialgewinne: an der Ostsee, in der Pfalz, in Württemberg und Bayern, in Österreich und mehrmals in Sachsen

Das Zentrum der MACHT

DAS WESTLICH VON WIEN gelegene Schloss Schönbrunn dient der Habsburgerin Maria Theresia ab 1740 als Sommerresidenz. Sie lässt den Bau erweitern und mit zusätzlichen Stuckdekors und Verzierungen versehen – und schafft so ein Monument des Rokoko, der vielen als Vollendung des Barock gilt

Der Kaiser in Wien ist der höchste aller Herrscher im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Seit Generationen tragen die Oberhäupter des Hauses Habsburg diesen Titel. Doch ab dem 17. Jahrhundert gewinnen die traditionell starken Fürsten weiter an Einfluss, und so kommt es zwischen manchen von ihnen und dem Kaiser immer wieder zu Machtkämpfen – bisweilen gar zu offenem Krieg

help