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Paramotor Magazin

DIE MARATHON-FLIEGER WEITER, LÄNGER, SCHNELLER…

„Schatz, ich bin dann mal kurz fliegen“, diese Aussage trifft für jene Langstreckenjäger, die seit rund 10 Jahren im Paramotor World XContest fleißig Kilometer und Punkte sammeln, ganz und gar nicht zu. Während sich viele Paramotoristen mit einer Platzrunde oder kurzen Überlandpartie begnügen, verbringen die richtig ambitionierten Streckencracks oftmals acht, neun, ja bis zu elf Stunden in der Luft und fliegen weiter, länger, schneller …Belebt, ja richtiggehend gepusht, hat die XC-Szene vor allem auch der Paramotor World XContest mit der im Jahr 2008 geschaffenen eigenen Paramotoren-Wertung. Seit 2010 existiert dort sogar eine getrennte Wertung, indem entweder in der Rubrik „Foot-launched“ oder auch „Landplane/Trike“ die Flüge eingereicht werden können. Megaflüge angucken, Routen analysieren, miteinander chatten … das stachelt an und mittlerweile nehmen weltweit zwischen 300 und 400 Piloten an der Wertung teil, indem sie ihre längsten und weitesten Flüge regelmäßig uploaden. Im Jahr 2010 war es mit rund 180 Piloten gerade mal die Hälfte. XC-Fliegen mit dem Paramotor ist „in“. Wen wundert‘s, dass sich in den letzten Jahren weltweit immer mehr Piloten von langen XC-Flügen inspirieren und anstecken lassen, sich den Paramotor umhängen oder ins Trike setzen, um den persönlichen Flugradius auszuweiten. In manchen Ländern hat sich eine umtriebige XC-Szene formiert, wo ein Marathonflug den anderen jagt – um des eigenen Erlebnis willen – und vielleicht nebenbei auch mit der Motivation, im Paramotor World XContest mit den besten sechs Flügen möglichst weit vorne zu landen.

Speziell Piloten aus Polen oder Finnland sind in der XC-Szene besonders aktiv. Doch in den letzten Jahren beteiligen sich auch vermehrt Piloten aus Deutschland und Österreich am fliegerischen Motto „Weg vom heimischen Flugplatz – hin zum ausgedehnten XC-Flug!“.

Mit einem Beinsack fliegt es sich auf langen Marathon-Strecken warm und aerodynamisch

Die Sieger des Paramotor-World-XContest „Foot launched“ der letzten 5 Jahre:

2018 Wolfgang Steininger – Österreich Topflug FAI 316 km

2017 Artur Rys – Polen Topflug FAI 361 km

2016 Leszek Grzenskowicz – Polen Topflug FAI 305 km

2015 Paolo Manfrin – Italien Topflug FAI 418 km

2014 Artur Rys – Polen Rekordflug FAI 515 km

„Startrampe“ vom Oberösterreicher Wolfgang Steiniger mit zwei Zusatzkanistern und 34 kg Treibstoff

Vorzugsweise werden bei ambitionierten XC-Strecken geschlossene FAI-Dreiecke geflogen. Erstens bringt ein geschlossenes FAI-Dreieck die meisten Punkte. Zweitens wird dabei wieder zum Startpunkt zurückgeflogen, wodurch die Organisation eines aufwändigen „Retrieve“ entfällt. Drittens liegen die gehaltenen Europa-Rekordwerte z. B. bei „one-way“-Zielflügen jenseits der 1.000-km-Marke, und eine solche Wahnsinnsstrecke lässt sich in Europa schon aufgrund der zahlreichen Luftraumbeschränkungen nur umständlich oder gar nicht realisieren.

Start mit „Motorauflage“ vom Finnen Martti Kaikkonen zu seinem Rekordflug über 513 km FAI-Dreieck mit 50 Extrakilogramm Spritladungen.

Der bisherige Zielflug-Weltrekord von Ramon Morillas mit 1.105 km wurde erst kürzlich in Australien überboten.

Am 9. März 2019 flog der aus Estland stammende Paramotorpilot Lauri Kadakas sagenhafte 1.130 km im Nordwesten Australiens – mit mehr als 70 Liter Sprit „on board“, einem Gesamtstartgewicht von 200 kg und 15 Stunden Non-Stop-Flugzeit! In Mitteleuropa planen die Cracks vorzugsweise „mit dem Lineal gezogene“ FAI-Dreiecke. Bereits im September 2011 ließ der Deutsche Peter Schulz mit solch einem FAI-Dreiecksrekordflug von 504 Kilometern aufhorchen. Der mehrfache Weltrekordinhaber zeigte auf, was man in knapp 10 Stunden Flugzeit alles herausholen kann … und genauso, dass ein derartiges Vorhaben kein Spaziergang ist: 34 Liter Spritverbrauch am Stück und folglich ein brachiales Startgewicht von sage und schreibe 146 kg (!) sprechen eine klare Sprache! Mittlerweile stehen weitere Rekordflüge über 500-km-FAI-Dreieck zu Buche. So knallte der Pole Artur Ryś am 20. September 2014 ein FAI-Dreieck von 515 km hin. Der Finne Martti Kaikkonen blieb am 20. Juli 2016 in knapp 11 Stunden Airtime mit einem 513-km-FAI nichts schuldig und nur knapp unter dieser Marke. Spritverbrauch: Knapp 40 Liter!

Wie knifflig und anspruchsvoll ein Start mit einer derart enormen Sprittladung als „Zusatzgepäck“ on board ist, veranschaulicht ein videodokumentierter Startlauf von Martti Kaikkonen, bei dessen Anblick man schon mal kurz den Atem anhält, ob des hohen Sturzrisikos bei dem unendlich langen und flotten Startlauf …

Hier der gefilmte Startlauf: Youtube unter: „Paramotor starter 50 gasoline“ https://www.youtube.com/watch?v=y-3296Uv2f4

Auch nicht ohne ist der Start vom frischgebackenen Weltrekordhalter Lauri Kadakas über 1.130 km in Australien – mit mehr als 70 Liter Sprit on board! https://www.facebook.com/watch/?v=843997422626833

Doch den meisten Piloten geht es dabei nicht wirklich um angestrebte Weltrekorde, vielmehr eher um persönliche Bestleistungen, verbunden mit einzigartigem Erlebnischarakter. Einer von ihnen ist Wolfgang Steininger. Der Oberösterreicher konnte im vergangenen Jahr 2018 die Foot-launched-Wertung im Paramotor World XContest für sich entscheiden. Mit sechs sehenswerten Flügen (davon zwei 300er-FAI-Dreiecke) flog der Langstreckenjäger aus Leidenschaft insgesamt 6.361 XC-Punkte ein und setzte sich mit diesem Gesamtscore unter 332 teilnehmenden Piloten an die Spitze der internationalen Paramotoren-Wertung.

Sein längster Flug am 6. September 2018 über ein FAI-Dreieck von 316 Kilometer führte bis nördlich von Passau, über das Seengebiet im Salzkammergut Richtung Stadt Salzburg und über die Stadt Steyr nach Niederösterreich.

Sind Wind und Wetter gut angesagt, verbringt der Flugenthusiast viele Stunden in der Luft. Sein fliegerisches Motto: Weit, lange und hoch! PARAMOTOR wollte wissen, was ihn antreibt, wie er seine Flüge plant, welche Ausrüstung er verwendet und vor allem haben wir den „Wiederholungs täter“ im folgenden Interview um wertvolle Tipps für Nachahmer gebeten …

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