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TRAVELLERS CHECK

Seit Anfang des neuen Jahrtausends spielen Kopfhörer eine tragende Rolle in Sachen Musikwiedergabe. Entsprechend viele neue Modelle kommen jedes Jahr auf den Markt. Mit dem Lagoon ANC Traveller bringt Beyerdynamic nicht nur einen neuen Kopfhörer. In fast jedem Detail des 283 g schweren Hörers verbirgt sich nicht weniger als der Wille, die 1924 gegründete Traditionsmarke aus Heilbronn neu zu erfinden. Das beginnt schon mit dem radikal veränderten Firmenlogo, bei dem sich der Designer lediglich den Buchstaben Y aus dem Firmennamen herausgegriffen und mächtig aufgeblasen hat. Doch auch sonst geht Beyerdynamic neue Wege. Während sich die Produkte bisher meist auf die Kombination aus tollem Klang und äußerst hochwertiger Verarbeitung „Made in Germany“ verließen, wird hier ein Hightech- Feuerwerk abgebrannt. Der Autor kann sich nicht erinnern, jemals so viele Features in einem Hörer vorgefunden zu haben. Wer die geschlossene Konstruktion aus ihrem Hardcase herausnimmt und auseinanderfaltet, kann sofort Musik hören, wenn er das beiliegende Klinkenkabel in die entsprechende 3,5-Millimeter-Buchse auf der Unterseite der rechten Hörkapsel einführt. Doch zwei Schalter neben dem Kabelanschluss wecken nicht nur bei Journalisten die Neugier. Wer den Hauptschalter betätigt, erweckt ein kleines elektronisches Wunderwerk zum Leben. Der Lagoon ANC Traveller beginnt im Innern seiner lederbezogenen Ohrkapseln zu leuchten. Eine Frauenstimme sagt einem auf Englisch den Ladestand des integrierten Akkus an. Wer mit dem gleichen Schalter das Bluetooth- Pairing aktiviert, wird auch darüber mit einer Stimme in Kenntnis gesetzt, sobald der Hörer bereit ist, sich mit dem Smartphone zu verbinden.

Am Lagoon gibt es viel zu entdecken. Plug & Play geht zwar, aber zur Nutzung aller Features braucht man etwas Zeit.

Nach der Kopplung sind Überraschungen programmiert. So kann das Berühren der rechten Kapsel schon mal den Sprachassistenten des Smartphones aktivieren. Danach ist jedem klar: Beyerdynamic hat eine Touch-Bedienung integriert. Sehr praktisch, wenn man sich mit der Funktion vertraut gemacht hat und der Hörer erst mal auf dem Kopf sitzt. Eine Wischbewegung mit dem Finger ermöglicht das Scrollen in der Playlist.

Auch die Lautstärke lässt sich auf einen Wisch steuern. Anrufe mit dem Headset entge- genzunehmen, ist damit ebenfalls möglich.

Alles frisch: Mit dem Lagoon ANC beschreitet Beyerdynamic neue Wege. Die Polster- Innenbeleuchtung ist nicht nur Show, sondern Bedienhilfe. Die geschlossenen Hörkapseln sind mehr als nur Projektionsfläche für das neue Firmenlogo. Ein Touchpad sorgt für Bedienungskomfort im Smartphone-Stil. Der faltbare Bluetooth-Hörer nutzt aktive Geräuschunterdrückung, ist damit der perfekte Reisebegleiter.

Das aktive Noise Cancelling (ANC) wird über einen zweiten Schalter an der rechten Ohrkapsel aktiviert. Dabei fallen zwei Dinge auf: Stufe eins bringt gegenüber der ohnehin sehr guten Isolation der ohrumschließenden Muscheln nur einen relativ kleinen Fortschritt, der vor allem tief frequentierte Störgeräusche weiter ausblendet. Stufe zwei dämpft dann weit besser ab und wirkt auch relativ stark in den Mitten. Stimmen kommen trotzdem verhältnismäßig deutlich durch. Das kann in Alltagssituationen durchaus Vorteile haben, weil man nicht völlig von der Umwelt abgeschirmt wird. Welche Stufe man gerade aktiviert hat, sagt einem wieder die weibliche Stimme an. In Verbindung mit der Kopfhörer- Innenbeleuchtung, die ihre Farbe wechseln und pulsieren kann, bietet Beyerdynamic mit dem neuen Konzept ein hohes Maß an Rückmeldung. Die von einem Bewegungssensor aktivierten Lichteffekte, weisen einem auch durch farbliche Kennzeichnung beim Aufsetzen den Weg zum Auffinden der linken (weiß) und rechten (rot) Kapsel. Ob man die ovalen LED-Leuchtstreifen („Light Guide System“) als verspielt oder praktisch empfindet, obliegt dem Urteil des Betrachters.

Wer jetzt glaubt, damit hätte die vom vor zwei Jahren an Bord geholten neuen CEO Edgar van Velzen gründlich umgekrempelte Traditionsmarke ihr Pulver an Zukunftstechnologien bereits verschossen, irrt gewaltig. In den App Stores Apple iTunes und Google Play wartet die kostenlose App MIY auf den Download. Zu ihr muss der Benutzer zunächst mal nach der Installation eine weitere Bluetooth-Verbindung aufbauen. Dann wird er aufgefordert, sein Alter einzugeben. Auf Basis von Mimi Hearing Technologies ermittelter „Verschleißwerte“ lädt die Mosayc-Klangpersonalisierung des Lagoon ANC dann ein entsprechendes Klangprofil. Das hob, wie ein Hörcheck zutage förderte, vor allem Bass und Höhen an und sorgte insgesamt für ein dynamischeres, spektakuläres Klangbild. Der Benutzer kann zwischen unbeeinflusster Klangabstimmung und der altersabhängigen „Loudness“ stufenlos wählen und damit seinem Hörer eine individuelle Klangcharakteristik verleihen, die dann auch ohne die App erhalten bleibt.

Weil die Klangmanipulation der Wiedergabe mehr Nachdruck verleiht, kann man auch bei guten Ohren in Versuchung kommen, sie voll reinzudrehen. Denn damit lässt sich gerade am gedrosselten Kopfhörerausgang eines Smartphones ein dynamischerer Klang erzielen. Und auch im klanglich überlegenen Bluetooth-Betrieb legte der Lagoon damit noch eine Schippe drauf. Der Bass wirkte dann vor allem ganz unten noch mächtiger und trotzdem sehr konturiert, die an sich neutrale Abstimmung bekam eine Extraportion Frische. Ohne Frage ist der Lagoon ANC eine nachhaltige Auffrischung für die Marke Beyerdynamic.

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