ENTDECKENBIBLIOTHEK
searchclose
shopping_cart_outlined
exit_to_app
category_outlined / Kultur & Literatur
GEO EPOCHEGEO EPOCHE

GEO EPOCHE

98/2019

GEO EPOCHE ist das Geschichtsmagazin von GEO. Jede Ausgabe ist einem historischen Thema gewidmet - Epochen wie dem Mittelalter, Staaten wie Preußen, Weltreligionen wie dem Judentum. Geschichte schillernd und packend ohne Staub, Fußnoten und Zahlenkolonnen. Erzählt werden Geschichten über bedeutende Personen und dramatische Ereignisse, über Alltag und Kultur, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. In genauen historischen Rekonstruktionen sowie opulenten Bildessays und Experteninterviews, mit Karten und Infokästen wird die jeweilige Epoche zum Leben erweckt und vor allem deren Alltag sinnlich nacherzählt. „Wir nehmen die Leser mit auf eine Zeitreise“, so lautet das Credo von Chefredakteur Michael Schaper.

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Mehr lesenkeyboard_arrow_down

IN DIESER AUSGABE

access_time3 Min.
editorial

Liebe Leserin, lieber Leser Man könnte die deutschen Fürsten, die um das Jahr 1700 herrschen, allesamt für pompöse Blender halten. Oder schlicht für größenwahnsinnig. Männer wie Eberhard Ludwig, der ab 1693 das kleine, arme, kriegszerstörte Württemberg regiert – und der sich dennoch sein eigenes Versailles mitten in die Wildnis stellen lässt: Schloss Ludwigsburg, einen Palast mit mehr als 400 Räumen, zwei Kapellen und eigenem Theater. Und weil der Herzog nicht zum Regieren in die ungeliebte Kapitale Stuttgart reisen will, ordnet er kurzerhand auch noch den Bau einer neuen Hauptstadt neben dem Schloss an. Oder Friedrich Wilhelm I., seit 1713 König in Preußen, dessen Spleen die Sammlung besonders groß gewachsener Soldaten ist, die der Monarch mit Gewalt, Tricks und viel Geld aus ganz Europa nach Potsdam holen lässt. Für den 2,17 Meter großen…

access_time3 Min.
im deutschland des barock

Im Schatten der SCHLÖSSER Die meisten der 15 Millionen Deutschen leben fern der Paläste und Metropolen in kleinen Städten, vor allem aber auf dem Land. Dort ist der Alltag hart. So müssen die Bauern Abgaben an ihre Grundherren leisten. Und besonders in den ostelbischen Gebieten sind viele Menschen de facto Leibeigene der Junker, die die Felder besitzen, Recht sprechen und über Ehen entscheiden Stätten des BÜRGERSTOLZES Nicht nur die Fürsten lassen sich Prachtbauten errichten: Die Häuser des Bürgertums, mit Barockfassaden versehen, zeugen vom wachsendem Wohlstand des dritten Standes. Dessen Sparsamkeit zeigt sich an den Hinterseiten der Bauwerke – die oft deutlich schlichter gehalten sind Mit der Kraft der SCHÖNHEIT Im Zeitalter des Barock gilt nur sichtbare Macht als wirkliche Macht. Und so zeigen die Fürsten ihre Bedeutung durch immer neue Prunkbauten. Ihre Schlösser und Paläste…

access_time3 Min.
ein volk, viele staaten

Was macht um 1700 Deutschland aus? Es ist kompliziert. Denn ein Nationalstaat existiert nicht. Es gibt das Heilige Römische Reich, das den Zusatz „deutscher Nation“ trägt, aber in Wirklichkeit ein Konglomerat zahlloser Territorien ist, von denen viele eine nichtdeutsche Bevölkerung haben. So leben in zum Reich gehörenden Ländern wie Böhmen vor allem Tschechen, in den balkanischen Gebieten vorwiegend Slowenen. Und es gibt auch Regionen, die überwiegend von Deutschen besiedelt sind, aber nicht zum Heiligen Römischen Reich gehören: Preußen etwa, das Land an der Ostsee, im Besitz der Hohenzollerndynastie, aufgrund einer höchst verwickelten Vorgeschichte aber nicht Teil des Reichs. Oder der Süden Schleswigs, das dem König von Dänemark untersteht, genauso wie Holstein – das aber wiederum Teil des Reichs ist. Es ist kompliziert. „Deutschland“ im Singular also existiert um 1700 nicht – sondern…

access_time32 Min.
fürst der verschwendung

Dresden, an einem Frühjahrstag des Jahres 1700. In der Küche des Residenzschlosses zieht ein gewaltiger Kamin den meisten Rauch ab, die Schwaden von verbranntem Fett, den Dunst würziger Saucen. Dennoch bedeckt öliger, schwarzer Ruß das Mauerwerk. In der Hitze hantieren die Köche und Küchenjungen mit Messern und Quirlen, Fleischbeilen, Mörsern, dem Bratspieß; ein Holzträger schürt die Feuer. Durch das Geschwätz der Leute, das Klappern der Töpfe und Pfannen schallen Anweisungen der Küchenmeister. Und von fern Trompeten und Pauken: Hofmusikanten künden den Gästen des Kurfürsten jedes neue Gericht an. Diener schleppen Platten und Schüsseln mit Speisen aus der Küche. Karpfenfilets in Honigsauce, gebratene Fasane, denen ein Koch zum Schmuck wieder ihr Federkleid angelegt hat, einen gesottenen Wildschweinkopf, einen im Ganzen gegrillten Frischling. Vor dem Speisezimmer übergeben sie ihre Last an die vornehmeren Lakaien,…

access_time28 Min.
in der metropole des geldes

Es ist leicht, sich auf den ersten Blick täuschen zu lassen. Die Stadt zu unterschätzen, wie sie sich da so präsentiert: fast ein wenig zu klein für eine Metropole, halbversteckt, wie weggeduckt hinter überbreiten Mauern. Ein Fleck auf flachem Land am Fluss, keine Vorstädte, nichts von Weltstadtweite. Aber dieser Ort lässt sich ohnehin nicht allein an der Zahl seiner Häuser, Straßen, Menschen messen. Hier versammeln sich die Mächtigsten der deutschen Lande, hier ballt sich viel Geld. Und daher gehört Frankfurt am Main zu den wichtigsten Städten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Eine Reichsstadt ist diese Metropole, frei und selbstbestimmt, von keinem Fürsten, keinem Bischof abhängig, allein dem Kaiser untertan. Seit einem halben Jahrtausend der Ort, an dem ebendieser römisch-deutsche Kaiser gewählt wird von den höchsten weltlichen und geistlichen Adeligen des Reichs. Und…

access_time4 Min.
die hofjüdin

Sie darf den Herrscher besuchen, wann immer sie will. Seine Leute, so hat der Monarch es befohlen, sollen sie jederzeit vorlassen. Für Friedrich I., König in Preußen, erledigt diese energische Frau ja auch fast alles, was von Belang ist. Sorgt für Glanz und Luxus, beschafft Edelsteine, Gold und Schmuck, ausgefallenes Essen, Kutschen und feine Tinkturen. Sie beliefert die königlichen Baustellen zuverlässig mit Material und organisiert sogar das für die Wirtschaft so wichtige Münzwesen des Staates mit. Kurz: Keine Frau in Preußen ist um das Jahr 1700 so einflussreich wie Esther Liebmann – vor allem keine Jüdin. Früher haben Vorfahren des Königs Juden aus ihren Städten und Landen vertrieben, sie zum schlechten Einfluss, zu gefährlichen, unerwünschten Fremden erklärt. Doch in den letzten Jahrzehnten haben sich die Zeiten geändert: Die barocken Höfe haben…

help