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GEO WissenGEO Wissen

GEO Wissen

64/2019

"Mit Sachverstand und Gespür für Aktualität veranschaulicht GEO WISSEN in spannenden Text- und Fotoreportagen anspruchsvolle und komplexe gesellschaftlich relevante Wissenschaftsthemen, greift Debatten auf, macht Auseinandersetzung verständlich. GEO WISSEN befasst sich mit wichtigen Fragen aus den Bereichen Medizin und Erziehung, erläutert die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Ernährung, präsentiert neue Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung und ergründet Phänomene wie „Zeit“, „Sünde und Moral“ oder „Sprache“. Meinungsumfragen, Buchrezensionen und Tests bieten den Lesern einen hefttypischen Zusatznutzen."

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
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IN DIESER AUSGABE

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liebe leserin, lieber leser

Was sind gute Entschlüsse? Und was sind schlechte? Im Grunde besteht unser Alltag aus einer unendlichen Folge von Entscheidungen, beruflich und privat. Unablässig müssen wir eine Wahl treffen, bestimmen, was wir tun. Manche Schritte gehen wir mit Bedacht, andere eher nebenbei, beinahe unbewusst; einige beeinflussen die unmittelbare Gegenwart, wieder andere lenken unser Leben insgesamt in eine neue Richtung. Doch was sind gute Entschlüsse, und was sind schlechte? Was wissen wir über die Prinzipien des Entscheidens? Wie gehen wir mit Komplexität um, mit Unwissenheit oder Zeitdruck? Sollen wir eher auf den Kopf hören oder auf den Bauch, auf den Verstand oder das Gefühl? Und wie legen wir uns fest, ohne den verpassten Möglichkeiten nachzutrauern? Die vorliegende Ausgabe soll Ihnen Kriterien für sinnvolle Entscheidungen bieten. Wir erklären, was „Maximierer“ und was „Satisficer“ sind, stellen Menschen vor, die…

access_time17 Min.
die entscheidung meines lebens

Spitzeln oder Knast Als junger Mann zeichnete Olaf Schwarzbach, 53, in der DDR kritische Comic-Strips. Im Sommer 1989 fasste er einen risikoreichen Entschluss Am Ende siegte die eine Angst über die andere – und ich bin aus der DDR abgehauen. In all den Jahren zuvor war das nicht wirklich eine Option für mich. Ich hatte als renitenter Jugendlicher einige Probleme in der DDR. Die Stasi hatte mich im Visier. Schlimmer aber war meine tiefe Abscheu vor der Armee; es gab genug Geschichten von Menschen, die man dort gebrochen hatte. Aber deshalb in den Westen fliehen? Ich bezweifelte, dass dort alles besser ist. Wenn du hier Probleme hast, hast du die im Westen auch, sagte ich mir. Außerdem war ich während meiner Lehrzeit als Drucker jeden Tag mit der Bahn von Potsdam, wo ich…

access_time8 Min.
gut ist gut genug

Im Frühjahr 1988 bin ich aus Stuttgart nach West-Berlin gezogen. Nicht einmal zwei Jahre später fiel die Mauer, und auch mit dem Kuriosum „West-Berlin“ war bald Schluss. Das ahnte natürlich noch niemand. Berlin kam mir sagenhaft billig vor. Ich fand eine günstige Mietwohnung in Kreuzberg, dann, Anfang 1989, stand in meiner neuen Gegend ein Haus zum Verkauf. Es war ein schöner Altbau, Jahrhundertwende, mit Vorder- und Hinterhaus, 15 oder 20 Wohnungen, die genaue Zahl habe ich vergessen. Dazu ein Laden im Erdgeschoss. Die Gegend war auf malerische Weise heruntergekommen, ziemlich szenig, typisch Kreuzberg. Heute kriegst du dort kaum eine große Altbauwohnung unter 600000 Euro. Das gesamte Haus sollte 450000 kosten, natürlich Mark. Ich war Mitte 30 und verdiente als Redakteur meiner Erinnerung nach etwa 5000 Mark, was damals nicht schlecht war, große…

access_time14 Min.
kopf oder bauch ?

Unser Alltag besteht aus einer unendlichen Folge von Entscheidungen, beruflich und privat. Unablässig müssen wir bestimmen, was zu tun ist. Manche Wahl treffen wir mit Bedacht, andere eher nebenbei, beinahe unmerklich; manche Entschlüsse beeinflussen das Hier und Jetzt, andere lenken unser Leben insgesamt in eine neue Richtung. Erst die Freiheit, selbst und womöglich falsch zu entscheiden, macht uns zu Menschen Doch was sind gute Entscheidungen, und was sind schlechte? Wie gehen wir mit Komplexität um, wie mit Unwissenheit oder Zeitdruck? Sollen wir eher auf den Kopf achten oder auf den Bauch, auf den Verstand also oder die Intuition? Eben diese erdrückende Vielfalt von Fragen macht die Wahl oft so qualvoll. Deshalb wägen wir oft über Tage, Wochen oder gar Monate das Für und Wider ab; liegen nachts grübelnd wach oder können uns…

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die vielen stimmen in uns

Ganz gleich, in welcher Situation wir eine Entscheidung treffen, ob beim Einkaufen, beim Autofahren, beim Gespräch mit einem Freund oder beim Joggen im Wald, morgens, abends oder am Tag darauf: Für uns fühlt es sich stets so an, als fasse das gleiche Ich den Entschluss – nämlich unser ureigenes Ich, eine unteilbare Einheit, unser individuelles Wesen. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass dieses Gefühl eines gleich bleibenden Ichs eine Illusion ist – mehr noch: dass es sogar mehrere Ich-Formen gibt, unser Bewusstsein also offenbar in einer Vielfalt unterschiedlicher Facetten auftreten kann. Anders gesagt: Das, was wir als eine in sich geschlossene Instanz erleben, ist in Wirklichkeit ein zusammengesetztes Konstrukt aus verschiedenen Ich-Zuständen. Immer dann, wenn wir von einem Zustand in einen anderen wechseln, verschiebt sich gleichsam unser innerer Blick, nimmt die Steuer- und Entscheidungszentrale…

access_time12 Min.
die sache mit der moral

Sie ist einer der stärksten Antriebe, dem wir Menschen folgen. Denn sie vermittelt uns bei fast allen Entscheidungen ein verlässliches Gespür dafür, was richtig und was falsch ist: Die Moral ist unser innerer Kompass. Sie bildet unsere Richtschnur für die vielen kleinen und großen Entschlüsse, die wir in unserem Leben fassen. Moralische Vorstellungen lenken uns durch unseren Alltag, sie durchziehen unser Verhältnis zu anderen Menschen, bestimmen unser politisches Denken, stehen hinter den Gesetzen, die wir uns geben. Wenn wir Alte und Kranke pflegen, ein gefundenes Portemonnaie zurückgeben oder es bereuen, im Affekt ein Kind geschlagen zu haben, folgen wir weniger einer nüchtern-rationalen Überlegung als vielmehr einem tiefen moralischen Empfinden. Effizienter als Angst vor Entdeckung und Strafe hält es uns davon ab, unseren Partner anzulügen, an fremden Orten die Zeche zu prellen, in der…

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