P.M. HISTORY

02/2022

"P.M. HISTORY ist das vielseitige, lebendige Geschichtsmagazin, das seriös und verständlich informiert, glänzend unterhält und immer wieder überrascht. P. M. HISTORY bietet packende Lesestücke aus allen Epochen – eben die besten Geschichten aus der Geschichte – übersichtlich im Inhaltsverzeichnis in einem Zeitstrahl chronologisch geordnet. P. M. HISTORY konzentriert sich nicht auf ein geschichtliches Thema pro Heft, sondern bietet in jeder Ausgabe eine Fülle von Themen. In jeder Ausgabe von P. M. HISTORY gibt es einen Großen Sonderteil, der sich ausführlich einem geschichtlichen Thema widmet. Das können sowohl historische Persönlichkeiten als auch bestimmte Epochen oder Ereignisse sein. Faszinierende Reportagen, Interviews z.B. mit bekannten Autoren oder Wissenschaftlern sowie Empfehlungsseiten für Bücher und Filme runden das redaktionelle Angebot ab."

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Erscheinungsweise:
Monthly
3,99 €(Inkl. MwSt.)
46,99 €(Inkl. MwSt.)
12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min
held oder dämon?

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, ich fahre in diesen Tagen nur selten ins Büro, aber wenn ich doch einmal aus dem Homeoffice ins Verlagshaus fliehe, dann genieße ich eine ausgezeichnete Aussicht auf den Titelhelden dieses Heftes. Allerdings dreht mir der riesige steinerne Bismarck, der seit 1906 über dem Hamburger Hafen wacht, den Rücken zu. Sein Blick geht nach Westen, nach Altona, jener Stadt also, die mehr als 200 Jahre lang von dänischen Königen regiert wurde. Und die 1867 dank Bismarck Teil Preußens wurde (genauso wie der Rest von Schleswig-Holstein). Heute werden immer wieder Stimmen laut, die einen Abriss des monumentalen Denkmals fordern. Es sei nicht mehr zeitgemäß, eines Mannes im öffentlichen Raum zu gedenken, der unter anderem mitverantwortlich dafür war, dass die Deutschen ein Kolonialreich gründeten – mit allen Schrecken und Verbrechen,…

pmhisde2202_article_003_01_02
1 Min
sardinien

DAS DACH FEHLT, ebenso wie die oberen Stockwerke. Dennoch ist die Nuraghe Ruju immer noch ein imposantes Bauwerk: Sie gehört zu den rund 10000 Steintürmen, die etwa ab 2000 vor Christus auf Sardinien von den Menschen der Bonnanaround der nachfolgenden Nuraghenkultur erbaut wurden. Im Inneren gab es meist eine runde Kammer mit mehreren Nischen, oft verband eine umlaufende Treppe die Etagen. Die bronzezeitlichen Bauwerke dienten vermutlich als Wachtürme, Versammlungsorte, Speicher, Heiligtümer, es gab Nuraghendörfer mit einem zentralen Turm, flankiert von mehreren Rundbauten. Nach der Eroberung Sardiniens durch die Römer 238 v. Chr. wurden die meisten Nuraghen allerdings verlassen.…

pmhisde2202_article_006_01_01
1 Min
alles völlig abgehoben

Eigentlich wollte Salvador Dalí ja eine Ente mit Dynamit in die Luft sprengen. Doch zum Glück überredet ihn Philippe Halsman 1948 zu diesem Motiv. Der Fotograf glaubt nämlich, dass Menschen ihr wahres Ich offenbaren, wenn man sie bittet zu springen. Aber Dalí wäre nicht Dalí, der Großmeister des Surrealismus, wenn er dieser Masche nicht seinen eigenen völlig abstrusen Dreh verpassen würde. Deshalb sollen drei Katzen und ein Eimer voll Wasser durchs Bild fliegen. Völlig schwerelos. Doch immer wieder geht etwas schief: Mal springt Dalí zu spät in die Luft, mal verdeckt der Stuhl sein Gesicht, mal wird der Künstler vom Wasserschwall getroffen und nicht wie geplant eine Katze. Nach jedem Versuch muss Halsman die Aufnahme entwickeln, um zu schauen, ob sie etwas geworden ist. Erst nach 28 Anläufen ist das…

pmhisde2202_article_008_01_01
2 Min
falsch meldung

AM 11. OKTOBER 1965 präsentiert die US-Universität Yale eine sensationelle Weltkarte: Sie zeigt eine Insel namens „Vinilanda Insula“, die vor Nordamerikas Ostküste liegt. In alter Schrift steht daneben, dass Bjarni und Leif das Eiland einst entdeckten. Diese Vinland-Karte, behauptet Yale, sei um 1440 entstanden – und damit gut 50 Jahre vor Kolumbus’ Reise nach Westen. Damit sei bewiesen, dass Leif Eriksson die Neue Welt lange vor Kolumbus betreten habe. Acht Jahre zuvor hatte der Antiquar Laurence Witten die Karte seiner alten Hochschule angeboten. Sie befand sich auf der Aufschlagseite der „Hystoria Tartarorum“ (eines Buchs über die Reise eines Franziskaners zu den Mongolen im 13. Jahrhundert). Mitten auf der Karte wird deshalb das Großreich der Mongolen dargestellt, ferner Nordafrika, Europa sowie am linken Rand Island, Grönland und Vinland. Während sich die…

pmhisde2202_article_009_01_02
1 Min
der koloss von rhodos

WAS SAGT DIE LEGENDE? Als Rhodos’ Einwohner 305 v. Chr. die Belagerung des späteren Makedonenkönigs Demetrios Poliorketes überstanden hatten, errichteten sie zu Ehren des Sonnengottes Helios, ihres Schutzpatrons, eine riesige Statue. Unter Leitung des Chares von Lindos wurde sie nach zwölf Jahren vollendet. Neben Bewunderung brachte sie den Rhoden auch Kritik ein: zu groß, zu protzig. Bei einem Erdbeben um 220 v. Chr. wurde der Koloss, eines der sieben Weltwunder, zerstört und fiel ins Meer. Zufall oder gerechte Strafe? WIE WURDE SIE ÜBERLIEFERT? Der Koloss von Rhodos wird in der antiken Literatur durch voneinander unabhängige Schreiber mehrfach erwähnt, vor allem wenn es darum geht, die schlimmen Folgen von Größenwahn zu betonen. Die Beschreibung von Plinius d. Ä. gilt als besonders genau. Seit der Renaissance wird die Skulptur so dargestellt, dass sie die Hafeneinfahrt…

pmhisde2202_article_009_02_01
3 Min
die ersten schneider

An der marokkanischen Atlantikküste, in der Contrebandiers-Höhle, haben Archäologen Knochenwerkzeuge gefunden, die frühen Menschen vermutlich zum Glätten von Leder und Fell dienten. Schneiderten sie damit die ersten Kleidungsstücke? Die Anthropologin Emily Hallett vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie ist den frühen Textilhandwerkern auf der Spur. Frau Hallett, was waren das für Knochen, die Sie in der Contrebandiers-Höhle gefunden haben? Von all den Tierknochen stachen besonders Rippen von Boviden – also von Hornträgern – hervor, die zu spatelförmigen Werkzeugen umgearbeitet waren. Welche Art von Boviden es war, wissen wir noch nicht. Die wahrscheinlichsten Kandidaten sind entweder die Nordafrikanische Kuhantilope, Alcelaphus buselaphus, oder der Auerochse, Bos primigenius. Und wofür wurden diese Werkzeuge gebraucht? Meine Vermutung ist, dass sie zur Herstellung von Kleidung gedient haben. Die Werkzeuge könnten natürlich auch der Lederbearbeitung zu anderen Zwecken gedient haben, etwa…

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