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Kultur & Literatur
P.M. HISTORY

P.M. HISTORY 03/2020

"P.M. HISTORY ist das vielseitige, lebendige Geschichtsmagazin, das seriös und verständlich informiert, glänzend unterhält und immer wieder überrascht. P. M. HISTORY bietet packende Lesestücke aus allen Epochen – eben die besten Geschichten aus der Geschichte – übersichtlich im Inhaltsverzeichnis in einem Zeitstrahl chronologisch geordnet. P. M. HISTORY konzentriert sich nicht auf ein geschichtliches Thema pro Heft, sondern bietet in jeder Ausgabe eine Fülle von Themen. In jeder Ausgabe von P. M. HISTORY gibt es einen Großen Sonderteil, der sich ausführlich einem geschichtlichen Thema widmet. Das können sowohl historische Persönlichkeiten als auch bestimmte Epochen oder Ereignisse sein. Faszinierende Reportagen, Interviews z.B. mit bekannten Autoren oder Wissenschaftlern sowie Empfehlungsseiten für Bücher und Filme runden das redaktionelle Angebot ab."

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Erscheinungsweise:
Monthly
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12 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min.
die handelnden figuren sind männer ohne gesicht

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, manchmal kann man der Geschichte in die Augen schauen. Auf alten Fotografien zum Beispiel oder auch auf den lebensechten Ölgemälden des Franzosen Gustave Caillebotte (siehe Seite 22). Doch wenn es um die Völkerwanderung geht, blicken wir ins Nichts. Die wichtigsten handelnden Figuren sind Männer ohne Gesicht. Alles, was wir von Alarich, Attila oder Geiserich haben, sind spätere Darstellungen. Die verraten viel über die Fantasie der Nachgeborenen, aber nichts über die historische Person. Und trotzdem: Vom Cover dieses Heftes starrt Sie ein Krieger der Völkerwanderungszeit an. Eine weiteres Fantasieprodukt also? Mitnichten. Der Mann ist natürlich ein Laiendarsteller, den der italienische Fotograf Camillo Balossini eigens für uns abgebildet hat. Seine Aufmachung jedoch ist alles andere als ausgedacht. Der Helm auf seinem Kopf ist ein Lamellenhelm, der aus 52 miteinander…

1 Min.
schibam

EINE SKYLINE AUS LEHM UND HOLZ: Bis zu 30 Meter ragen die Turmhäuser im jemenitischen Schibam, auch „Manhattan der Wüste“ genannt, in die Höhe. Einige der fast 400 Lehmhochhäuser trotzen Wind, Regen und Kriegen seit dem 16. Jahrhundert. An der Weihrauchstraße gelegen, blühte Schibam einst zu einer reichen Handelsstadt auf. Wahrscheinlich bauten die Einwohner in die Höhe, um sich vor Überflutungen zu schützen. Doch jetzt bröckelt die Fassade: Der Bürgerkrieg im Land bedroht auch Schibam, mehrere verfallene Gebäude sind eingestürzt, und die Unesco hat die Altstadt auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.…

1 Min.
picknick mit einem pferd

Ist was? Die fünf US-Soldaten sitzen lässig am Tisch, trinken Kaffee – und blicken kaum auf, als einer ihrer Kameraden auf einem Pferd mitten durch die Gruppe springt. Einen Meter weiter links oder rechts, einen Moment zu früh oder zu spät zum Sprung angesetzt, und das entspannte Beisammensein hätte ein blutiges Ende genommen. Aber die Männer müssen wissen, wie es geht: Sie sind Soldaten der US-Kavallerie, stationiert in Fort Riley in Kansas. Solche spektakulären Stunts gehörten zum Übungsalltag einfach dazu (hier: Anfang des 20. Jahrhunderts). Immerhin war die Kavallerie der Stolz des Militärs, das Können ihrer Reiter legendär. 1833 als Dragoner-Regiment gegründet, trieben die berittenen Einheiten die Landnahme im Wilden Westen gegen die Indianer maßgeblich voran. Aus alter Tradition existieren in der US-Armee Verbände wie die 1st Cavalry Division bis…

2 Min.
falsch meldung

BEREITS 1916, im zweiten Kriegsjahr, als die Front im Westen festhängt, kursieren bösartige Reime: „Wo so viele Helden bluten, drücken sich jetzt nur die Juden. Überall grinst ihr Gesicht, nur im Schützengraben nicht.“ Immerzu befeuert der Alldeutsche Verband mit Flugschriften und über die Presse das Gerücht vom Juden als „Drückeberger“ und „Kriegsgewinnler“. Um die Behauptungen zu überprüfen, ordnet das preußische Kriegsministerium Ende 1916 eine „Judenzählung“ im deutschen Heer an: Wie viele Juden haben sich freiwillig gemeldet? Wie viele sind gefallen? Wie viele wurden ausgezeichnet? Doch die Ergebnisse der Statistik bleiben – ohne öffentliche Erklärung – geheim, was die Gerüchte weiter anheizt. Der Obersten Heeresleitung um Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff kommt das antisemitische Gerede zupass: Es lenkt von ihrer eigenen Erfolglosigkeit ab. Schuld an den verheerenden Niederlagen im Krieg sind ihren…

1 Min.
werwolf

WAS SAGT DIE LEGENDE? In Vollmondnächten werden selbst brave Familienväter zum Tier. Die Kleidung spannt und reißt, das Fell sprießt, die Kontrolle schwindet. Beißt ein Werwolf („wer“ ist Altgermanisch für „Mann“) einen Menschen, verwandelt sich dieser ebenfalls in einen Werwolf, beißt und/oder frisst Mensch und Tier. Nur mittels einer Kugel aus dem magischen Metall Silber – man kennt das von Vampiren – kann ein Werwolf getötet werden. Andere Variante: Werwölfe sterben beim Anblick einer Mondfinsternis. WIE WURDE SIE ÜBERLIEFERT? Mensch-Wolf-Verwandlungen sind schon auf Höhlenmalereien zu sehen und werden im Gilgamesch-Epos beschrieben, in Ovids „Metamorphosen“, bei Plinius dem Älteren und anderen. Die isländische Egils saga (um 1230) kennt ebenso einen Werwolf wie die nordische Völsunga saga (ca. 1250), von der Wagners Oper „Die Walküre“ zehrt. Unser heutiges Werwolf-Bild wurde wesentlich vom Hollywoodfilm „Der Wolfsmensch“…

3 Min.
ein bad für den könig

Beschwörungen, Gebete, Magie: Im Assyrischen Reich des 2. und 1. Jahrtausends v. Chr. gehörten Rituale zum Alltag, etwa zum Schutz vor Krankheiten und Feinden oder um selbst anderen Menschen Schaden zuzufügen. Eine der komplexesten dieser Zeremonien war ausschließlich dem König vorbehalten: das Badehaus-Ritual. Der Altorientalist Prof. Daniel Schwemer hat Keilschrift-Tontafeln analysiert, den Ablauf des Rituals rekonstruiert und dessen Bedeutung für das assyrische Königtum ganz neu bewertet. Im Badehaus-Ritual ging es sicherlich nicht nur um Hygiene. Wovon haben sich die assyrischen Könige gereinigt? Von allem Schlechten. In der altorientalischen Vorstellung bedrohte das Böse den König aus zwei Richtungen: Es gab das Übel, das Widersacher zum Beispiel mit schädlichen Ritualen über ihn bringen wollten. Und: eigene Verfehlungen und Tabubrüche, mit denen der Herrscher Schuld auf sich lud. Denn die Götter hielten, so glaubten die…