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stern Crime

39/2021

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Erscheinungsweise:
Bimonthly
4,99 €(Inkl. MwSt.)
23,99 €(Inkl. MwSt.)
6 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min
einer der ersten …

… Fälle, von denen wir erzählt haben, in Heft 3, Oktober 2015, der seitdem weder unsere Leserinnen und Leser noch uns loslässt, ist der Mord an Frauke Liebs. Im Sommer 2006, während die Deutschen die WM feierten, verschwand die angehende Krankenschwester mitten im belebten Paderborn. Die damals 21-Jährige hatte in einem Pub Fußball geschaut. Auf dem Heimweg zu ihrer WG muss sie auf ihren Mörder getroffen sein. Mindestens eine Woche lebte Frauke noch. Mit dem Handy meldete sie sich mehrfach bei ihrer Familie und ihrem Mitbewohner. Die Lebenszeichen klangen verstörend. Monate später fand ein Jäger in einem entlegenen Wald ihren Leichnam. Unserem Autor Dominik Stawski erzählte Fraukes Familie, wie sehr die offenen Fragen sie quälten. Wer war Fraukes Mörder? Wie starb sie? Und vor allem: Warum? Nach Stawskis Artikel erreichten die…

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5 Min
die natur des wortes

Manchmal hört es sich so einfach an. Dann erscheint das Problem scharf umrissen und seine Lösung geradlinig, zweifelsfrei. Zum Beispiel: Wie man die alltägliche Gewalt gegen Frauen den Bürgern, Politikern, der Justiz und den Medien endlich bewusst machen und sie zum Handeln bringen kann. Ein Wort muss her!, sagen Aktivistinnen und einige Experten. Eines, das die Ursachen klar benennt: „Femizid“. Die Bundesregierung müsse den Begriff und seine Definition offiziell anerkennen, forderte Die Linke und stellte im Bundestag fest: „Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind.“ Diese Morde seien nicht „Familiendramen“, „Beziehungstaten“ oder „Verbrechen aus Leidenschaft“, wie Medien und Gerichte sie häufig verharmlosend nennen. Die Bezeichnung Femizid verdeutliche, dass „Frauen oder Mädchen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit und vor dem Hintergrund eines hierarchischen Geschlechterverhältnisses und dem daraus resultierenden patriarchalen Dominanzstreben getötet werden.“ Außer Frage: Männergewalt,…

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30 Min
die frau ohne gesicht

SIE NIMMT DEN SCHLEICHWEG, WIE IMMER AUF DER RÜCKFAHRT. Von der Grundschule bis nach Hause dauert es keine zehn Minuten. Es gibt auch einen Bus. Aber an einem Novembermorgen wie diesem bringt sie ihre Kinder lieber selbst zur Frühbetreuung. Die Welt kann sehr dunkel sein, hier auf dem Land in Oberbayern. Marianne Reitmayer* freut sich auf ihr Frühstück, daheim in der Küche des Bauernhofs, den sie zusammen mit ihrem Mann bewirtschaftet. Die Scheinwerfer ihres Autos mühen sich, die Schwärze der Landschaft etwas aufzuhellen. Straßenlaternen gibt es hier keine. Und über dem schmalen Weg, der an Gestrüpp und Viehweiden vorbeiführt und für den öffentlichen Verkehr eigentlich gesperrt ist, hängt dichter Nebel. Für Sekundenbruchteile erfasst der Lichtkegel der Scheinwerfer etwas Weißes. Da liegt etwas. Sie reißt das Steuer ihres Autos nach links. Was war…

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6 Min
kühlschränke

Er hatte alles für ihren Tod vorbereitet. Einen Komplizen und eine Wohnung gefunden, dazu die Utensilien besorgt: zwei Kühlschränke, ein Messer, eine elektrische Säge. Es war an der Zeit. Nach monatelanger Planung. Es ist der 1. März 2013, als der 29-jährige Marc Zhang* seine Eltern fragt, ob sie sich nicht seine neue Wohnung ansehen wollten, ihm vielleicht beim Aufräumen helfen könnten. Die Eltern sagen zu und begleiten ihn in die Wohnung in Tai Kok Tsui, einem Hongkonger Stadtviertel. Sie haben keine Zweifel, dass es sich um die neue Wohnung ihres Sohnes handelt. Als sie ankommen, greift der Sohn zum Messer und tötet seine Eltern. Sein Vater wehrt sich, Marc Zhang schneidet sich beim Kampf selbst in die Hand. Aber das hindert ihn nicht daran, weiter auf seine Eltern einzustechen. Kurz darauf…

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22 Min
die erschaffung eines serienkillers

IM DEZEMBER 1992 FASST COLIN IRELAND EINEN BESONDEREN NEUJAHRSVORSATZ: ER WILL EIN SERIENMÖRDER WERDEN. Er bereitet sich darauf vor, liest Bücher über den Schotten Dennis Nilsen, der mindestens 15 Menschen getötet hat, über Peter Sutcliffe, den man den „Yorkshire Ripper“ nennt, weil er 13 Frauen das Leben genommen hat. Ireland liest kriminalistische Fachliteratur, das „Crime Classification Manual“ des FBI, „Whoever Fights Monsters“ von FBI-Profiler Robert Ressler, der schreibt, ein Serienmörder sei, wer mindestens fünf Menschen töte. Er schaut Polizeiserien und Filme über Mörder. Liebt „Heißer Verdacht“ mit Helen Mirren. Lässt sich inspirieren von „Das Schweigen der Lämmer“. Der forensische Psychologe Mike Berry wird später sagen: Ireland war ein Niemand, der ein Jemand sein wollte. Seinen ersten Mord verübt er am 8. März 1993. Colin Ireland folgt einem Mann in dessen Wohnung in einem…

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26 Min
punks & koks

Geiles Geknüppel Ich erinnere mich, wie es losging. Da fahren mein Kumpel Rick und ich in die Nachbarstadt, in ein autonomes Zentrum. Es ist eine laue Frühlingsnacht vor fast zehn Jahren, wir wollen auf einen Rave. Rick hat ungewöhnlich viele 50-Euro-Scheine in der Tasche. „Alter. Wo hast du so viel Geld her?“ „Du darfst es aber niemandem erzählen. Ich habe Kokain in die Türkei geschmuggelt. 600 Gramm. Hab 60 Eier gefressen. Je zehn Gramm. Hab dafür 2000 Euro bekommen.“ Ich bin total geflasht: „Krass. Wer ist deine Connection?“ „Darf ich nicht sagen. Tommy hat so einen Typen kennengelernt.“ Ein paar Tage später sitze ich in Ricks Zimmer. Ein blauer Schleier aus Cannabisrauch hängt in der Luft. Das Zimmer sieht aus wie ein Musikproberaum: Die Wand ist zugekleistert mit Postern von Bands, die Total Chaos, Monster Squad…

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