stern Crime 36/2021

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Erscheinungsweise:
Bimonthly
4,99 €(Inkl. MwSt.)
23,99 €(Inkl. MwSt.)
6 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min
editorial

DIE GESCHICHTE EINES … …Verbrechens ist oft auch eine Geschichte über die Zeit, in der wir leben, ein Blick in die Seele der Gesellschaft, die uns prägt. Neid, Wut, Habgier, Eifersucht, Betrug, Missbrauch, Heimtücke, Vertuschung, Mordlust – schon in der Bibel kommen all diese Motive vor. Der Mensch an sich bleibt also gleich. Was sich verändert, sind die äußeren Umstände, wie eine Tat einzuordnen ist. Seit den ersten Ausgaben erzählt stern Crime auch von Verbrechen der Vergangenheit. Durch die Auswertung historischer Akten und manchmal dank der Möglichkeit, noch Zeugen zu befragen, können unsere Autorinnen und Autoren in die unterschiedlichsten Welten eintauchen und die Leser auf eine Zeitreise mitnehmen. Sie versuchen, die Fälle in ihren gesellschaftlichen Kontext einzubetten. Wie etwa in „Blutsturm“ (Heft 15). Das Amokpärchen machte den USA 1958 bewusst, wie schnell…

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6 Min
der deal

Es geschah auf dem Heimweg. Eine 31-Jährige erlitt einen Asthmaanfall. Ein Mann beobachtete das. Anstatt ihr zu helfen, vergewaltigte er die Frau. Dass er ihre Notlage ausgenutzt hatte, werteten die Richter keinesfalls strafverschärfend, wie man als Laie vermuten würde. Stattdessen kam der Vergewaltiger mit zwei Jahren auf Bewährung davon, verließ den Gerichtssaal als freier Mann. Seine Richter hatten sich auf einen Deal eingelassen. Das bedeutet, der Angeklagte legt ein Teil- oder Geständnis ab, und Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger verständigen sich im Gegenzug darauf, in welchem Rahmen die Strafe liegen könnte. Der Beschuldigte erspart dem Staat auf diese Weise einen langen, kostspieligen Prozess. Und bekommt zum Ausgleich ein mildes Urteil. Ein bisschen Gnade vor Recht, also. Diese moderne Form des Ablasshandels wird bei der Justiz offenbar immer beliebter. Ende 2020 stellte das Bundesjustizministerium…

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37 Min
die perfekte frau

DER FAHRER DER CREMEFARBENEN LIMOUSINE ist schon seit Stunden umhergefahren, als er endlich findet, was er gesucht hat. Er hält am Seitenstreifen des Central Expressway, und die Anhalterin klettert auf den bequemen Beifahrersitz. Die junge Frau, groß, ungepflegtes, schulterlanges braunes Haar, will nach East Dallas, um sich Drogen zu besorgen. Es ist kurz nach zwei Uhr in einer kühlen Mainacht. Er bietet ihr an, etwas Metamphetamin mit ihr zu teilen, aber sie will Kokain. Sie führt ihn zu einem Wohnhaus an der Ecke Fitzhugh Avenue und Live Oak Street. Sie geht allein hinein und kauft sich zehn mit Kokain gefüllte Gelatinekapseln. Als sie wieder rauskommt, ist die Limousine immer noch da. Der Fahrer ist einverstanden, sie zu einer Bowlingbahn am Northwest Highway zu bringen, wo sie angeblich eine Freundin treffen will. Die Anhalterin mustert…

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6 Min
jigsaws maske

Um kurz nach 14 Uhr schließt Anja S. die Tür zu ihrer Wohnung auf. Nach der Frühschicht im Schuhcenter war sie einkaufen, sie stellt alles in der Küche ab. Sie setzt Kaffee auf, während er kocht, geht sie ins Bad. Hinter ihrer Schlafzimmertür wartet ein Mann und lauscht auf jeden ihrer Schritte. Als sie sich mit ihrer Tasse an den Esszimmertisch setzt, sieht sie ihn nicht kommen, sie hört ihn nur. „Du Schlampe! Du Fotze!“, schreit er und springt auf sie zu. Anja S. spürt plötzlich ein leichtes Brennen. Etwas Warmes rinnt ihren Hals hinab. Die 46-Jährige springt auf und starrt in eine bleiche Fratze, mit schwarzen Augen und blutigen Mundwinkeln. Eine Maske. Wieder und wieder greift sie nach ihr, bis sie die Maske schließlich vom Gesicht ihres Angreifers reißen kann. Darunter:…

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27 Min
die mission der therese tang

19. Juni 2014 Es ist früh am Morgen, als er anruft und sagt: „Ich bin auf dem Weg zu dir.“ Nun muss alles schnell gehen. Sie muss Vorkehrungen treffen. Sie ist allein. Therese Tang eilt durch die Zimmer, auf der Suche nach allem, was der Mann als Waffe benutzen könnte. Versteckt Klingen und Scheren. Unter das Buch neben ihrem Bett legt sie ein Taschenmesser. Ein Küchenmesser schiebt sie in die Tasche ihrer Jacke im Flur. Über eine Alarm-App verbindet sie sich mit einer Freundin. Der Mann ist eine kranke und verwirrte Seele. Und er ist kräftiger als sie. Er ist impulsiv, egomanisch. Und sie hat tagelang Katz und Maus mit ihm gespielt. Sie hat das Haus ihres Kollegen in Gamleby als Treffpunkt gewählt, damit wenigstens ihre Familie sicher ist. Soll sie sich noch schnell bei…

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20 Min
1964 das feuer

Ungeheure Meldung. Hat man nicht alle Tage. Kaum war der Funkspruch über den Äther gelaufen, hatte sich Kriminaloberrat Karl Kiehne auf den Weg gemacht: „Amokläufer in Köln-Volkhoven, an der Schule Volkhovener Weg mit Flammenwerfer.“ Mit einem Flammenwerfer, Donnerwetter! Und das zu Friedenszeiten! Kiehne, Leiter der Kölner Kripo, war ein Polizist von altem Schrot und Korn. 37 Jahre im Dienst, SS-Sturmbannführer, Korruptionsjäger im Reichskriminalpolizeiamt. Aber jetzt war Frieden. Jetzt hieß es, in die Zukunft blicken. Jetzt wurde an allen Ecken gebaut. Die Domstadt erblühte zu neuem Glanz. Hier im Kölner Norden boomten die Vororte. Der Volkhovener Weg, in den der Streifenwagen jetzt einbog, war eine einzige Baustelle. Vor der Schule drängte sich ein Pulk aufgebrachter Eltern. Polizei, Feuerwehr und Unfallrettung waren schon zur Stelle, die Opfer hatte man bereits abtransportiert. Blaulicht flackerte über…

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