stern Crime 37/2021

"Unter dem Motto ""Wahre Verbrechen. Wahre Geschichten."" berichtet STERN CRIME von realen Kriminalfällen und deren Aufklärung, beleuchtet aber auch das Schicksal der Opfer und die Motive des Täters. Das Heft liefert alle zwei Monate einfühlsame Texte und zurückhaltende, aber zugleich eindringliche Bebilderung der Geschichten. Die seriöse Berichterstattung umfasst Interviews mit Ermittlern, beleuchtet Tathintergründe und verschafft fesselnde Einblicke in die polizeiliche Aufklärungsarbeit. Mit seinen Reportagen über wahre Verbrechen spricht STERN CRIME Leser an, die den Nervenkitzel lieben und sich für den psychologisch-sozialen Kontext realer Kriminalfälle interessieren."

Land:
Germany
Sprache:
German
Verlag:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Erscheinungsweise:
Bimonthly
4,99 €(Inkl. MwSt.)
23,99 €(Inkl. MwSt.)
6 Ausgaben

in dieser ausgabe

2 Min
editorial

ERZÄHLEN … … kann man von einem Verbrechen auf viele Arten. Man kann den Blick besonders stark auf die Gesellschaft und die Zeit richten, in der es geschehen ist. Oder stärker auf die Opfer. Oder auf Täter und Täterinnen. Aber immer ist der Blick auch subjektiv, geprägt von der Perspektive der Autorinnen und Autoren und ihrer Haltung zu dem, was geschehen ist. Manchmal sind jene, die eine Geschichte erzählen, sogar Teil von ihr. In dieser Ausgabe schildert der Kommissar Benedikt Mühlrath seine Ermittlung in einem außergewöhnlichen Einbruchsfall und beschreibt unser Kollege Andreas Albes, wie ihn seine Brieffreundschaft zu einem wegen Kindsmordes Verurteilten an sich selbst zweifeln ließ. Beide erzählen von persönlichen Erlebnissen. Auch Elizabeth Bruenig gibt in ihrem Artikel über die Vergewaltigung einer 16-Jährigen in Bruenigs texanischer Heimatstadt Persönliches preis. Die Autorin hat…

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6 Min
das o-wort

Drei Männer zerrten den elfjährigen Johannes Erlemann im Kölner Villenviertel Hahnwald vom Rad. Sie sperrten das Kind in einen Bretterverschlag – 1,50 Meter breit, 1,60 Meter hoch. Zwei Wochen war der Junge in dem Verschlag gefangen, davon eine Woche völlig im Dunklen. Er konnte nichts sehen, nur tasten, war wie lebendig begraben. Dann spielten die Entführer mit ihm Karten. Über 40 Jahre ist das her. Die Schauspielerin Veronica Ferres will das Drama jetzt verfilmen. Johannes Erlemann, inzwischen 51, gibt deshalb Interviews. Für ihn sei der Film wie Therapie, sagt er. Auch zum Holzverschlag ist er das erste Mal nach all den Jahren wieder gefahren. Er heulte „Rotz und Wasser“. Aber Johannes Erlemann sagt: „Ich bin kein Opfer. Ich bin ein Überlebender.“ Mit 19 wurde Jennifer Asbenson in Kalifornien von einem Mann entführt.…

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33 Min
der tod in rom

Der Stille spricht. Rom, 6. März 2016, Station der Carabinieri, mitten in der Nacht. Er kramt in seinen Erinnerungen und holt das Böse hervor, das in ihn gedrungen war, in den letzten Tagen und Nächten, die keine Tage und Nächte waren. Er sortiert sich, formt das Böse in schlichte Sätze und gesteht. Er heiße Manuel Foffo, sei 28 Jahre alt, wohnhaft in der Via Igino Giordani Nummer zwei, und er habe, zusammen mit dem anderen, dort einen Jungen getötet. Wie heißt der Junge?, fragt der Staatsanwalt. „Ich weiß es nicht.“ Wie habt ihr ihn getötet? „Mit Messern und einem Hammer.“ Wann? Wie lange? „Es hat lange gedauert, das ist am schlimmsten, es hat nämlich … … also, er hat sehr gelitten.“ Auch nach dem Warum fragt der Staatsanwalt. Manuel Foffo sagt, er und der Schillernde hätten einen Pakt…

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5 Min
high heels

Vorsichtig kniet der Polizist Ashton Bowie über der Leiche. Er blickt in das Gesicht von Ulf Svenson*, schaut sich die Wunden des Mannes ganz genau an. Zwei Dutzend tiefe, blutige Löcher hat der 59-Jährige um die Augen, den Mund, am Hals. Das Gesicht ist geschwollen. Aufgerissene Haut, blaue Flecken, Beulen. Und noch mehr Blut auf dem weißen Teppich. Erschossen, denkt Bowie zuerst. Doch schnell ist ihm klar, die Mordwaffe kann keine Pistole gewesen sein. Aber was dann? Houston, Texas, Sonntag, 9. Juni 2013, um 3.41 Uhr. Bevor Bowie an die Tür des Verstorbenen im Nobelhochhaus „The Parklane“ klopfte, ging in der Notrufzentrale ein Anruf ein: „„Er hat mich angegriffen! Er hat auf mich eingeprügelt, und jetzt blutet er. Ich musste mich wehren. Ich brauche Sie. Sofort.“ Am Telefon: Elisa Gomez*. Die…

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10 Min
ver schwör ung

”Es begann im Herbst 2017 mit zwei Einbrüchen. Im September versuchte jemand, die Tür einer Pizzeria aufzuhebeln. Im Oktober stieg eine Person in ein Altenheim ein. Den Fall der Pizzeria bearbeitete eine Kollegin von mir. Sie hatte gleich einen Ansatzpunkt. Eine Zeugin, die über dem Restaurant wohnte, hatte noch in der Nacht die Polizei gerufen. Sie sagte, sie habe Geräusche gehört und ein Auto wegfahren sehen. Sie konnte den Wagen beschreiben und hatte sich sogar Teile des Kennzeichens gemerkt. Dadurch kam meine Kollegin ziemlich schnell auf einen Tatverdächtigen: einen Münchner, er war Maler und Lackierer. Für das Altenheim war ich zuständig. Auch hier hatten wir einen Hinweis bekommen. Doch der war anonym eingegangen. Jemand hatte bei der Einsatzzentrale angerufen und einen Mann beschuldigt, den Einbruch begangen zu haben. Es war der Mann, dessen…

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16 Min
der verlorene hengst

WER NICHT BEHELLIGT WERDEN WILL, IST IN LEITRIM GUT AUFGEHOBEN. Im dünnstbesiedelten County der irischen Republik leben gerade mal 32 000 Menschen zwischen bewaldeten Hügeln, Seen und Moorgebieten. Kleine bis winzige Ortschaften halten Abstand zueinander, auf den Kanälen ziehen Motorboote vorbei. An den Nebenflüssen von Shannon und Yellow River sitzen schweigsame Angler, die Schleien und Brassen, Aale und Hechte aus dem Wasser ziehen. Ansonsten wartet man hier im Nordwesten lieber ab, bis die Dinge von selbst an die Oberfläche gelangen – oder sorgt dafür, dass es gar nicht erst so weit kommt. Das galt zuletzt für ein größeres Gasfeld an der Grenze zu Nordirland, das wegen Vorbehalten gegen das Fracking bisher nicht erschlossen wurde. Es gilt aber auch für zahlreiche Schlupfwinkel, die angelegt wurden. Von Schmugglern, Schwarzbrennern sowie Leuten, die „den…

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