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Arte y Arquitectura
art Magazin

art Magazin 05/2020

ART ist Europas größtes Kunstmagazin und Marktführer im Segment der Kunstzeitschriften. Dabei vereint das Magazin die wichtigsten Highlights aus dem klassischen Kunstbereich mit jungen, zeitgenössischen Themen aus Fotografie, Design und Videokunst und führt kompetent durch das aktuelle Kunstangebot. ART inspiriert und versteht Kunst als wichtigen Anreger in unserer Gesellschaft. Die Grenzen der aktuellen Kunst zu Mode, Design, Musik und Architektur sind fließend.

País:
Germany
Idioma:
German
Editor:
DPV Deutscher Pressevertrieb
Periodicidad:
Monthly
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12 Números

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2 min.
von wohligem schauer zu großer not – und praktischen problemen

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, ich musste in diesen seltsamen Corona-Tagen an das MUSÉE UNTERLINDEN in Colmar denken, wo der Isenheimer Altar in einer schönen gotischen Halle steht. Wann immer ich in der Nähe bin, schaue ich ihn mir an. Matthias Grünewald hat ihn 1512 bis 1516 für ein Klosterspital gemalt, in dem Menschen gepflegt wurden, die am »Antoniusfeuer« litten, einer tückischen, schmerzhaften, tödlichen Krankheit, von der man heute weiß, dass sie eine Mutterkornvergiftung war. Ich mochte immer diesen Gegensatz: einerseits die Vorstellung, dass diese Tafeln vor 500 Jahren denen Trost spendeten und Rettung versprachen, die sich in größter Not und Lebensangst gläubig vor ihnen versammelten. Und anderseits das selig andächtige Treiben der heutigen Museumsbesucher, die wie ich vor dem Altar vor allem wohligen Schauder und große Bewunderung empfinden. Als Journalist…

4 min.
betreff: art

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Plastiktüte zum kunsthistorischen Thema wird, das niemanden kalt lässt? Besonders die Exemplare der sechziger, siebziger und achtziger Jahre haben in der Redaktion zu großer Verzückung geführt. Spontan wurden Erinnerungen an Schallplatten-, Schulranzen- und Schuhkäufe in den Wirtschaftswunderwarenhäusern ausgetauscht. Christina Thomson, die Kuratorin der kleinen, aber äußerst feinen Schau »Tüte? Na, Logo!« in der Berliner KUNSTBIBLIOTHEK, amüsierte sich sehr über die Anekdoten, die Redakteurin Barbara Hein ihr bei ihrem Besuch Ende Februar erzählte – also noch kurz vor den Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Natürlich ging es in dem Gespräch aber hauptsächlich um fachliche Themen wie die verblüffende Nähe der frühen Plastiktütengestaltungen zu Konstruktivismus und Konkreter Kunst oder die Entwicklung von Markenpsychologie und Corporate Identity. Den Artikel und viele Abbildungen der museumsreifen Tüten finden Sie ab…

2 min.
bilder+themen des monats

Frühlingsgruß Auf dem purpur leuchtenden Blütenblatt einer Kamelie hinterlässt ein im Wind tanzender Stift seine zarten Spuren. Das Meer der weißen Blüten gehört zu einem Rosengewächs namens Thunbergs Mädesüß, das rein gar nichts mit der Klimaaktivistin zu tun hat. Hier war Rikuo Ueda am Werk. Der japanische Künstler hat sich das flüchtigste aller Medien zum Komplizen gemacht, die Luft. Seine Werke entstehen, indem er einen Stift und einen Malgrund so in der Natur befestigt, dass sich beide beim kleinsten Hauch berühren. Dieses Wind Drawing entstand am 22. März in einem Park im japanischen Osaka, als die Welt begann, das Ausmaß der Corona-Pandemie zu begreifen. »Rikuo möchte den Menschen in dieser Zeit ein gutes Gefühl bereiten«, sagt seine Galeristin Mikiko Sato, die seinen Gruß verschickte. #artistsathome Die eigenbrötlerische Arbeit im Homeoffice bedeutet für Künstler…

2 min.
kunst für eine bessere welt

Eigentlich ist die Zeit der Kriegsmaler lange vorbei, und selbstredend gab es im Hambacher Forst auch keinen Krieg. Der Kampf um das vom Tagebau bedrohte Waldstück glich eher einer Belagerung: Auf der einen Seite saßen die Besetzer in ihren Baumhäusern, auf der anderen stand die Polizei – und dazwischen die Maler Helge Hommes und Saxana Schoetschel mit Leinwand, Pinsel und Farben. Wolfgang Becker, Gründungsdirektor des LUDWIGFORUMS AACHEN, hatte das in Leipzig lebende Künstlerpaar eingeladen, ein »Statement« zum Ringen um Forst und Klimawandel zu schaffen. Hommes hatte zugesagt, weil der Wald in seinem Werk eine zentrale Rolle spielt. Auf seinen Baumporträts glaubt man knorrige Charaktere zu erkennen, seine Serie Architektur der Natur zeigt zwischen Abstraktion und Realismus changierende Verästelungen. Im August 2018 fuhren die Künstler erstmals in den Hambacher Forst. Auf einer…

2 min.
aktuell überschätzt

Kirschblüten sind im Frühjahr ein beliebtes Motiv. Sie symbolisieren Schönheit, Vergänglichkeit, Aufbruch und wirken duftig, zart und feminin. Kirschblüten mag so ziemlich jeder. Es ist nicht sehr originell, wenn ein Modelabel wie Prada seine Schaufenster damit schmückt. Dass die aktuelle Prada-Frühjahrsdeko von Thomas Demand stammt, dürfte für Kunstfreunde allerdings ein Schock gewesen sein. Was, fragt man sich, mag den Künstler, der zu den erfolgreichsten seiner Generation gehört, bloß dazu getrieben haben, einem Luxuskonzern die Schaukästen aufzuhübschen? Zu allem Überfluss behauptete Demand auch noch, dass es sich bei den gefälligen Displays, die in Metropolen wie Mailand, Tokio oder New York als aparter Hintergrund für exorbitant teure Mäntel oder Handtaschen dienen, um eines seiner Kunstwerke handele. Denn wie üblich habe er ein reales Vorbild aus Papier und Pappe nachgebaut, fotografiert und anschließend zerstört.…

3 min.
da will ich hin

Schon der Name zieht: THE UNDERGROUND MUSEUM! Das klingt nach subversiver Subkultur. Doch was man dann tatsächlich in dem überwiegend von Latein- und Afroamerikanern bewohnten Viertel Arlington Heights in Central Los Angeles vorfindet, ist ein alternatives Kulturhaus, in dem neben Weltklasse-Kunst auch kostenlose Yoga- und Wellness-Kurse und Biogemüse zu erschwinglichen Preisen angeboten werden. Im Garten finden Lesungen, Tanz-Performances und Filmaufführungen statt – unprätentiös, ohne elitäres Gehabe und ohne auf Imagepflege aus zu sein. Denn hier geht es außer um Kunst wirklich um Nachbarschaftshilfe. Gegründet wurde das Museum 2012 von dem Maler Noah Davis und seiner Frau, der Bildhauerin Karon. Davis war damals ein aufsteigender Kunststar und obwohl die Sammler Mera und Don Rubell und das STUDIO MUSEUM HARLEM Arbeiten von ihm gekauft hatten, wollte er sich freischwimmen. Er wollte eigene Ausstellungsräume…